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30.06.2004 22:00:00

Derivate: Mehr (Orangen-)Saft ins eigene Depot

Rohstoffe eignen sich zur Diversifikation. Derivate eröffnen entsprechende Anlagemöglichkeiten ­ von der Option bis zum Kapitalschutz-Zertifikat.

NYMEX: Cleverer Schachzug

1978 war für die New York Mercantile Exchange (NYMEX) nicht gerade eine Blütezeit ­ und so entschloss man sich, Energie-Futures einzuführen. «Wir haben Preistransparenz und Risikomanagement in diesen lebendigen Markt gebracht», heissts in PR-Worten auf der Homepage. Das Resultat: Heute gilt der 132-jährige Handelsplatz als führende Energiebörse. Die Palette wurde laufend ergänzt: So etwa 1981 mit Futures auf Heizöl, Gas und Rohöl oder 1996 mit der Einführung von Elektrizitäts-Derivaten. Daneben wird heute noch eine ganze Palette an weiteren Rohstoffen gehandelt: Naturgas, Propangas, Kohle ­ aber natürlich auch die traditionellen Edelmetalle wie Gold, Silber, Kupfer, Platin, Aluminium oder Palladium.

Long/Short

Eine Long-Position entsteht durch den Kauf eines Wertpapiers (Erwartung: steigende Preise). Sie sie hat Bestand, bis die Glattstellung (beispielsweise durch Verkauf) erfolgt. Das Gegenteil bildet ­ in Erwartung fallender Preise ­ die Short-Position.

Aquarius Platinum

Ein wichtiger Anlagegrundsatz lautet: das Investment verstehen. Deshalb sei das Wirkungsfeld der im Artikel genannten Aquarius Platinum «wissenschaftlich» beleuchtet. Das chemisch widerstandsfähigste Platinmetall Iridium wird vor allem als Legierungsmetall für Platin sowie elektrische Kontakte und Füllfederspitzen verwendet. Osmium gilt als schwerstes Metall und findet in der Praxis vergleichsweise wenig Anwendung. Das ausserordentlich stark Licht reflektierende Rhodium gelangt unter anderem in Fahrzeug-Katalysatoren zum Einsatz. Erst 1845 wurde das seltenste Platinmetall, Rhutenium, entdeckt: Feinverteilt eignet es sich als Hydrier- und Oxidationskatalysator (leichte Aufnahme von Wasser- und Sauerstoff).

Gegenparteirisiko

... ein langes und unverständliches Wort. Und doch von grösster Bedeutung. Vor allem Open-End-Zertifikate werden immer wieder gerne als Alternativen zu Anlagefonds gehandelt. Anders als beim Fonds wird das investierte Geld aber nicht in einem getrennten Sondervermögen geführt. Zertifikate entsprechen also einer mit Kreditrisiko behafteten Schuldverschreibung ­ will heissen: Gerät der Emittent ins Schlingern, geht der Anleger im schlimmsten Fall leer aus. Wie gut ist die Schuldnerqualität des Emittenten? Wie ists um die Bonität des Lead-Managers bestellt? Fragen, deren Antworten in das Stocks-Rating einfliessen, in dem sich die in derRubrik «Financial Products» vorgestellten Neuemissionen jeweils behaupten müssen.

Derivat-Handelsplätze IV:Hongkong Der asiatische Markt ist im vergangenen Jahr weltweit zur Nummer zwei (knapp 28 Milliarden Euro, Marktanteil 12 Prozent) aufgestiegen. Im regulären «Securities Market»der Hongkong Stock Exchange sind die Segmente «Equity Warrants»und «Derivative Warrants» (Drittparteien als Emittenten, tendenziell kürzere Laufzeiten sowie eine breitere Palette an Basiswerten) zu finden. Daneben gibt es in Hongkong noch einen Optionen- und Futures-Handel im so genannten «Derivatives Market».


Auf Aktien werden Dividenden ausgeschüttet, auf Anleihen Zinsen ausgezahlt und ein Immobilienbesitzer erhält eine Miete. In der Theorie ist es zumindest so ausgedacht. Der Besitz von Rohstoffen hingegen kostet Geld (Lagerhaltungskosten), und ein direkter Ertrag ist nicht zu erzielen. Warum also sollten Anleger in Rohstoffe investieren? Wie alle anderen Anlagen unterliegen auch Rohstoffe Preisschwankungen. Diese Schwankungen sind abhängig von der aktuellen industriellen Nachfrage, klimatischen Ereignissen und den vorhandenen Kapazitäten. Der potenzielle Ertrag einer Anlage in Rohstoffe ist demzufolge die mögliche Preissteigerung, verursacht durch einen dieser Faktoren.

