08.11.2018 11:06:47

EU-Kommission senkt Wachstumsprognose für Euroraum 2019 leicht

Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Die EU-Kommission hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum des Euroraums im laufenden Jahr bestätigt, aber die für das nächste Jahr leicht gesenkt. Wie die Kommission im Rahmen ihrer Herbstprognose mitteilte, betrachtet sie eine Eskalation der Handelsspannungen, eine ungeordneten Brexit und eine unerwartet starke Straffung der US-Geldpolitik als Wachstumsrisiken. Für 2018 rechnet die Kommission jetzt mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,1 (Sommerprognose: 2,1) Prozent und für 2019 mit 1,9 (2,0) Prozent. 2020 soll sich das Wachstum auf 1,7 Prozent abschwächen.

Die Kommission geht davon aus, dass Europa seinen Wachstumshöhepunkt im aktuellen Zyklus überschritten hat, und das sich nun wegen eines ungünstigeren aussenwirtschaftlichen Umfelds moderatere Wachstumsraten einstellen werden. "Binnenwirtschaftlich wird die höhere Inflation die Realeinkommen der Haushalte belasten, obwohl die Löhne nun spürbarer steigen", prognostiziert die Kommission. In einigen Ländern werde das Wachstum auch von Kapazitätsengpässen gebremst.

Handelsspannungen und straffere US-Geldpolitik Risiken für Wachstum

Allerdings sieht die Kommission ein zunehmendes Risiko, dass die Wachstumsraten noch niedriger ausfallen könnten: "Sollten extensive neue Handelsbarrieren errichtet werden und sich ausbreiten, würde das den internationalen Handel und das Weltwirtschaftswachstum deutlich negativ beeinflussen", schreibt sie.

Zudem sieht sie das Risiko, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik stärker als derzeit erwartet strafft, und dass dies mit einem abrupten Ende der expansiven Finanzpolitik im Jahr 2020 zusammenfällt. Vor dem Hintergrund der hohen Verschuldung der Unternehmen könnte das einen starken Abschwung in den USA auslösen und die Wachstumsaussichten in vielen Teilen der Welt schwächen.

Kommission senkt Prognosen für Deutschland, Frankreich und Italien

Deutschlands BIP-Prognosen senkte die Kommission auf 1,7 (1,9) und 1,6 (1,7) Prozent, für 2020 prognostiziert sie 1,7 Prozent Wachstum. Die Kommission sieht die Gefahr, dass eine Eskalation des Protektionismus und steigende Finanzierungskosten in einigen Ländern dort zu einer sinkenden Investitionsnachfrage und damit niedrigeren deutschen Exporten führen könnten. Auch dürfte die Investitionsneigung in Deutschland selbst unter den globalen Unsicherheiten leiden.

Für Frankreich prognostiziert die Kommission Wachstumsraten von 1,7 (1,7) und 1,6 (1,7) sowie 1,6 Prozent. Sie rechnet damit, dass niedrigere Sozialabgaben in diesem Jahr den Konsum stützen werden und dass die Investitionen "dynamisch" bleiben. Der Aussenhandel dürfte einen starken Wachstumsbeitrag liefern. 2019 und 2020 werde sich das Wachstum dann wegen des weniger günstigen aussenwirtschaftlichen Umfelds etwas abschwächen.

Für Italien sieht die EU-Kommission Wachstumsraten von 1,1 (1,3), 1,2 (1,1) und 1,3 Prozent. Sie geht davon aus, dass Italiens Wachstum 2019 von einer Exporterholung und höheren öffentlichen Ausgaben gestützt werden wird und rechnet mit einem anhaltend moderaten Wachstum des privaten Konsums.

Italiens strukturelles Defizit steigt 2020 auf 3 Prozent

Italiens Haushaltsdefizit wird sich laut Kommission von 2,4 Prozent im Jahr 2017 auf 1,9 Prozent im laufenden Jahr verringern. Für 2019 werden dann aber wegen den von der Regierung angekündigten Haushaltsplänen 2,9 Prozent erwartet. Dadurch wird sich das strukturelle Defizit laut Kommission von 1,75 auf 3 Prozent erhöhen.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/bam

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November 08, 2018 05:06 ET (10:06 GMT)

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