05.06.2020 09:40:48

Schroders: Saubere Technologien und Klimapolitik: die globale Finanzkrise und Covid-19

Schroders: Saubere Technologien und Klimapolitik: die globale Finanzkrise und Covid-19

Andrew Howard
Leiter Research für nachhaltige Anlagen & ESG

Isabella Hervey-Bathurst
Globales Aktienteam

Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die Rahmenbedingungen für saubere Technologien und die Klimapolitik in dem Zeitraum zwischen der Finanzkrise von 2008 und der aktuellen Krise verändert haben. Als Anleger rund um den Klimawandel veranlasst uns dies zu der Annahme, dass wir es mit neuen Zeiten zu tun haben. Damit wollen wir keinesfalls relativieren, wie schwerwiegend die durch das Coronavirus ausgelöste Krise selbst ist, sondern vielmehr zum Ausdruck bringen, dass die wesentlichen Trends für auf den Klimaschutz fokussierte Anleger heutzutage viel stärker etabliert sind als 2008.

In dieser Veröffentlichung widmen wir uns den Themen erneuerbare Energien, Elektromobilität und Klimapolitik.

Batterieelektrische Fahrzeuge: kein Nischenmarkt mehr

Der ursprüngliche Tesla Roadster, der 2008 auf den Markt kam, kostete in etwa 100.000 US-Dollar. Damals gab es lediglich drei batterieelektrische Fahrzeugmodelle auf dem US-Markt, zwei in der EU und keines in China. Das meistverkaufte batterieelektrische Fahrzeug war der TH!NK City mit Absatzzahlen von rund 330 Einheiten.

Spulen wir auf das Jahr 2020 vor, und es gibt nun 53 batterieelektrische Fahrzeugmodelle auf dem US-Markt, 70 in Europa und erstaunliche 226 in China. Der Preis für Lithium-Ionen-Batterien ist in den vergangenen zehn Jahren um 85 % gefallen, und weil Batterien der grösste Kostenpunkt bei der Herstellung batterieelektrischer Fahrzeuge sind, wird das heutige Modellangebot für den Massenmarkt richtig interessant.

2019 verkaufte sich das Tesla Model 3 mit mehr als 300.000 Einheiten unter den Elektrofahrzeugen am besten. Wir haben es hier also nicht mehr mit einer Nischenbranche zu tun.

Erneuerbare Energien sind jetzt preislich wettbewerbsfähig

Im Jahr 2008 wurde die Nachfrage in der Solarindustrie von einer Handvoll europäischer Länder dominiert und hing stark von staatlichen Subventionen ab. Als Regierungen im Zuge der globalen Finanzkrise darum bemüht waren, ihre Finanzen zu sanieren, wurden diese grosszügigen Subventionen gekürzt, was die Branche stark zurückwarf. Mittlerweile sind die Preise für Solaranlagen seit 2008 um 80 % gesunken, und es besteht eine echte weltweite Nachfrage nach Solarenergie.

Windenergie war im Jahr 2008 stärker ausgereift als Solarenergie, verzeichnete in den Jahren seither aber ebenfalls einen starken Kostenrückgang, da sich die Technologie verbessert und die Branche expandiert hat. Zu Beginn des Jahres 2020 waren Windkraft und Photovoltaik in zwei Dritteln der Welt die kostengünstigste Form der Energieerzeugung bei neu errichteten Anlagen - ein immenser Zuwachs gegenüber einem Stand von lediglich 1 % der Welt vor fünf Jahren.

Kurz gesagt sind die wirtschaftlichen Argumente für erneuerbare Energien mittlerweile wesentlich überzeugender als nach der letzten Krise.

Politischer und unternehmerischer Wille: eine Zeitenwende

Der Klimawandel ist Teil einer Diskussion, die vor zehn Jahren so nicht stattfand. Dieses Mal bestehen gute Chancen, dass politische Entscheidungsträger und Unternehmen sich für erneuerbare Energien stark einsetzen werden.

Das politische Umfeld hat sich verändert. Nach zehn Jahren haben Klimaverpflichtungen im politischen Planungsprozess und in den Unternehmensstrategien inzwischen einen wesentlich festeren Platz eingenommen. Bei dem im Jahr 2015 unterzeichneten Pariser Abkommen trafen die globalen Staats- und Regierungschefs in Bezug auf den Temperaturanstieg eine kollektive Vereinbarung, auf die anschliessend weitere politische Massnahmen auf nationaler Ebene folgen sollten. Sie erklärten damals, kollektive Massnahmen zu ergreifen, um den langfristigen Temperaturanstieg auf rund zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau Ende des 19. Jahrhunderts zu begrenzen.

COP26 - die ursprünglich für November in diesem Jahr vorgesehene UN-Klimakonferenz 2020 - wird eventuell verschoben werden. Allerdings spiegelt ihr Öffentlichkeitsprofil wider, welche Bedeutung die politischen Entscheidungsträger den Fortschritten im Kampf gegen den Klimawandel heutzutage beimessen. Die Staats- und Regierungschefs in Europa betonen unterdessen, wie wichtig es ist, die geplanten Massnahmen zur Erholung von Covid-19 in Einklang mit den Klimaverpflichtungen zu bringen.

