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19.04.2021 11:29:49

Schroders: Werden Anleger aufgrund steigender Rohstoffpreise ihre Aktien umschichten?

Martin Skanberg
Fondsmanager, europäische Aktien

Mehrere Faktoren sind zusammengekommen, welche die Rohstoffpreise steigen lassen. Die Gunst der Anleger könnte sich daher wandeln. Rohstoffbezogene Aktien - meist Substanzwerte - waren über Jahre in der Gunst der Anleger gesunken, doch jetzt könnten sie wieder gefragt sein.

Warum steigen die Rohstoffpreise?

Covid-19 hat immer noch viele Teile der Welt im Griff und daher mag es verwundern, dass die Nachfrage im verarbeitenden Gewerbe so stark ist. China - wo die Pandemie ausbrach und das als erstes Land wieder aus der Krise herauskam - schreitet voran.

Der Caixin-Einkaufsmanagerindex für das produzierende Gewerbe erreichte im November 2020 mit 54,9 ein Zehnjahreshoch. Zwar ist er seitdem wieder leicht zurückgegangen, weil die Covid-Infektionen wieder weltweit zugenommen haben. Doch noch immer weist er ein robustes Wachstum in der Fertigung auf, was wiederum eine höhere Nachfrage nach Rohstoffen bedeutet.

Auch in anderen Regionen zieht die Produktion wieder an, darunter Europa. Wichtig dabei ist, dass die Produktion von einer niedrigen Ausgangslage ausgehend wächst. Im Jahr 2019 litt Europas Industrie unter der Furcht vor einem Handelskrieg und der konjunkturellen Flaute. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe lag über weite Strecken unter 50, der Sektor schrumpfte also.

Mittlerweile besteht jedoch ein grosser Nachholbedarf, nicht zuletzt, da die Impfstoffe jetzt unterwegs sind. Diese werden hoffentlich das Ende der Pandemie einläuten und den Weg für ein wieder normaleres wirtschaftliches Umfeld ebnen.

Die fiskalisch- und geldpolitischen Massnahmen der Regierungen und Zentralbanken als Antwort auf Covid-19 stützen auch die Preise von Vermögenswerten, darunter auch von Rohstoffen.

So waren die Ölpreise beispielsweise zum Höhepunkt der Krise im März/April vergangenen Jahres stark gefallen. Seither sind sie aber wieder deutlich gestiegen, da die Konjunkturbelebung und die wirksamen Impfstoffe die Hoffnungen auf eine relativ schnelle Rückkehr zu einer höheren wirtschaftlichen Aktivität nähren. Der Ölpreis der Sorte Brent lag im April 2020 unter 20 US-Dollar pro Barrel, derzeit bewegt er sich jedoch wieder über 60 US-Dollar.

Umweltthemen treiben Nachfrage und Kosten in die Höhe

Während die Ölpreise schnell auf Nachfrageänderungen reagieren, spielt jetzt auch noch ein anderer Faktor eine wichtige Rolle, nämlich die Betonung auf "grün" auf dem Weg der Erholung von der Pandemie. Investitionen in die Energiewende treiben die Preise für Metalle, die entscheidend sind für einen erfolgreichen Übergang, in die Höhe. Lithium ist es für Batterien von Elektrofahrzeugen. Aber auch Kupfer wird für Elektroautos benötigt, darüber hinaus für eine Vielzahl anderer Anwendungen, wie z. B. die Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff.

Auch andere nachhaltige Themen lassen die Rohstoffpreise steigen. Dadurch, dass Unternehmen und Verbraucher von Plastik - insbesondere von Einwegplastik - wegkommen wollen, werden verstärkt Verpackungen aus Papier und Karton eingesetzt. Darunter Verpackungen für Lebensmittel & und Getränke, aber auch für andere Güter.

Und dann sind da noch die Kosten für Kohlenstoff. Die stärkeren Bemühungen der Europäischen Union, die Emissionen zu senken, liessen die Kohlenstoffpreise Anfang des Monats auf ein Rekordhoch von über 38 Euro pro Tonne steigen. Dadurch erhöhen sich wiederum die Inputkosten für umweltbelastende Industrien, darunter auch viele Rohstoffproduzenten, was wiederum zur Inflation beiträgt. Auf längere Sicht wird dadurch der Übergang zu "grüner" Technologie gefördert, da die Unternehmen Wege finden müssen, ihre Emissionen zu reduzieren.

Was bedeutet das für Aktien?

Aus Sicht eines Anlegers wirken sich steigende Rohstoffpreise nicht nur auf Minen- und Ölgesellschaften aus. Sie betreffen auch Unternehmen, die alle Arten von Produkten weiter entlang der Wertschöpfungskette herstellen, wie Chemikalien, Stahl oder Papiererzeugnisse. Da Unternehmen mehr lokale Zulieferer in ihre Lieferketten aufnehmen möchten, steigen ebenfalls die Kosten.

Während die Gesamtinflation noch sehr niedrig ist, schlagen sich die gestiegenen Rohstoffpreise bereits auf die Erzeugerpreise nieder. In der Eurozone lagen sie im Januar um 0,8 % höher als im Vormonat. Steigende Erzeugerpreise sind eine gute Nachricht für im Rohstoffsektor tätige Unternehmen, da ihre Einnahmen steigen, während ihre Produktionskosten gleich bleiben.

