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04.05.2021 12:25:40

ZIA: Wirtschaftsimmobilien leiden unter der Corona-Pandemie

Von Andrea Thomas

BERLIN (Dow Jones)--Die deutsche Immobilienwirtschaft hat in der Corona-Pandemie Gewinner und Verlierer erzeugt. Bei Wohnimmobilien deutet sich kein Ende der Preissteigerungen an, während die Wirtschaftsimmobilien unter der Corona-Pandemie leiden. Das ist das Ergebnis des Frühjahrsgutachten der Immobilienwirtschaft, das der Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) veröffentlich hat. Verstärkt hat sich auch der Trend hin zu Eigenheimkauf im ländlichen Raum.

Handel und Hotels benötigten endlich eine Öffnungsperspektive, um Insolvenzen zu verhindern. Nötig sei zudem eine Städtebauförderung, um die von der Corona-Pandemie stark getroffenen Innenstädte zu stärken, erklärte der ZIA.

"Im Wohnbereich ist eine Trendwende bei der Preisentwicklung kaum absehbar. Die Finanzierungsbedingungen sind weiterhin attraktiv, Verdiensteinbussen sind temporärer Natur", sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner. "Demgegenüber sind Wirtschaftsimmobilien deutlich von der Corona-Krise betroffen und Mieten und Preise dürften sich kurzfristig kaum noch so stark wie in den vergangenen Jahren entwickeln."

Fortbestehende Kapazitätsbeschränkungen in der Bauwirtschaft, lange Planungs- und Genehmigungsverfahren und fehlendes Bauland in Ballungsgebieten verteuerten die Immobilienobjekte im Wohnbereich ebenso wie höhere Anforderungen an die Energieeffizienz, komplexe Regulierungen für Neubauten oder Massnahmen wie die Mietpreisbremse.

Attraktivität der ländlichen Regionen steigt

Bei den Ein- und Zweifamilienhäusern lag der Kaufpreis im vergangenen Jahr bei Bestandsimmobilien im Durchschnitt bei 402.000 Euro. Insgesamt hat sich hier allerdings eine Trendwende vollzogen. Stiegen die Preise im Zeitraum von 2012 bis 2016 noch in Metropolen mit 37 Prozent fast vier Mal so stark wie im ländlichen Raum, so glichen sich diese Steigerungsraten in den Jahren bis 2020 unabhängiger von der Entfernung zu den Zentren nach oben hin an.

"Die Attraktivität abgelegener Gebiete ist relativ zu den zentraleren Lagen gestiegen", so das Fazit des Gutachtens. Insgesamt sei die Assetklasse Wohnimmobilien sehr gut durch die Corona-Krise gekommen. Gegen den anhaltenden Trend der steigenden Mieten helfe nur der Neubau von Wohnungen, gerade in den Metropolen und den Universitätsstädten. "Nach dem Scheitern des Berliner Mietendeckels vor dem Bundesverfassungsgericht darf die steigende Neubautätigkeit nun nicht mit einem Bundesmietendeckel ausgebremst werden", warnte Mattner mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl.

Keine Entwarnung bei stationärem Einzelhandel und Hotels

Bei den Gewerbeimmobilien erwiesen sich besonders der Non-Food-Handel und die Hotellerie als klare Verlier der Corona-Krise. Nötig für die Branchen sei eine Öffnungsperspektive, um Insolvenzen zu vermeiden. Selbst nach dem Ende der Corona-Pandemie werde der stationäre Einzelhandel in den Innenstädten seine Verluste nicht wettmachen können, da viele Konsumenten auch weiterhin verstärkt auf den Online-Handel zurückgreifen würden, so der ZIA.

Zwar habe der Bund finanzielle Unterstützung zur Verfügung gestellt. "Zwei Drittel der Händler bekommen derzeit aber immer noch keine Hilfen, beim Rest ist es noch zu wenig. Es muss daher endlich eine vollständige Öffnungsperspektive aufgezeigt werden, nur sie kann Insolvenzen noch verhindern", forderte Mattner.

Auch die Hotellerie könne sich auf keine schnelle Erholung einstellen in den Messestädten Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf, so die Immobilienwirtschaft. Denn in der Corona-Zeit habe sich gezeigt, dass manche Dienstreisen auch durch Videokonferenzen ersetzt werden könnten.

Markt für Büroimmobilien trotz Homeoffice robust

Die Immobilienwirtschaft warnte vor einem Abgesang auf Büroimmobilien. Die Marktsituation sei bei Büroimmobilien trotz der Corona-Pandemie insgesamt robust, so der ZIA. Die Mieten, Leerstandszahlen und die Investmentaktivitäten seien auf einem stabilen Niveau. "Viele Beschäftigte sind das Homeoffice leid. Wirklich glücklich mit der Situation sind ohnehin nur Beschäftigte, die eine Wohnung haben, in der ausreichend Platz für einen separaten Arbeitsplatz oder gar ein Arbeitszimmer ist", so Mattner. "Büroimmobilien werden sich verändern, überflüssig werden sie jedoch nicht. Dementsprechend ist auch der Büromarkt weiter stabil."

Der Leerstand bei den Büromieten sei während der Pandemie insgesamt leicht angestiegen, bleibe aber mit 3,8 Prozent gering und entspreche einer "gesunden Fluktuationsreserve", so das Frühjahrsgutachten. Die beliebten Metropolen aus der ersten und zweiten Reihe verzeichneten leichte Steigerungen auf 3,4 und 3,7 Prozent. In den anderen Grossstädten gab es hingegen keine Veränderungen. Insgesamt stagnierten die Mieten bei Büroimmobilien im Allgemeinen, nachdem sie in den zehn Jahren zuvor kontinuierlich gestiegen waren.

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/apo

(END) Dow Jones Newswires

May 04, 2021 06:25 ET (10:25 GMT)

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