10.08.2020 17:06:29

Schroders: Was sind die langfristigen Aussichten für Investments im Gesundheitswesen?

Schroders: Was sind die langfristigen Aussichten für Investments im Gesundheitswesen?

Emma Stevenson
Investment-Redakteurin

Die Covid-19-Krise hat in diesem Jahr die meisten Wirtschaftssektoren in Mitleidenschaft gezogen. Zum 30. Juni war das Gesundheitswesen einer von lediglich drei Sektoren mit einer seit Jahresbeginn positiven Rendite (+1,3 % gegenüber -5,8 % im MSCI World Index). Einige Unternehmen aus dem Sektor verzeichneten einen Rückgang der Aktivitäten infolge aufgeschobener chirurgischer Eingriffe und abgesagter nicht notwendiger Konsultationen. Dagegen konnten Unternehmen, die Medizintechnik-Produkte zur Behandlung von Covid-19-Patienten anbieten, einen starken Anstieg ihrer Aufträge verzeichnen.

Test- und Diagnosespezialisten stellten ebenfalls eine enorm gestiegene Nachfrage nach Covid-19-Testkits fest, die den Rückgang bei Tests für andere Erkrankungen ausglich. Für das Virus wurden mittlerweile zahlreiche Tests entwickelt, darunter auch Antikörper-Tests, um festzustellen, ob jemand bereits mit dem Virus infiziert war.

Unterdessen hängen sämtliche Hoffnungen auf eine Rückkehr zur "Normalität" letztlich davon ab, ob ein Impfstoff oder eine Behandlung gefunden werden kann. Derzeit befinden sich mehr als 100 potenzielle Impfstoffe in der Entwicklung, und Behandlungen, die bereits für andere Erkrankungen existieren, werden getestet, um festzustellen, ob sie gegen das Virus wirksam sein könnten.

All dies zeigt, dass enorme Ressourcen für die Bekämpfung von Covid-19 aufgewendet werden. Davon profitieren wiederum viele Unternehmen im Gesundheitswesen durch höhere Aufträge, Umsätze und Investitionen.

Was passiert jedoch, wenn ein Impfstoff gefunden ist? Könnte die aktuelle Wachstumsphase ein jähes Ende finden? Die Schwerpunkte könnten sich durchaus ändern, aber es gibt Grund zu der Annahme, dass sich der Sektor bereits vor Covid-19 an der Schwelle zu einer Periode der steigenden Nachfrage, Innovation und eines potenziell höheren Wachstums befand.

Vorbereitung ist alles

Vor einem Jahr identifizierte Keith Wade, Chefvolkswirt und Chefstratege bei Schroders, neue Bevölkerungstrends (Artikel auf Englisch) und daraus erwachsende notwendige Gesundheitsausgaben als eine seiner "unausweichlichen Wahrheiten" - d. h. Entwicklungen, welche die Anlagelandschaft in den kommenden zehn Jahren entscheidend prägen werden. Seines Erachtens ist dieses Thema durch Covid-19 noch relevanter geworden.

Wade äussert sich wie folgt dazu:

"Wir gehen davon aus, dass die Ausgaben für Gesundheitssysteme steigen werden, da die Regierungen bemüht sind, sie robuster zu gestalten. Im Zuge der globalen Finanzkrise musste sich der Bankensektor besser gegenüber Risiken absichern. Nach der Pandemie wird dies auch vom Gesundheitssektor erwartet werden."

Durch die Krise sind Länder in den Fokus gerückt, deren Gesundheitsdienste offensichtlich schlecht vorbereitet waren. Schwierigkeiten bei der Beschaffung geeigneter Beatmungsgeräte oder ausreichender Mengen an Tests standen in den Schlagzeilen ganz oben. Aus diesem Grund gehen einige Fondsmanager von Schroders auch künftig von höheren Gesundheitsausgaben aus.

Der für europäische Aktienanlagen zuständige Fondsmanager Paul Griffin meint hierzu:

"Selbst wenn das Schlimmste der aktuellen Krise hinter uns liegt, dürfte die Nachfrage unserer Meinung nach robust bleiben. Die Pandemie hat offenbart, wie wichtig es ist, gut vorbereitet zu sein. Wir würden daher davon ausgehen, dass Unternehmen, die lebensrettende Ausrüstung und Medikamente herstellen, im Vergleich zur Zeit vor der Krise weiterhin eine erhöhte Nachfrage verzeichnen werden."

Darüber hinaus hebt Paul Griffin den Bereich Biologika als "wachstumsstarke Nische" im Gesundheitswesen hervor. Diese Art von Medikamenten reicht von einfachen Proteinwirkstoffen bis hin zu komplexen, aus lebenden Organismen gewonnenen Antikörpern. Biologika gibt es nun seit rund zehn Jahren. Als sichere, innovative Wirkstoffe mit höheren Erfolgsraten erweisen sie sich aber als immer wichtiger. Unternehmen aus dem Bereich Biotechnologie lagern zunehmend die Entwicklung und Herstellung von Biologika an spezialisierte Unternehmen aus. Er bestätigt:

"Viele dieser als ,Arbeitstiere‘ eingesetzten Unternehmen erfreuen sich im Biologika-Markt eines starken Wachstums."

