Finanzstabilität in Gefahr? 10.10.2018 07:35:00

IWF: Geldpolitische Straffung könnte Schwachstellen offenlegen

IWF: Geldpolitische Straffung könnte Schwachstellen offenlegen

"Das Finanzsystem ist stärker, aber in der Dekade seit der Krise sind neue Schwachstellen entstanden", so lautet das Urteil des Internationalen Währungsfonds (IWF) in seinem neuen Global Financial Stability Report (GFSR). Der stärkere Dollar und die höheren US-Zinsen haben die Kreditaufnahme für Schwellenländer verteuert, insbesondere für solche mit grösserem Kreditbedarf und schwächeren wirtschaftlichen Bedingungen oder politischen Rahmenbedingungen.

In der Zukunft lauerten erhöhte Risiken, warnt der IWF. "Sicherlich ist das Finanzsystem heute stärker als vor der globalen Finanzkrise, dank eines Jahrzehnts der Reformen und der Konjunkturerholung. Allerdings nehmen die Schwachstellen weiter zu, und das neue Finanzsystem bleibt ungetestet. Weitere Schritte sind erforderlich, um die Widerstandsfähigkeit zu verbessern."

Sollte sich der Druck auf die Schwellenländer ausweiten und verstärken, würden die Risiken für die Finanzstabilität deutlich zunehmen. Die IWF-Analyse deutet darauf hin, dass es mittelfristig mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 Prozent zu Portfolioabflüssen von 100 Milliarden US-Dollar oder mehr in den Schwellenländern kommen wird. Das sei in etwa vergleichbar mit den Abflüssen in der Krise, erklärt der IWF.

Zudem gebe es andere Wege, wie die Stabilitätsrisiken stark ansteigen könnten. Dazu gehörten eine breitere Eskalation der Handelsspannungen, ein Brexit ohne Abkommen, erneute Sorgen über die Finanzpolitik in einigen hoch verschuldeten Ländern des Euroraums und eine schneller als erwartet erfolgende Normalisierung der Geldpolitik in den Industrieländern.

Jede dieser Risiken könnte die finanziellen Schwachstellen aufdecken, die im Laufe der Jahre der lockeren Geldpolitik zugenommen haben, warnt der IWF. In Volkswirtschaften mit global systemrelevanten Finanzsektoren sei die Verschuldung von Regierungen, Unternehmen und Haushalten von rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor zehn Jahren auf nun fast 250 Prozent gestiegen.

"Die Schwellenländer nehmen auf den internationalen Märkten mehr Kredite auf und laufen Gefahr, dass sie einen wesentlichen Teil ihrer Fremdwährungsschulden nicht refinanzieren können", urteilt der IWF. Banken seien diesen hoch verschuldeten Kreditnehmern ausgesetzt, und einige globale Banken verfügten über grosse Bestände an illiquiden und undurchsichtigen Vermögenswerten.

"Dies ist keine Zeit für Selbstgefälligkeit", mahnt der IWF. Zur Sicherung der Finanzstabilität sollten die Regierungen aktive Massnahmen ergreifen. Die Reformagenda für die Finanzregulierung sollte abgeschlossen und ein Zurückdrehen der Reformen vermieden werden. Die internationale Zusammenarbeit sei entscheidend für die Wahrung der globalen Finanzstabilität und die Förderung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums.

FRANKFURT (Dow Jones)

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