Experten-Kolumne 23.12.2019 14:17:50

Klimawandel - grünes Licht für Anleger

Klimawandel - grünes Licht für Anleger

Aber wie aus den meisten Berichten zu diesem Thema hervorgeht, bleibt die Reaktion der Weltgemeinschaft doch weit hinter dem zurück, was anbracht wäre. Viele befürchten daher, dass selbst die bescheidenen Ziele des Pariser Klimaabkommens, den globalen Temperaturanstieg auf "unter 2 Grad Celsius" zu begrenzen, verfehlt werden.

Sollen Anleger deshalb nun die Flinte ins Korn werfen? Nein. Denn für jeden der "Grossen Vier" Verursacher von Treibhausgasemissionen China, Indien, die USA und die EU gibt es Positivbeispiele, die zeigen, was eine klare Strategie im Kampf gegen die Erderwärmung bewirken kann. Anleger müssen nur wissen, wo sie suchen sollen. Zudem wird hieran deutlich, welche wichtige Rolle Anlegern bei der Lösung dieser brisanten Themen zukommt.

USA vs. China: Zwei Ansätze

Bei der Suche nach Lösungen im Umgang mit dem Klimawandel sind Politiker sowohl eine Hilfe als auch ein Hindernis. In den USA hat Präsident Trump bei vielen Umweltfragen den Rückwärtsgang eingelegt. So kündigte er unter anderem einseitig das Pariser Abkommen. Die polarisierte Debatte und der Investitionszyklus von vier Jahren haben zu erheblicher Verunsicherung über die künftige Klimapolitik der Vereinigten Staaten geführt.

Aber auf bundesstaatlicher Ebene gibt es viele ermutigende Entwicklungen. Denn die Bundesstaaten haben erhebliche Machtbefugnisse, mit denen sie die Energiebranche an die Leine legen und Umweltgesetze erlassen können. Diese haben Kalifornien, New York, Massachusetts und New Jersey genutzt, um Gesetze zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu verabschieden.

Chinas politische Strukturen unterscheiden sich erheblich von denen der USA, was für das Klima durchaus von Vorteil sein kann. Im Reich der Mitte hat die Kommunistische Partei die Macht und kann mit Blick auf den Klimawandel eine langfristige, einheitliche Strategie verfolgen. Begreift Peking die CO2-Minderung aufgrund des engen Zusammenhangs zwischen Emissionen, Verschmutzung und geringerer Lebenserwartung als ein übergeordnetes Ziel, können entsprechende Massnahmen schnell angepasst und umgesetzt werden.

Europa macht‘s vor

Bezogen auf politische Strukturen ist die EU irgendwo zwischen den USA und China anzusiedeln. Die Union ist ein Flickenteppich politischer Parteien aus dem gesamten ideologischen Spektrum, jede mit nationalen Interessen. Aber beim Thema Klimawandel rauft man sich zusammen. Auf der übergeordneten Ebene sorgen Politiker für Rahmenbedingungen über Verordnungen und Richtlinien, die die Mitgliedstaaten in nationales Recht umsetzen müssen. Sie beinhalten den ehrgeizigsten Emissionshandel der Welt, der fast 45% der gesamten Treibhausgasemissionen der Mitgliedstaaten abdeckt. Dass diese Massnahmen funktionieren, dafür gibt es belastbare Anzeichen. Im Jahr 2017 lagen die Emissionen um 22% unter dem Niveau von 1990. Bis zum Jahr 2030 hat sich die EU eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 40% verglichen mit 1990 auf die Fahnen geschrieben.

Investition in die Zukunft

Unabhängig vom politischen Umfeld schafft der Kampf gegen die Erderwärmung neue Anlagemöglichkeiten für Investoren. Bei den Anleihen z.B. können Anleger in den USA ihr Geld direkt den Bundesstaaten und Kommunen leihen, die Massnahmen zum Klimaschutz über Kommunalanleihen finanzieren. Die Mittel daraus stecken Städte, Bundesstaaten und halbstaatliche Einrichtungen in Infrastrukturvorhaben. Auch in solche, mit denen sie auf den Klimawandel reagieren und sich darauf vorbereiten.

Derweil ist die EU eine der Regionen, die es Anlegern besonders einfach macht. Ihr Markt für erneuerbare Energien ist im Vergleich mit anderen Regionen weit entwickelt. Versorger in der EU gehören zu den weltweit grössten Emittenten grüner Anleihen.

Aber auch in China legen Unternehmen nach einem zögerlichen Start nun immer mehr Green Bonds auf und locken damit Anleger an. Unterdessen schreitet die Öffnung der Kapitalmärkte im Reich der Mitte voran. Zudem werden die Hürden für ausländische Investitionen weiter gesenkt, während immer mehr Anleger über zusätzliche Kanäle Zugang zum chinesischen Rentenmarkt erhalten.

In Indien wiederum ermöglicht das kürzlich geänderte Stromgesetz nun ausländische Direktinvestitionen von bis zu 100% in erneuerbare Energienprojekte. Im Juli hat die regierende BJP-Partei ein Programm lanciert, das internationalen Unternehmen schmackhaft machen soll, Anlagen zur Herstellung von Solarzellen, Solarstrom-Ladeinfrastruktur und Lithiumbatterien zu errichten.

Noch einiges zu tun

Ungeachtet all dieser Massnahmen bleibt noch viel zu tun. In Indien übersteigen die Subventionen für fossile Brennstoffe die für erneuerbare Energien nach wie vor um rund das Sechsfache. Viele Ziele der Zentralregierung für die Zeit nach 2020 sind nicht durch verbindliche Gesetze abgesichert. In China wird für die Stromerzeugung immer noch vor allem Kohle verwendet. Und sollte Präsident Trump wiedergewählt werden, könnten die USA noch mehr ihrer Klimaschutzzusagen zurücknehmen. Das könnte selbst die autonomsten Bundesstaaten erheblich unter Druck setzen.

Wenn man die EU und viele US-Bundesstaaten betrachtet, erkennt man schnell, was eine entschlossene Politik schaffen kann. Anlegern kommt ebenfalls eine wichtige Rolle zu, denn sie können ihr Kapital dort investieren, wo es besonders viel Gutes bewirken kann.

Autorin: Stephanie Kelly, Senior Political Economist, Aberdeen Standard Investments


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