Drei den Sektor unterstützende Faktoren

John Bowler, globaler Aktienfondsmanager, pflichtet der Sichtweise bei, dass das Gesundheitswesen als Schlüsselthema an den Anlagemärkten auch über die Covid-19-Krise hinaus dominieren wird. Seines Erachtens gibt es drei Entwicklungen, die dem Gesundheitssektor noch über viele weitere Jahre ein nachhaltiges Wachstum bescheren werden: Demografie, Effizienz und Technologie.

Demografie

Die demografischen Herausforderungen sind für alle Industrieländer offensichtlich. Die Spitzengruppe der geburtenstarken Jahrgänge wird 75. In diesem Alter kommt es zu komplizierteren Eingriffen wie Hüftersatzoperationen, was zu einer verstärkten Belastung für das Gesundheitswesen führt.

Effizienz

John Bowler dazu:

"Die finanziellen Belastungen für die Staatshaushalte und von Arbeitgeberseite finanzierten Krankenversicherungen erzwingen hier Veränderungen. Beispielsweise gelten in den USA 30 bis 40 % der Gesundheitsausgaben als verschwendet, sodass hier ein enormes Potenzial für Effizienzsteigerungen besteht."

Der auf den Staatshaushalten lastende Druck infolge der durch Covid-19 bedingten Wirtschaftskrise verleiht diesem Thema zusätzliche Brisanz.

Die Einschätzung von Keith Wade lautet:

"Gesundheitsausgaben machen schon jetzt fast ein Fünftel der OECD-Staatsausgaben aus. Dies wird eine Herausforderung für die Finanzministerien darstellen. Immerhin prognostiziert der Internationale Währungsfonds, dass sich die gesamte Staatsverschuldung der G20 bis Ende 2021 vor allem infolge von Covid-19 auf 150 % des BIP erhöhen wird."

Und laut Jeremy Knox von Schroder Adveq sind nicht nur die Regierungen an einem besseren Kosten-Nutzen-Verhältnis interessiert:

"Pharmazeutische Unternehmen richten ihr Augenmerk auf die nächsten Pionierbereiche der Medizin. Zugleich sind sie bei der Medikamentenentwicklung um immer mehr Effizienz bemüht, um die Renditen neuer Therapien zu maximieren. Diese Suche nach Effizienz hat zu einem robusten Markt für Auslagerungen an Dienstleister geführt, die mittlerweile wesentlicher Bestandteil der Wertschöpfungskette bei der Medikamentenentwicklung sind."

Technologie

John Bowler dazu:

"Der Ausbruch von Covid-19 hat gezeigt, wie wichtig Technologien für den Gesundheitssektor sind. Ein erhebliches Wachstumspotenzial bietet insbesondere die Telemedizin, bei der gesundheitsbezogene Dienstleistungen mittels elektronischer Geräte wie Mobiltelefonen und Laptops erbracht werden."

Dabei muss die Technologie durchaus mehr leisten als zeitsparende Hausarzttermine über Zoom. John Bowler erläutert:

"Der Strom an neuartigen und bahnbrechenden Technologien sowohl im Bereich der Arzneimittel als auch der Technologie/Daten, die neue Ansätze zur Behandlung von Krankheiten bieten, reisst nicht ab."

Welle der Innovation im Sektor

Kann Technologie bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 helfen? Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) legt nahe, dass dies durchaus der Fall ist.

Angesichts des Tempos und des Volumens, mit dem tagtäglich wissenschaftliche Forschungsprojekte betrieben und Daten erhoben werden, ist eine einzelne Person schlichtweg überfordert, während KI, Modelle für maschinelles Lernen und Algorithmen durchaus Schritt halten können. Sie können Wissenschaftlern dabei helfen, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Verschiedene Unternehmen versuchen, von dieser Datenflut zu profitieren. In Grossbritannien nutzte ein innovatives Technologieunternehmen seine KI-Kompetenzen, indem es bestehende Medikamente durchforstete, die möglicherweise als Behandlung gegen das neuartige Coronavirus eingesetzt werden könnten. Das Unternehmen wurde bei einem potenziellen Kandidaten fündig, was zu einer klinischen Studie bei dem US-amerikanischen Pharmazie-Riesen Eli Lilly führte.