Rohstoffe werden an verschiedenen Terminbörsen als Future-Kontrakte gehandelt. Das Spektrum gliedert sich in Energiekontrakte (wie Rohöl und Erdgas), Kontrakte auf Basismetalle (wie Aluminium oder Kupfer), Edelmetalle (Gold, Silber, Palladium und Platin), Agrarprodukte (wie Kaffee oder Weizen) oder Kontrakte auf Nutzvieh (Rinder und Schweine).

Mit der konjunkturellen Erholung der letzten Monate sind auch viele Rohstoffnotierungen gestiegen. Insbesondere die Preise einiger Basismetalle, wie Kupfer oder Nickel, notieren auf historischen Höchstständen. Dieser Umstand ist weniger der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung zu verdanken, sondern dem heissen Hunger Chinas und auch Indiens nach Rohstoffen. Durch eine Vielzahl von Infrastrukturprojekten und die anhaltende hohe Wirtschaftsdynamik ist China zu einem der grössten Rohstoff-Importeure aufgestiegen. Obwohl China zu den grössten Ländern der Erde gehört, können die erschlossenen Rohstoffvorkommen nicht mehr mit der wirtschaftlichen Dynamik und dem stetig steigenden Rohstoffbedarf Schritt halten. Defizite verzeichnet das Land vor allem bei der Energieversorgung und bei Basismetallen ­ wie Kupfer oder Aluminium. Eine Vielzahl von Lieferverträgen wurde deshalb in letzter Zeit mit verschiedenen Staaten (zum Beispiel Australien) geschlossen, um den langfristigen Rohstoffbedarf abzudecken.

Der kurzfristig erhöhten Nachfrage steht ein Angebot gegenüber, das in den letzten Jahren kaum aufgebaut wurde. Auf Grund der Konsolidierung der Rohstoffindustrie, die sich in einer Vielzahl von Unternehmensübernahmen und -fusionen von Rohstoffproduzenten ausdrückte, und der schwachen konjunkturellen Entwicklung seit dem Börsencrash im Jahr 2000 wurden die Kapazitäten tendenziell eher zurückgeführt.

Da Rohstoffe unmittelbar die Inflation, also Preissteigerungen, reflektieren, sind sie auch ein unmittelbarer Schutz vor dieser Gefahr. Während Anleihen in einem Inflationsszenario fallen, da die Zinsen steigen und Aktien erst mit einiger Verzögerung auf Preissteigerungen reagieren, steigen die Rohstoffnotierungen sofort. Anleger, die ihr Portfolio gegen Inflation schützen möchten, sollten deshalb ihr Anlagespektrum um Rohstoffe ergänzen. Ein Szenario, das ganz beispielhaft die Vorteile eines Rohstoffinvestments demonstriert, hat es beispielsweise in den Siebzigerjahren gegeben: Diese Phase war gekennzeichnet von steigenden Zinsen (fallenden Anleihenkursen) und stark steigenden Rohstoffpreisen. Insbesondere die Edelmetalle wie Gold und Silber erreichten in dieser Zeit ihre historischen Höchststände.

Wie könnte die weitere Entwicklung der Rohstoffpreise aussehen? Obwohl die chinesische Regierung erst kürzlich vor zu hohen Wachstumserwartungen gewarnt hat und dies bei gewissen Rohstoffpreisen unmittelbar zu Kurskorrekturen geführt hat, wird es auf längere Sicht bei einigen Rohstoffen zu Engpässen und dadurch zu höheren Preisen führen. Weil immer mehr Chinesen ihre Essgewohnheiten ändern und zum Beispiel von Reis auf westliche Nahrung umstellen, wird China bald einmal Netto-Importeur von Getreide sein.

Auch gewisse Hedge Funds könnten einen nicht unerheblichen Einfluss auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung der Rohstoffpreise haben. In den vergangenen Monaten sind einige Hedge Funds mittels Future-Kontrakten diverse Rohstoffe «long» gegangen und haben dagegen den US-Dollar im Speziellen (etwa 1,3 Billionen Dollar) gegen den japanischen Yen «shorted». Falls nun die amerikanischen Zinsen in nächster Zukunft wirklich ansteigen, könnte dadurch der US-Dollar seine neulich angesetzte Erholung gegenüber dem Yen, aber auch dem Euro weiter fortsetzen. Dadurch sähen sich wohl einige der Hedge-Funds-Manager gezwungen, die Dollar, die sie nicht besitzen, wieder zurückzukaufen ­ und dagegen die Rohstoff-Futures zu veräussern. Dass dieser Prozess eventuell schon eingesetzt hat, könnten die Kursavancen des Dollars gegenüber dem japanischen Yen zeigen.

