Rückgang um 8 Prozent? 29.11.2018 08:32:36

Bank of England: Chaos-Brexit könnte starke Rezession auslösen

Bank of England: Chaos-Brexit könnte starke Rezession auslösen

Die britische Wirtschaft dürfte ohne eine Einigung mit der EU innerhalb eines Jahres um 8 Prozent schrumpfen.

Dies schreibt die Notenbank in ihrem Bericht zum Brexit. Zum Vergleich: In der Finanzkrise waren es 6,25 Prozent. Der Konjunktureinbruch wäre demnach unter anderem die Folge der zu befürchtenden Auswirkungen von Verzögerungen und Staus an den Zollstellen und einem Vertrauensverlust an den Märkten. Das Vereinigte Königreich will zum 29. März die EU verlassen.

Die Arbeitslosigkeit wird angesichts der Wachstumseinbussen nach Einschätzung der BoE merklich zunehmen. Auch an den Finanzmärkten erwartet die Notenbank heftige Reaktionen. So dürfte das britische Pfund um 25 Prozent zum US-Dollar nachgeben.

Der deutliche Rückgang des Pfundes dürfte die Inflationsrate auf 6,5 Prozent steigen lassen. Die Notenbank wäre dann zu deutlichen Leitzinsanhebungen gezwungen. In der Spitze könnte der Leitzins bis auf 5,5 Prozent steigen.

Nicht wahrscheinlichste Variante

Die Notenbank sieht dieses Chaos-Szenario jedoch nicht als wahrscheinlichste Variante an. Dennoch hält sie es für "plausibel" und hat die Banken des Landes aufgefordert, auch entsprechende Vorkehrungen dafür zu treffen. "Das britische Bankensystem ist stark genug, um Haushalten und der Wirtschaft weiter dienen zu können - selbst wenn es zu einem ungeordneten Brexit kommen sollte", betonte die BoE.

Die britischen Regierung ihrerseits erwartet in einem eigenen Bericht, dass bei einem ungeregelten EU-Ausstieg das Bruttoinlandprodukt nach 15 Jahren um 7,7 Prozent geringer ausfallen werde als bei einem Verbleib in der EU. In den Jahren vor dem Brexit-Referendum Mitte 2016 war Grossbritannien eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Europa.

In Brüssel wurde am Wochenende der knapp 600 Seiten dicke Ausstiegsvertrag unterzeichnet, der die Regeln für das Ende der britischen EU-Mitgliedschaft juristisch verbindlich festlegt. Daneben wurde eine Erklärung zu den künftigen Beziehungen der EU und Grossbritanniens verabschiedet.

Ob May dafür im Unterhaus eine Mehrheit bekommt, ist unklar. Sollte der Plan angenommen werden, dürfte die Wirtschaftsleistung nach 15 Jahren 2,1 Prozent geringer sein als bei einem EU-Verbleib, prognostiziert die Regierung.

May lehnt zweites Referendum ab

May bekräftigte, ihr Plan sei die beste Option für das Land. Die Analyse zeige, dass die Wirtschaft stark sei und weiter wachsen werde. Das Land werde in Zukunft nicht ärmer sein.

Ein zweites Brexit-Referendum lehnte sie ab. "Es ist wichtig, dass das Votum des britischen Volkes umgesetzt wird." Kritiker des EU-Austritts hoffen, mit einer zweiten Abstimmung den Brexit noch verhindern zu können.

Finanzminister Philip Hammond sagte dem TV-Sender BBC, aus rein ökonomischer Sicht wäre ein EU-Verbleib am besten für die Insel. Der vorliegende Plan von May komme aber nah daran. Dieser steht am 11. Dezember im Parlament zur Abstimmung. In Mays konservativer Partei gibt es Kritiker, die ihr vorwerfen, der EU zu viele Zugeständnisse gemacht zu haben. Andere Abgeordnete wollen lieber in der EU bleiben.

jb/

London (awp/dpa/reu)

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