Tim Creed, Leiter European Private Equity bei Schroders, meint dazu:

"Verschiedene Unternehmen haben bereits AI zur Identifizierung möglicher Behandlungen einsetzt. Hier handelt es sich jedoch um einen äusserst schlagzeilenträchtigen Fall, bei dem KI geholfen hat, ein mögliches Medikament zu entdecken und entwickeln. Ersichtlich wird daran auch, dass selbst ein relativ kleines Unternehmen mit innovativer Technologie mit einem pharmazeutischen Riesen gut zusammenarbeiten kann. Ob Covid-19 nun schnell geheilt werden kann oder ob bis zum Erfolg noch viel Zeit verstreichen wird: KI hat sich in der Branche schon jetzt als leistungsfähig bewährt."

Es gibt noch weitere Beispiele dafür, wie innovative britische Unternehmen in der aktuellen Krise ihre Kompetenzen auf neuartige Weise einsetzen. So sprangen angesichts des auf dem britischen National Health Service (NHS) lastenden Drucks einige private Unternehmen ein, um auszuhelfen. Tim Creed dazu:

"Ein Beispiel hierfür ist ein Unternehmen, das Krebsbehandlungen, einschliesslich der fortschrittlichen Protonentherapie, anbietet. Da man sich im NHS auf Covid-19 konzentrierte, mussten andere Behandlungen aufgeschoben oder verzögert werden. Dieses Unternehmen unterstützte den NHS und so konnten zusätzliche Krebspatienten behandelt werden. Unseres Erachtens ist dies für die langfristige Beziehung des Unternehmens zum NHS hervorragend."

Innovationen bei der Entwicklung neuer Behandlungen führen ebenfalls zu zusätzlicher Nachfrage. John Bowler merkt an: "Seit zehn Jahren ist ein enormer Anstieg bei den Ausgaben für Forschung & Entwicklung zu verzeichnen. Schon allein dieser Faktor schafft im Gesundheitswesen neue Märkte. Veranschaulichen lässt sich dies durch zahlreiche neue, innovative Medikamente in Bereichen wie der Krebsforschung und Gentherapie, die schon in Kürze auf den Markt kommen werden."

Bislang in der Gesundheitsversorgung der Schwellenländer nicht abgedeckte Bedürfnisse

Erwartungen bezogen auf eine erhöhte Nachfrage nach Gesundheitsdiensten haben nicht nur mit einer alternden Bevölkerung oder mit Hightech-Innovationen zu tun. Laut Jeremy Knox verzeichnet der Sektor aufgrund der aufstrebenden Mittelschicht in den Schwellenländern und des anhaltenden Trends zur Urbanisierung schon jetzt ein Wachstum:

"Unseres Erachtens wird die Branche Medizintechnik und -ausrüstung in den kommenden zehn Jahren deutlich wachsen. Dies dürfte vor allem der Region Asien zu verdanken sein, deren Volkswirtschaften sich weiterentwickeln, während die Verbraucher erstmals Zugang zu Gesundheitsdiensten erhalten."

In vielen Schwellenländern bieten ein besserer Zugang zu Gesundheitsdiensten und Verbesserungen bei der Qualität der Gesundheitsversorgung ein langfristiges Wachstumspotenzial. Dank der Urbanisierung kann es zu einem besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung mit einem möglichen "Übersprungeffekt" kommen, bei dem Schwellenländer in einigen Bereichen des Gesundheitswesens sogar die Industrieländer überholen werden. So könnten technologische Lösungen mit Gesundheitsdiensten verknüpft werden, um etwa Online-Apotheken zu schaffen.

Wachstum des Sektors profitiert durch Kombination von Faktoren

Dies deutet darauf hin, dass ganz abgesehen von Covid-19 verschiedene Entwicklungen für ein anhaltendes Wachstum und eine weiterhin rege Aktivität im Gesundheitswesen sprechen. Der demografische Wandel und die Notwendigkeit, die Gesundheitsdienste besser auf künftige Krisen vorzubereiten, werden für eine stetig zunehmende Nachfrage nach Gesundheitsdiensten sorgen. Der auf den öffentlichen Finanzen lastende Druck macht Investitionen in effizienzsteigernde Technologien zu einer Notwendigkeit und nicht zu einer Option. Die Möglichkeiten, die sich aus neuen Technologien ergeben, sind enorm, von neuen Behandlungen bis hin zu neuen Formen des Zugangs zur Gesundheitsversorgung. Zu erwähnen wären schliesslich auch die neuen Märkte, die sich öffnen, da das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern mehr Menschen den Zugang zu Gesundheitsdiensten ermöglicht.

Ein derartiger Anstieg der Nachfrage könnte einigen Unternehmen künftig beständig höhere Wachstumsraten bescheren. Dadurch dürften sie wiederum für Anleger attraktiv werden, die höhere Erträge anstreben. Wie immer wird die Auswahl der richtigen Unternehmen den Ausschlag geben. Die Einschätzung von Paul Griffin dazu:

"Diese Unternehmen bieten nicht nur defensive Anlagemöglichkeiten in Zeiten der Krise; sie bieten echte Chancen auf langfristiges Wachstum."

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Bildquelle: Schroders

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