05.06.2020 12:10:45

Schroders: Vorübergehender Rückschlag für die Energiewende durch Covid-19

Schroders: Vorübergehender Rückschlag für die Energiewende durch Covid-19

Mark Lacey
Fondsmanager

Wie bei fast allen Sektoren weltweit haben die Ausbreitung von Covid-19 und die nachfolgenden Lockdown-Massnahmen auch ihren Tribut im Hinblick auf die Energiewende gefordert.

Das Jahr 2020 sollte eine Rekordjahr für Wind- und Solarenergieanlagen werden. Angesichts der Schwierigkeiten, die notwendigen Komponenten aus anderen Teilen der Welt zu beschaffen, steht dies mittlerweile in Frage. Einige Projekte laufen noch, aber viele andere müssen aufgeschoben werden.

Die gute Nachricht aus Sicht der Energiewende ist, dass solche Projekte einfach im nächsten Jahr umgesetzt werden dürften. Daher ist für 2021 von einer deutlichen Erholung der Aktivität auszugehen.

Allerdings sind wir bezogen auf die verbraucherseitigen Aspekte der Energiewende vorsichtig, wo unter Umständen keine derart schnelle Erholung zu verzeichnen sein wird.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus den USA und Europa weisen unvermindert auf erhebliche Arbeitsplatzverluste hin. Ein derart schwieriges Beschäftigungsumfeld wird zweifellos Auswirkungen auf die Konsumausgaben haben, vor allem im diskretionären Bereich.

Es gibt zwei Bereiche bezogen auf die Energiewende, die unseres Erachtens besonders betroffen sein werden: Elektrofahrzeuge und Solardächer. Dies unterscheidet sich insofern von strukturellen Ausgaben, als der Kauf eines Elektroautos oder die Dachmontage von Solarpanelen diskretionäre Ausgabenentscheidungen sind, die angesichts der schwierigen Beschäftigungslage für viele Privathaushalte kaum oberste Priorität haben dürften.

Energiewende erfordert politische Unterstützung

Auch wenn die Budgets der Privathaushalte vielleicht knapper sind, so besteht doch weiterhin ein grundlegendes Interesse an Massnahmen gegen den Klimawandel. Die Nachfrage geht gleichermassen von der Öffentlichkeit wie von der Politik aus. So werden in den kommenden Jahren viele Länder, allen voran diejenigen Europas, aus Autos mit Verbrennungsmotoren aussteigen.

Darüber hinaus haben auch die grösseren Ziele weiterhin Bestand. Während die Coronavirus-Krise verständlicherweise ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist, schwelt die Klimakrise weiter. Rund um den Globus setzen sich Länder deshalb weiterhin dafür ein, die Erderwärmung gemäss dem Pariser Klimaabkommen von 2015 auf zwei Grad Celsius oder weniger gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Obwohl es bisher nur wenige konkrete Schritte in diese Richtung gegeben hat, werden nun Rufe laut, mit den Konjunkturpaketen im Zuge der Covid-19-Pandemie die Energiewende zu stärken. Europa beispielsweise hatte bereits einen neuen Grünen Deal vorgeschlagen, bevor sich das Virus auf dem ganzen Kontinent ausbreitete. Forderungen, wonach konjunkturelle Stützungsmassnahmen zum Aufbau einer klimaneutralen Wirtschaft beitragen sollten, gewinnen an Gewicht. Eine Expertenkommission in Deutschland schlägt diesbezüglich ein 100 Mrd. Euro schweres Paket vor.

Günstigeres Öl hat nur begrenzt Auswirkungen auf Energiewende

Die zuletzt volatilen Märkte zeichneten sich durch sinkende Ölpreise aus. Allerdings beeinflusst die Preisentwicklung am Ölmarkt die Energiewende weniger stark, als man es vielleicht erwarten würde.

Rund 65 % des gesamten Ölverbrauchs entfallen auf den Transportsektor. Fallende Benzinpreise könnten dabei einmal mehr ein weiterer kurzfristiger Faktor sein, der das Verbraucherinteresse an Elektroautos begrenzt. Dies mag insbesondere auf die USA zutreffen, wo die Menschen es gewohnt sind, lange Strecken zu fahren.

Andernorts rechnen wir indes mit geringeren Auswirkungen - so vor allem in Europa, wo ein Löwenanteil des Benzinpreises auf Steuern entfällt und der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor ein deutlich grösseres Gewicht im Entscheidungsprozess hat.

Erwähnenswert ist ausserdem, dass selbst die grossen Ölkonzerne auf die Ölkrise reagieren, indem sie ihre Investitionen in die Energiewende schützen und gleichzeitig den Kapitaleinsatz für konventionelle Energien drastisch senken.

Die Ölpreisschwäche veranlasste Royal Dutch Shell vor Kurzem dazu, seine Dividende erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg zu kürzen. Damit wollte das Unternehmen sicherstellen, dass es die geplanten Investitionen im Bereich Ökoenergie weiterhin tätigen kann.