Die Unternehmenswelt hat wiederum grösstenteils erkannt, welche Risiken und Chancen sich aus dem Klimawandel ergeben. So erachten die globalen Führungsspitzen beim Weltwirtschaftsforum den Klimawandel nun als grösstes und wahrscheinlichstes Geschäftsrisiko, wohingegen es das Thema vor zehn Jahren noch nicht einmal unter die fünf wichtigsten Bedrohungen schaffte.

Neubewertung der Geschäftstätigkeit im Zuge von Covid-19

Wir konnten bereits dramatische Veränderungen beobachten. Sofern möglich, arbeiten die Menschen von zu Hause aus. Sitzungen und Konferenzen finden virtuell statt. Die aktuelle Krise wird die Unternehmen vor die Frage stellen, ob das, was sie davor als "Business as usual" erachtet haben, wirklich notwendig ist.

Und das könnte nur der Anfang sein. Wir halten es für recht wahrscheinlich, dass sich unsere Arbeitsweise in einigen Aspekten dauerhaft verändern wird - wovon das Klima profitieren könnte.

Das Thema Nachhaltigkeit steht nach wie vor fest auf den Tagesordnungen der Unternehmen, und die Themen Coronavirus und Nachhaltigkeit haben in Videokonferenzen enorm zugenommen.

Klimafokussierte Investments hängen nicht mehr so stark von der Unterstützung durch die Politik ab wie vor zehn Jahren. Allerdings bleibt diese Unterstützung zur Beschleunigung des Fortschritts relevant, insbesondere in Bereichen wie die Schwerindustrie, wo die Wirtschaftlichkeit von Technologien zur Dekarbonisierung ohne regulatorische Eingriffe noch nicht recht überzeugt.

Auf die Krise 2008 folgte ein Jahr später in Kopenhagen Enttäuschung, als sich die weltweiten Staats- und Regierungschefs nicht auf einen Aktionsplan gegen den Klimawandel einigen konnten. Nun, da diese Zeit weit hinter uns liegt, hegen wir Hoffnungen, dass sich die aktuelle Krise als das Sprungbrett für den klimafreundlichen Wandel erweisen wird, der laut wissenschaftlichem Konsens immer dringlicher wird.

Ausblick - Fortschritte im Auge behalten

Das von Schroders entwickelte Climate Progress Dashboard dient als objektiver Gradmesser für unsere bisherigen Fortschritte und gibt Aufschluss darüber, wie schnell unterschiedliche Faktoren verändert werden müssen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.

Es gibt zwölf unterschiedliche Kennzahlen, darunter politische Massnahmen, Geschäftsstrategien, der technologische Wandel und die Produktion fossiler Brennstoffe. Wir beschäftigen uns beispielsweise mit der Frage, wie viele Elektrofahrzeuge zusätzlich auf die Strasse gebracht werden müssen. Wie hoch ist die Menge erneuerbarer Energien, die zusätzlich erzeugt werden muss? Und wie schnell muss die Produktion von Öl, Gas und Kohle gedrosselt werden?

Das Dashboard wird vierteljährlich aktualisiert. Das letzte Update deutete auf eine langfristige Erwärmung von 3,9 Grad hin. Der erste Schritt ist gemacht, es müssen jedoch noch zahlreiche weitere folgen.

Wichtige Informationen: Bei dieser Mitteilung handelt es sich um Marketingmaterial. Die Einschätzungen und Meinungen in diesem Dokument geben die Auffassung des Autors bzw. der Autoren auf dieser Seite wieder und stimmen nicht zwangsläufig mit Ansichten überein, die in anderen Veröffentlichungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck kommen. Dieses Material dient ausschliesslich zu Informationszwecken und ist in keiner Hinsicht als Werbematerial gedacht. Das Dokument stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments dar. Es ist weder als Beratung in buchhalterischen, rechtlichen oder steuerlichen Fragen noch als Anlageempfehlung gedacht und sollte nicht für diese Zwecke genutzt werden. Die Ansichten und Informationen in diesem Dokument sollten nicht als Grundlage für einzelne Anlage- und/oder strategische Entscheidungen dienen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Der Wert einer Anlage kann sowohl steigen als auch fallen und ist nicht garantiert. Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden. Dazu gehört unter anderem der mögliche Verlust des investierten Kapitals. Die hierin aufgeführten Informationen gelten als zuverlässig. Schroders garantiert jedoch nicht deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Einige der hierin enthaltenen Informationen stammen aus externen Quellen, die von uns als zuverlässig erachtet werden. Für Fehler oder Meinungen Dritter wird keine Verantwortung übernommen. Darüber hinaus können sich diese Daten im Einklang mit den Marktbedingungen ändern. Dies schliesst jedoch keine Verpflichtung oder Haftung aus, die Schroders gegenüber seinen Kunden gemäss etwaig geltender aufsichtsrechtlicher Vorschriften wahrnimmt. Die aufgeführten Regionen/Sektoren dienen nur zur Veranschaulichung und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Die im vorliegenden Dokument geäusserten Meinungen enthalten einige Prognosen. Unseres Erachtens stützen sich unsere Erwartungen und Überzeugungen auf plausible Annahmen, die unserem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass sich etwaige Prognosen oder Meinungen als richtig erweisen. Diese Einschätzungen oder Meinungen können sich ändern. Herausgeber dieses Dokuments: Schroder Investment Management Limited, 1 London Wall Place, London EC2Y 5AU, Grossbritannien. Registriert in England unter der Nr. 1893220. Zugelassen und beaufsichtigt durch die Financial Conduct Authority.


Bildquelle: Schroders

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