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| Edelmetall in Gefahr? |
21.04.2026 22:42:00
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Krisenvorsorge auf dem Prüfstand: Verliert Gold seinen Status als "sicherer Hafen"?
Ein prominenter Ökonom stellt die Rolle von Gold als sicheren Hafen infrage. Neue Marktkräfte könnten den Preis stärker beeinflussen als klassische Faktoren wie Zinsen oder Inflation.
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Jetzt informieren• Zentralbanken treiben Nachfrage nach Gold
• Risiko einer deutlichen Korrektur wird betont
Das Image von Gold als ultimative Absicherung gegen Währungsverfall und Geopolitik bekommt Risse. In einer aktuellen Analyse hinterfragt der Ökonom Robin Brooks, ob der "Debasement Trade" - die Flucht aus schwindenden Papierwährungen - den Goldmarkt nachhaltig verzerrt hat. Laut Brooks, dessen Thesen auf seinem Substack-Kanal erschienen sind, hat sich das Metall von seinen fundamentalen Treibern entkoppelt. Damit stehe die Verlässlichkeit als "sicherer Hafen" zur Disposition.
Goldpreis zeigt Entkopplung
Während die theoretische Debatte an Fahrt gewinnt, zeigt sich am realen Markt in den vergangenen Wochen ein durchwachsenes Bild. Nachdem das Edelmetall zu Beginn des Jahres 2026 die historische Marke von 5'000 US-Dollar pro Feinunze kurzzeitig überschritten hatte, folgten starke Schwankungen, obwohl geopolitische Entwicklungen wie die Eskalation der Lage im Nahen Osten eigentlich für steigende Goldpreise gesprochen hatten. Händler berichten von einem "Tauziehen" zwischen institutionellen Verkäufen aufgrund der hohen Realzinsen und anhaltenden Stützungskäufen aus dem asiatischen Raum.
Der Bruch mit den Realzinsen
Dabei galt über Jahrzehnte ein eiserner Mechanismus: Sinken die Realzinsen, gewinnt Gold an Attraktivität, da die Opportunitätskosten des zinslosen Investments fallen. Diese Kausalität scheint nun aber offenbar erloschen. Brooks konstatiert, dass Gold trotz des rasanten Realzinsanstiegs in den USA untypisch stabil geblieben ist oder sogar Rekorde markiert hat. Dieser Entkopplungsprozess signalisiert, dass der Markt die rationale Reaktion auf die Zinspolitik zugunsten spekulativer Dynamiken aufgegeben hat. Damit verliert Gold für institutionelle Anleger seine wichtigste Funktion als kalkulierbares Absicherungsinstrument.
Zentralbankkäufe als künstliches Stützkonstrukt
Die aktuelle Preisgestaltung wurzelt massgeblich im aggressiven Kaufverhalten der Zentralbanken, insbesondere in den Emerging Markets. Diese Akteure agieren weniger aus Sorge vor Inflation, sondern aus strategischem Kalkül, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. Brooks argumentiert, dass diese massiven Volumina den Goldpreis künstlich zementieren und die natürliche Preisfindung untergraben. Für Privatanleger bedeutet dies ein unberechenbares Risiko: Gold mutiert zum Spielball geopolitischer Interessen und büsst die für einen Fluchthafen essenzielle Berechenbarkeit ein.
Institutionelle Skepsis und wachsende Volatilitätsrisiken
Diese Skepsis teilt auch Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege bei JPMorgan Asset Management. Er warnt vor einem veränderten Risikoprofil und betont, dass die Rolle als Depot-Stabilisator durch extreme Preisausschläge und die Dominanz spekulativer Kapitalströme gefährdet sei. Galler erläutert: "Da Gold weder Zinsen noch Dividenden abwirft, steigen die Opportunitätskosten, wenn die Realzinsen steigen. Umgekehrt signalisieren fallende Realzinsen den Bedarf an Geldwertsicherung." Seit 2022 ist dieses Wirkungsgefüge jedoch gestört: "Das Edelmetall gilt als neutraler Vermögenswert, der nicht eingefroren werden kann", so Galler. Vor allem Notenbanken haben die Rally bis auf Rekordstände von über 5'000 US-Dollar Anfang 2026 massgeblich unterstützt. Allerdings warnt Galler nun vor der gestiegenen "Fallhöhe" und sieht in Sachwerten wie Infrastruktur derzeit die effizienteren Alternativen für den Inflationsschutz.
Die Gefahr einer massiven Preiskorrektur
Die Warnung von Robin Brooks mündet in der Prognose einer heftigen Marktkorrektur. Da Gold weit über dem Niveau notiert, das klassische Bewertungsmodelle rechtfertigen würden, stuft der Experte die aktuelle Bewertung als fragil ein. Sollten die stützenden Sonderfaktoren - insbesondere die massiven Zukäufe aus China - wegfallen, drohe eine Rückkehr zu den fundamentalen Ankern. In einem Hochzinsumfeld müsste Gold dann massiv abwerten. Wer sich heute ohne Vorbehalt auf den Krisenschutz verlasse, ignoriere den tiefgreifenden strukturellen Bruch der vergangenen Jahre.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.ch
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