Anhaltende Unterstützung der Energiewende durch Unternehmen

Neben der öffentlichen Nachfrage und der Unterstützung durch die Politik besteht die dritte tragende Säule der Energiewende in der Kostenwettbewerbsfähigkeit von Ökostrom. Die Stromnachfrage ist während der Coronavirus-Beschränkungen natürlich gesunken, dürfte aber wieder anziehen, sobald sich die Wirtschaft wiederbelebt. Grüne Energie wird weiterhin einen hohen und wachsenden Anteil der Nachfrage ausmachen, da sie in puncto Kosten mittlerweile mit konventionellen Brennstoffen konkurrieren kann.

Sogar mitten in der Coronavirus-Krise investieren Unternehmen immer noch in regenerative Energien und Technologien. Der Energieversorger Southern California Edison beispielsweise legt sich gerade ein riesiges Speicherportfolio zu, um Gasanlagen zu ersetzen und die Zuverlässigkeit seines Netzes zu verbessern.

Kostenwettbewerbsfähigkeit, politische Unterstützung und öffentliche Nachfrage sind die drei Faktoren, die zusammengenommen die Energiewende vorantreiben. Alle drei haben nach wie vor Bestand, auch wenn aufgrund von Covid-19 bei den Ausgaben der Privathaushalte mit vorübergehend negativen Auswirkungen zu rechnen ist.

Die Energiewende deckt ein breites Spektrum von Bereichen ab - nicht nur die Erzeugung und Versorgung mit sauberer Energie oder Elektrofahrzeuge, sondern auch die Speicherung und Übertragung von Energie sowie elektrische Ausrüstung. Die langfristigen strukturellen Anlagemöglichkeiten, die sich daraus ergeben, bleiben daher durchaus intakt.

Wichtige Informationen: Bei dieser Mitteilung handelt es sich um Marketingmaterial. Die Einschätzungen und Meinungen in diesem Dokument geben die Auffassung des Autors bzw. der Autoren auf dieser Seite wieder und stimmen nicht zwangsläufig mit Ansichten überein, die in anderen Veröffentlichungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck kommen. Dieses Material dient ausschliesslich zu Informationszwecken und ist in keiner Hinsicht als Werbematerial gedacht. Das Dokument stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments dar. Es ist weder als Beratung in buchhalterischen, rechtlichen oder steuerlichen Fragen noch als Anlageempfehlung gedacht und sollte nicht für diese Zwecke genutzt werden. Die Ansichten und Informationen in diesem Dokument sollten nicht als Grundlage für einzelne Anlage- und/oder strategische Entscheidungen dienen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Der Wert einer Anlage kann sowohl steigen als auch fallen und ist nicht garantiert. Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden. Dazu gehört unter anderem der mögliche Verlust des investierten Kapitals. Die hierin aufgeführten Informationen gelten als zuverlässig. Schroders garantiert jedoch nicht deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Einige der hierin enthaltenen Informationen stammen aus externen Quellen, die von uns als zuverlässig erachtet werden. Für Fehler oder Meinungen Dritter wird keine Verantwortung übernommen. Darüber hinaus können sich diese Daten im Einklang mit den Marktbedingungen ändern. Dies schliesst jedoch keine Verpflichtung oder Haftung aus, die Schroders gegenüber seinen Kunden gemäss etwaig geltender aufsichtsrechtlicher Vorschriften wahrnimmt. Die aufgeführten Regionen/Sektoren dienen nur zur Veranschaulichung und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Die im vorliegenden Dokument geäusserten Meinungen enthalten einige Prognosen. Unseres Erachtens stützen sich unsere Erwartungen und Überzeugungen auf plausible Annahmen, die unserem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass sich etwaige Prognosen oder Meinungen als richtig erweisen. Diese Einschätzungen oder Meinungen können sich ändern. Herausgeber dieses Dokuments: Schroder Investment Management Limited, 1 London Wall Place, London EC2Y 5AU, Grossbritannien. Registriert in England unter der Nr. 1893220. Zugelassen und beaufsichtigt durch die Financial Conduct Authority.


Bildquelle: Schroders,Schroders

Aktien Top Flop

Lonza Grp 538.40
2.12 %
CS Group 9.86
2.09 %
Swiss Re 74.48
1.97 %
Sika 190.60
1.87 %
Swiss Life Hldg 351.20
1.86 %
Geberit 484.30
0.39 %
Novartis 82.00
0.12 %
Adecco Group 44.51
0.07 %
Alcon 52.98
-0.04 %
Roche Hldg G 332.05
-0.27 %

Fondsfinder

Fondsname:
Fondsgesellschaft:
Fondsart:
 
Ausgabeaufschlag:
Mindestalter:
Währung:
Jahresperformance:
Volumen:
Sortieren nach:
Suchen

Finanzen.net News

pagehit