Wirtschaft schützen 19.03.2020 08:14:00

EZB startet neues Anleihenkauf-Programm über 750 Milliarden Euro

EZB startet neues Anleihenkauf-Programm über 750 Milliarden Euro

Damit will die Zentralbank den Investoren ein entschlossenes Signal geben, dass sie hinter den umkämpften Regierungen der Region stehen wird.

Der unerwartete Schritt nach tagelanger Verzögerung und uneinheitlichen Botschaften der EZB unterstreicht den hohen Druck unter den (wirtschafts-)politischen Entscheidungsträgern in Europa, das sich zum neuen Zentrum der sich schnell bewegenden globalen Corona-Krise entwickelt hat.

Die Kreditkosten für die südeuropäischen Länder sind in den vergangenen Tagen sprunghaft gestiegen. Das spiegelt die Besorgnis wider, dass die Regierungen der Region Schwierigkeiten haben könnten, ihren Verpflichtungen nachzukommen, wenn die Ausgabenanforderungen steigen. Diese Entwicklung ruft Erinnerungen an die Schuldenkrise der Eurozone vor fast einem Jahrzehnt wach.

In einer Erklärung der EZB heisst es, dass sie mindestens bis zum Ende des Jahres und möglicherweise darüber hinaus 750 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Aktiva kaufen werde. Die Käufe - das so genannte Pandemie-Notkaufprogramm, englisch: Pandemic Emergency Purchase Program (PEPP) - werden auch griechische Staatsschulden umfassen, die im Rahmen früherer EZB-Kaufprogramme ausgeschlossen waren.

Die Entscheidung fiel während einer ausserplanmässigen nächtlichen Telefonkonferenz, am Abend eines Tages, an dem die Finanzierungskosten für vor allem Italien und Spanien sprunghaft anstiegen, nachdem das Virus die Region in ihren Grundfesten erschüttert. "Dies scheint die Wirtschaft und die Märkte der Eurozone zu verändern", sagte Frederik Ducrozet, Ökonom bei Pictet Wealth Management in Genf.

Das PEPP bedeutet, dass die EZB für den Rest des Jahres monatlich fast 120 Milliarden Euro an Anleihen aus der Eurozone aufkaufen kann, zusammen mit dem laufenden anderen Ankaufprogramm.

Nach den Regeln des Programms könnte die EZB ihre Käufe kurzfristig auf Italien und andere angeschlagene Länder konzentrieren. "Es sendet ein sehr, sehr starkes Signal an die Märkte", sagte Torsten Slok, Chefvolkswirt der Deutsche Bank Securities in New York. "Das ist die Bazooka." Die Entscheidung markiert eine Kehrtwende für die EZB, die sich wochenlang über die Notwendigkeit aggressiver geldpolitischer Stimulierungsmassnahmen hinwegsetzte, auch als grosse Zentralbanken wie die Federal Reserve massive Zinssenkungen und andere Massnahmen zur Bekämpfung des Virus ankündigten.

Am vergangenen Donnerstag hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz nach der regulären Sitzung des EZB-Rats noch betont, dass "wir nicht hier sind, um Spreads zu schliessen." Volkswirte hatten diese Aussage kritisiert. Das sei das Gegenteil von Draghis 'what ever it takes'.

Die Massnahmen der EZB am späten Mittwoch signalisieren eine neue Dringlichkeitsstufe. Bei einer Telefonkonferenz mit den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union am Dienstag hatte Lagarde gesagt, dass die Wirtschaft der Eurozone in diesem Jahr wahrscheinlich um 1,3 Prozent schrumpfen würde, wenn die Geschäftsschliessungen einen Monat lang dauern, und um etwa 5Prozent, wenn die Schliessungen drei Monate dauern würden.

DJG/DJN/smh

FRANKFURT (Dow Jones)

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