Die Preise für Zellstoff und Stahl sind in den letzten Monaten stark gestiegen, wie die Grafiken unten zeigen. Steigende Preise tendieren dazu, niedrig bewertete Teile des Marktes zu begünstigen, welche in den letzten Jahren zurückgeblieben waren. Es könnte also zu einer Rotation kommen, wobei insbesondere Unternehmen, die vom Rohstoffzyklus profitieren, bevorzugt werden könnten.

Die Preisanstiege kommen unter anderem den Unternehmen aus der Zellstoff- &, Papier- und Stahlbranche entgegen. Freilich werden auch ihre eigenen Einsatzkosten steigen, doch manche werden in der Lage sein, dies abzumildern. Einige Stahlunternehmen produzieren beispielsweise auch Eisenerz, das für die Herstellung gebraucht wird. Unternehmen, die anstelle von Kunststoff- andere Verpackungen herstellen, werden von der steigenden Nachfrage nach Karton- und Papiererzeugnissen profitieren.

Auch die Preise für Agrarrohstoffe steigen an

Auch die Preise für Agrarrohstoffe steigen. Angesichts der starken Nachfrage in China nach Getreide und Ölsaaten aus den USA sieht unser Rohstoffteam die Aussichten für die Agrarpreise in diesem Jahr weitgehend positiv.

Auch ein solcher Anstieg hat Folgen für Anleger. Durch steigende Preise erzielen Landwirte höhere Erträge. Die höheren Erträge dürften dann zu einem Anstieg der Investitionen führen. Die Erträge der nordamerikanischen Landwirte sind bereits auf dem höchsten Stand seit acht Jahren, und es sieht so aus, als würden sie dank höherer Agrarpreise weiter steigen. Und das könnte zu höheren Ausgaben für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte führen.

Landwirtschaftliche Maschinen haben einen relativ langen Zyklus, was heisst, dass ihre Nutzungsdauer länger ist als die ähnlicher Fahrzeuge wie z. B. Lkw. Nach unserer Einschätzung befinden wir uns jetzt am Ende eines siebenjährigen Abwärtszyklus bei landwirtschaftlichen Maschinen. Seit letztem Sommer gibt es Anzeichen für eine Wende. Das bedeutet Rückenwind für die Hersteller von landwirtschaftlichen Maschinen, zumal die Lagerbestände zurzeit niedrig sind und die Preise in der Landwirtschaft steigen.

Auch andere verwandte Branchen könnten davon profitieren. So wird die Nachfrage nach Pflanzenschutz- und Düngemitteln wahrscheinlich steigen, denn Landwirte werden ihre Ernteerträge sowohl schützen als auch steigern wollen. Und es bleibt abzuwarten, ob diese steigenden Preise für Agrarrohstoffe in Form von höheren Lebensmittelpreisen an die Verbraucher weitergegeben werden. Dies hätte Auswirkungen auf die Aktien sowohl von Lebensmittelherstellern als auch von Einzelhändlern.

Wird die Inflation eine Rotation hin zu Substanzwerten auslösen?

Wir haben einige Chancen ausgemacht, die sich durch den Anstieg der Rohstoffpreise ergeben könnten. Doch steht jetzt womöglich eine breitere Umschichtung hin zu Substanzwerten bevor?

Inflation ist normalerweise eine gute Nachricht für "werthaltige" Bereiche des Marktes: In einem inflationären Umfeld ist Geld jetzt mehr wert als in der Zukunft. Bei Value-Aktien, die ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen, erhalten die Anleger ihr Geld eher früher als später zurück (was sie im Fachjargon zu "Short-Duration Assets" macht). Dagegen sind Wachstumsaktien, die ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen, "Long Duration Assets" - Anleger zahlen in Erwartung eines zukünftigen Wachstums aktuell einen höheren Preis. Dies macht Valuta in einer inflationären Welt attraktiver.

Allerdings erwarten wir keine generelle Abkehr von Wachstumsaktien hin zu niedriger bewerteten Aktien. In Bereichen wie Technologie und grüne Energie gibt es weiterhin viele Aktien, die vom strukturellen Wachstum profitieren. Unterdessen sind einige "werthaltige" Bereiche des Marktes mit Herausforderungen konfrontiert. So muss sich der Energiesektor schnell an die Energiewende anpassen, und die Banken haben die finanziellen Auswirkungen von Covid-19 noch nicht vollständig zu spüren bekommen.

Doch nach Jahren der Underperformance von Substanzwerten zieht jetzt möglicherweise wieder mehr Ausgewogenheit in den Markt ein. Anleger müssen wie stets vorsichtig handeln und auf die spezifischen Merkmale jeder Aktie achten, die sie kaufen. Durch die steigenden Preise bei vielen Rohstoffen könnte sich jedoch die Auswahl an Unternehmen erweitern, die Anleger im Jahr 2021 und darüber hinaus halten wollen.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

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Bildquelle: Schroders

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