Wer als Anleger an der Preisentwicklung von Rohstoffen partizipieren möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Er kann sich Aktien von Unternehmen kaufen, die Rohstoffe fördern. Die bekanntesten und grössten Unternehmen in diesem Bereich sind Rio Tinto, BHP Billiton oder Anglo American. Die drei Unternehmen fördern beinahe sämtliche Rohstoffe zu Tage, die in und auf der Erde vorkommen. Ein kleines spezialisiertes Unternehmen ist Aquarius Platinum. Dieses Unternehmen ist ein in Australien ansässiger Produzent von Metallen der Platin-Gruppe des Periodensystems. Dazu gehören neben Platin noch Palladium und die seltenen Metalle wie Rhodium, Iridium, Ruthenium und Osmium.

Die Anzahl der verfügbaren Fonds, die in Rohstoff-Aktien oder -Futures-Kontrakte investieren, ist sehr gering. Weltweit sind es gerade einmal etwa 20 Fonds, die sich der Thematik Rohstoffe annehmen. Eine Ausnahme bildet Credit Suisse, denn sie bietet den «Credit Suisse Commodity Fund Plus» gleich in Dollar, Euro und Franken an. Rohstoffe werden bis auf wenige Ausnahmen in Dollar gehandelt ­deshalb haben die Euro- und Franken-Tranchen einen Währungsschutz eingebaut und sind für Schweizer Investoren insbesondere dann interessant, wenn der Dollar weiter an Wert verlieren sollte.

Zählen die Edelmetalle ebenfalls zu den Rohstoffen, dann bieten schon seit geraumer Zeit mehrere Banken (UBS, Vontobel, Goldman Sachs) Call- und Put-Warrants auf Gold oder Silber. Dazugekommen sind in den letzten Monaten Warrants auf Palladium und Platin. Der Basiswert bei Edelmetall-Warrants ist in der Regel der Spot-Kurs. An der Schweizer Börse werden von Vontobel, Goldman Sachs und ABNAmro auch Warrants auf Erdöl angeboten. Bei Warrants auf Erdöl ist es sehr wichtig zu beachten, was den Basiswert bildet. Zum einen gibt es Warrants auf «NYMEX Crude Oil» und «Brent Crude Oil» ­ und der Basiswert ist nicht der Spot-Kurs, sondern ein bestimmter Future. Der Preisunterschied zwischen dem Spot- und Future-Preis kann je nach Verfall-Datum des zu Grunde liegenden Future erheblich sein und nicht zu jeder Zeit entwickeln sich der Spot- und Future-Preis identisch.

Eine Warrants-Alternative sind Mini-Future-Zertifikate, die zum Beispiel von ABN Amro (an der Stuttgarter Euwax gelistet) auf praktisch sämtliche gängigen Rohstoffe angeboten werden. Diese Produkte haben wie Warrants auch einen Hebel ­einer der Vorteile gegenüber Optionsscheinen liegt darin, dass sie ohne Verfall emittiert werden. Dazu kommt, dass ein Investor lediglich die Differenz zwischen dem Ausübungspreis und dem aktuellen Kurs des Basispreises bezahlt, das heisst also, der unangenehme Faktor «Zeitwert» (bei den Warrants) fällt weg. Das Delta beträgt zu jedem Zeitpunkt eins.

ABN Amro ist ebenfalls einer der führenden Anbieter von 1:1-Partizipations-Zertifikaten auf einzelne Rohstoffe und bietet als eines der wenigen Bankinstitute diverse Rohstoff-Zertifikate an der Schweizer Börse zum Handel an. Ein Anleger kann somit an der weiteren Kursentwicklung von Aluminium, Kupfer, «Brent Crude Oil», Nickel, Blei, Zink, Kakao, Kaffee, Orangensaft, Weizen oder Zucker partizipieren. Diese Zertifikate wurden in Dollar und ohne fixes Verfalldatum emittiert und beziehen sich auf die jeweiligen Terminkontrakte. Um eine physische Andienung zu vermeiden, wird die Position vor Fälligkeit des jeweiligen Kontraktes (in der Regel drei Monate) in den nächstfolgenden Terminkontrakt «gerollt». Um die Preisdifferenzen zwischen den Kontrakten auszugleichen, kann sich bei Open-End-Zertifikaten auf Rohstoffe die Partizipationsrate am jeweiligen Terminkontrakt ändern.

Vorsichtigere Anleger können sich auch ein derivatives Finanzinstrument mit Kapitalschutz erwerben. Der Vorteil dieser Produkte liegt ­ wie es der Name sagt ­ darin, dass das eingesetzte Kapital per Verfalldatum ganz oder zum Teil geschützt ist. Das Angebot an kapitalgeschützten Produkten beschränkt sich jedoch meist auf die Basiswerte Gold oder Silber. Einige Emittenten bieten ebenfalls Strukturen auf den Goldman Sachs Commodity Index an.

Oliver Disler ist verantwortlich für den Verkauf von Derivaten auf Aktien und Rohstoffen bei ABN Amro in Zürich.

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