Anleger-Magazin Stocks 14.01.2013 13:20:00

Dividendenboom im Silicon Valley

Dividendenboom im Silicon Valley

Von Karl-Heinz Goedeckemeyer

Technologie-Aktien in den USA haben sich in der Vergangenheit in erster Linie durch hohe Kapitalinvestitionen und Ertragsschwankungen ausgezeichnet. Daher haben konservative Investoren diesen Titeln mit Blick auf Einkommen und Dividenden nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Dieser Trend habe sich neuerdings aber gewendet, sagt Daniel Roberts, Manager des Fidelity Global Dividend Fund. Da sich die Branche zehn Jahre nach dem «TMT-Boom» stark konsolidiert hat und weniger Investitionen nötig sind, verbuchen ertragsstarke Technologie-Riesen hohe Barreserven in ihren Bilanzen. Laut Roberts sind viele Unternehmen in der Lage, Dividenden auszuschütten, ohne ihre finanzielle Situation aufs Spiel zu setzen. Als gutes Beispiel führt der Fidelity-Manager Microsoft an.

So hat der Softwaregigant in den letzten zehn Jahren seinen Gewinn pro Aktie stetig gesteigert und gleichzeitig das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 vor zehn Jahren auf rund 10 gesenkt. Laut der Legg-Mason-Tochter ClearBridge Advisors fiel bei Microsoft die Dividende im Vergleich zum ersten Quartal um 15 Prozent höher aus – der siebte Anstieg seit der quartalsweisen Dividendenausschüttung im Jahr 2004. Neben Microsoft haben auch Technologieunternehmen wie Cisco und Seagate in der letzten Zeit ihre Dividendenausschüttungen stärker ausgeweitet als erwartet. Im vergangenen August hat auch Apple mit 2,65 Dollar pro Aktie die erste Dividende ihrer Unternehmensgeschichte gezahlt – rund 2,5 Milliarden Dollar. Apple will dies auch in den nächsten Quartalen tun.

«Der Trend steigender Dividendenzahlungen sollte sich weiter fortsetzen», sagt auch Peter Anderlee, Portfoliomanager bei ClearBridge Advisors. Die Gründe dafür sind vielfältig: Einerseits nähern sich die Verzinsungen von amerikanischen Staats- und Unternehmensanleihen einem Rekordtief. Anderseits suchen Anleger nach amerikanischen Wertpapieren, die einen Ertrag abwerfen. Hinzu kommt, dass die Führungsebenen der amerikanischen Technologieunternehmen die Basis ihrer Anteilseigner diversifizieren wollen. Sie betrachten Dividenden daher verstärkt als eine Möglichkeit, neue Investoren zu gewinnen – und zwar jene, die auf den Wert eines Unternehmens und auf das Einkommen fokussiert sind.

Da die freien Cashflows hoch und die Auszahlungsraten noch immer konservativ seien, bleibe noch Luft für höhere Ausschüttungen, fügt Vanderlee hinzu. Des Weiteren sei mit dem Einbeziehen von Dividenden in ihrem Kapitalallokationsrahmenwerk eine Abkehr von der traditionellen Vorgehensweise der Aktienrückkäufe und Zukäufe verbunden. Dieses Umdenken werde zudem von der Tendenz gestützt, dass die Aktienkurse positiv auf das Ankündigen von Dividendenausschüttungen und -erhöhungen reagieren würden.

Ausschüttungsquote von 30 Prozent

Gemäss ClearBridge Advisors haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate insgesamt 38 amerikanische Technologieunternehmen ihr Dividendenniveau erhöht. Wobei drei Gesellschaften, die im S&P 500 enthalten sind, seit Jahresbeginn zum ersten Mal überhaupt Dividenden ausgezahlt haben. Laut Vanderlee schütteten noch im Juli 2002 lediglich 17,9 Prozent der im S&P 500 enthaltenen Technologieunternehmen Dividenden aus. Bis Ende 2011 habe sich diese Zahl auf 53,5 Prozent (Quelle: Factset Dividend Quarterly Report zum 31. März 2012) erhöht. Von den im S&P enthaltenen 500 Unternehmen zahlen gegenwärtig 398 eine Dividende, darunter befinden sich 40 Technologieunternehmen. Unter Berücksichtigung der für 2012 geschätzten Gewinne beträgt die Dividendenrendite der S&P-Unternehmen laut ClearBridge 2,5 Prozent und die Ausschüttungsquote 30,3 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beläuft sich auf 13.

Der Trend zu höheren Ausschüttungen ist Folge der stetig gestiegenen Cash-Bestände. So belaufen sich nach einer jüngeren Schätzung von Fidelity die Barreserven der im S&P 500 vertretenen US-amerikanischen Technologieunternehmen auf 475 Milliarden Dollar. Dem stünden gerade mal Verbindlichkeiten von 160 Milliarden Dollar gegenüber. Folgerichtig hätten viele Tech-Unternehmen genug Cash, um in Wachstum zu investieren und gleichzeitig ihre Ausschüttungen an die Aktionäre wesentlich zu erhöhen. Und weil viele Tech-Aktien inzwischen eta­blierte, stabile und schwankungsarme Wachstumsunternehmen seien, werde das auch auf absehbare Zeit so bleiben.

PC-Markt steckt in der Krise

Im vergangenen Jahr haben Microsoft, Intel und Cisco in dieser Reihenfolge Dividenden in Höhe von 6,4 Milliarden, 4,2 und 1,5 Milliarden Dollar ausgeschüttet. Bei Apple ist zwar die Ausschüttungshöhe noch ungewiss, gleichwohl will der Tech-Gigant für Ausschüttungen und Aktienrückkäufe über die nächsten drei Jahre rund 45 Milliarden Dollar Cash aufwenden, sagt Fidelity-Manager Roberts. Im Schnitt halten die im S&P enthaltenen Unternehmen (ohne Finanzwerte) Cash-Bestände und börsenfähige Wertpapiere von rund 38 Prozent in Bezug auf ihre Assets. Ob sich der von den Experten erwartete Trend zu steigenden Dividendenausschüttungen weiter fortsetzt, hängt aber auch vom globalen konjunkturellen Umfeld ab. Falls sich die Konjunktur insbesondere in den wichtigen Absatzmärkten weiter eintrübt, dürfte sich parallel dazu auch das Wachstum der Computerindustrie abschwächen.

Dabei scheint sich vor allem der PC-Markt in der Krise zu befinden, was entsprechende Spuren bei den Herstellern und Zulieferern hinterlassen sollte. So präsentierten Intel und Texas Ins­truments wenig berauschende Quartalszahlen.

Gleichwohl sollten Investoren die Quartalsergebnisse der Tech-Firma genau unter die Lupe nehmen, denn viele Ergebnisabschwächungen sind nicht der Konjunktur geschuldet, sondern beruhen auf hausgemachten Problemen, wie im Fall von Texas Instruments. Ferner bleibt abzuwarten, wie sich die Ausschüttungspolitik langfristig auf die Aktienperformance der Technologiefirmen auswirken wird.

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Bildquelle: stocks

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