Straffere Geldpolitik 02.08.2018 14:14:46

Bank of England erhöht Leitzins um 25 Basispunkte

Bank of England erhöht Leitzins um 25 Basispunkte

Mit der Anhebung um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent liegt der Schlüsselzins jetzt über dem vor mehr als neun Jahren festgelegten Notstandsniveau. Ökonomen und Börsianer hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Der Beschluss zur Zinserhöhung fiel einstimmig.

Im März 2009, als die Finanzkrise tobte, hatte die BoE ihren Leitzins auf 0,50 Prozent gesenkt. Seitdem lag der Leitzins auf diesem Niveau, abgesehen von den 15 Monaten nach dem schockartigen Brexit-Referendum im Juni 2016, als der Leitzins auf das Rekordniveau von 0,25 Prozent gesenkt wurde.

"Die einzige Überraschung war der einstimmige Beschluss", sagte Marc Ostwald, Chefökonom bei ADM Investor Services. "Die Änderungen bei den Projektionen sind hingegen sehr moderat ausgefallen."

Darin rechnet die BoE mit einem stetigen, wenn auch unspektakulären Wachstum in Grossbritannien in den kommenden Jahren und signalisierte, dass sie die Inflation mit nur ein bis zwei weiteren Zinserhöhungen bis Mitte 2021 unter Kontrolle halten könne. Bis 2020 soll die Inflation zum Ziel von 2 Prozent zurückkehren.

Ausblick hängt von Brexit ab

Für 2018 und 2019 erhöhte die BoE ihre Wachstumsprognosen für die britische Wirtschaft. Für dieses Jahr wird jetzt ein Zuwachs um 1,5 (zuvor: 1,4) Prozent unterstellt und für 2019 um 1,8 (1,7) Prozent. Die Aussichten trübt allerdings der geplante Austritt aus der EU. Das Vereinigte Königreich soll den Wirtschaftsblock im März 2019 verlassen, aber wichtige Aspekte seiner künftigen Wirtschaftsbeziehungen zur EU sind bislang noch ungelöst.

Gouverneur Mark Carney sagte in seiner Pressekonferenz, dass die Bandbreite der möglichen Brexit-Ergebnisse "breit" sei. Offenbar hält er auch ein Ausscheiden aus der EU ohne einen Vertrag für möglich. Das britische Pfund legte mit der Zinserhöhung zunächst gegenüber dem Euro zu, drehte dann aber mit der Pressekonferenz von Carney ins Minus und verlor deutlich.

Die Währungshüter befürchten ohnehin, dass die Unsicherheiten die Unternehmensinvestitionen und das Produktivitätswachstum bremsen werden. In ihrem Statement gingen die Geldpolitiker auf diese Sorgen ein und erklärten, der Ausblick hänge "signifikant von den Brexit-Erwartungen ab".

"Die Zinserhöhung könnte nach den schwächeren Konjunkturdaten einiges Stirnrunzeln auslösen", meinte Neil Williams, Analyst bei Hermes Investment Management, "sie sollte aber nicht als Vorbote für eine Serie von weiteren Erhöhungen gesehen werden." In den Erklärungen der BoE schwinge weiter Vorsicht mit.

LONDON (Dow Jones)

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