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09.06.2021 10:15:29

Schroders: Können Unternehmen wirklich die Bedürfnisse aller Stakeholder unter einen Hut bringen?

Schroders: Können Unternehmen wirklich die Bedürfnisse aller Stakeholder unter einen Hut bringen?

Emma Stevenson
Investment-Redakteurin

Die Frage, ob Unternehmen gewinnbringend und zugleich zweckorientiert operieren können, ist nach wie vor schwierig zu beantworten.

Der Führungswechsel beim französischen Lebensmittelhersteller Danone im März zeigte die Schwierigkeiten auf, denen Unternehmen auf dem Weg zur Nachhaltigkeit ausgesetzt sein können. Der CEO-Vorsitzende, der mit der formellen Umwandlung von Danone in ein "zweckorientiertes Unternehmen" ein starkes Statement abgab, wurde von aktivistischen Investoren verdrängt.

Viele Unternehmen sehen ihre Aufgabe darin, den Interessen aller ihrer Stakeholder zu dienen, anstatt sich in erster Linie auf die Belohnung der Aktionäre zu konzentrieren. Dieses Konzept wird als "Stakeholder-Kapitalismus" bezeichnet.

Aber wie funktioniert das in der Praxis - und kann diese Art zu investieren wirklich überdurchschnittliche Renditen für die Anleger erzielen? Drei Investmentexperten geben ihre Meinung ab und zeigen an einem Beispiel aus der Realität, wie Anleger den Umgang eines Unternehmens mit den Stakeholdern beeinflussen können.

Wie sollten nachhaltige Unternehmen ihre Stakeholder priorisieren?

Nicholette MacDonald-Brown, Fondsmanagerin und Leiterin European Blend, erklärt: "Nachhaltige Anleger suchen nach Unternehmen, welche die Bedürfnisse aller ihrer Stakeholder berücksichtigen. Das sind Mitarbeitende, Lieferanten, Kunden, Aufsichtsbehörden, Aktionäre, lokale Gemeinschaften und die Umwelt.

"Diese Stakeholder sind nicht für alle Unternehmen gleich wichtig. In manchen Sektoren sind die Aufsichtsbehörden wichtiger als in anderen, zum Beispiel im Bankensektor. Manchmal muss ein Unternehmen unter Umständen auch einen Stakeholder gegenüber den anderen priorisieren. Wichtig ist jedoch, dass dies nicht zum Nachteil anderer Stakeholder geschieht."

Scott MacLennan, Fondsmanager ergänzt: "Nachhaltiges oder ESG-Investieren entstand im Grunde zunächst aus Bedenken in Bezug auf die Governance. Nachrichtenereignisse oder die öffentliche Meinung haben den Schwerpunkten zuweilen mehr auf die Umwelt oder auf soziale Themen verschoben. Aber als langfristig orientierte Anleger müssen wir uns darauf konzentrieren, wie Unternehmen alle ihre Stakeholder behandeln."

Welche Rolle spielen Anleger, um sicherzustellen, dass Unternehmen alle ihre Stakeholder berücksichtigen?

Nicholette MacDonald-Brown erklärt: "Hier kommt das aktive Fondsmanagement ins Spiel. Stockpicker wie wir wählen aus, in welche Unternehmen wir das Kapital unserer Kunden investieren. Ein passiver Fonds hingegen erwirbt einfach Positionen, um einen bestimmten Index nachzubilden.

Als Anleger, die entscheiden können, ob wir in ein Unternehmen investieren oder nicht, können wir eine wichtige Rolle im Namen aller Stakeholder spielen."

Scott MacLennan kommentiert: "Letztendlich ist ein nachhaltiges Unternehmen eines, das auf lange Sicht geführt wird. Wenn ein Unternehmen die Auswirkungen berücksichtigt, die es auf alle seine Stakeholder hat, dürfte es besser aufgestellt sein, um zu wachsen, Renditen für die Aktionäre sowie sichere Arbeitsplätze für seine Mitarbeitenden zu bieten und ein zuverlässiger Partner für seine Lieferanten zu sein.

"Ein Unternehmen, das seine Stakeholder nicht berücksichtigt, setzt sich allen möglichen Risiken aus. Das können Reputationsrisiken, finanzielle Risiken (beispielsweise Geldstrafen, die von Aufsichtsbehörden auferlegt werden) oder operative Risiken durch demotiviertes Personal sein."

Wo liegen die Prioritäten?

Jedes Unternehmen hat seine Besonderheiten und Herausforderungen. Es gibt bei der Berücksichtigung der Interessen der Stakeholder also keinen Ansatz, der für alle passt. Auch die Anleger müssen sich mit den Herausforderungen, mit denen das Unternehmen konfrontiert wird, auseinandersetzen und abwägen, wann sie am besten auf Veränderungen drängen.

"Ein Beispiel für ein Unternehmen, das bestimmte Stakeholder priorisiert, ohne anderen Schaden zuzufügen, ist der französische Supermarktkonzern Carrefour", so Nicholette MacDonald-Brown. "Wir haben vor Kurzem mit dem Unternehmen im Namen der Aktionäre zusammengearbeitet."

Michael Docherty, Aktienanalyst, ergänzt: "Vor einigen Jahren hatte Carrefour aufgrund eines neuen Preisrechts in Frankreich und des Wettbewerbsdrucks durch andere Lebensmittelketten Umsatzschwierigkeiten. Für einen Lebensmittelhändler muss der Kunde ganz klar an erster Stelle stehen. Die wichtigste Aufgabe für die Geschäftsleitung bestand somit darin, dies zu korrigieren."

Was passiert aber, wenn die Probleme bei der Kundenorientierung behoben worden sind?

"Carrefour verbesserte seine Preispositionierung und seine Kundenorientierung," so Michael Docherty. "Das Unternehmen ergriff aber auch andere Massnahmen, um seine betriebliche Leistung zu verbessern. Im Ergebnis verbesserte sich dadurch der freie Cashflow (FCF) deutlich."

Der FCF sind die Barmittel, die ein Unternehmen generiert, wobei das Geld, das zur Aufrechterhaltung oder Erweiterung seiner Vermögensbasis erforderlich ist, darin bereits berücksichtigt wurde. Der FCF ist wichtig, weil er es einem Unternehmen erlaubt, Chancen zu nutzen, die Mehrwert für die Aktionäre bieten: Investition in neue Produkte, Übernahmen, Ausschüttung von Dividenden, Aktienrückkauf und Schuldenabbau.

Die folgende Abbildung zeigt, wie sich der FCF von Carrefour ab 2018 verbessert hat. Konsensschätzungen zufolge wird mit weiteren Verbesserungen für 2020 und darüber hinaus gerechnet.

Wie die zweite Abbildung zeigt, führte dies jedoch nicht zu einer nennenswerten Verbesserung des Aktienkurses von Carrefour im Jahr 2018.

Die erwarteten betrieblichen Verbesserungen bei Carrefour wurden vom Aktienmarkt zwar nicht belohnt, sorgten aber andernorts durchaus für Aufmerksamkeit. Der Kursanstieg im Januar 2021, wie in der obigen Abbildung dargestellt, spiegelt die Ankündigung eines Übernahmeangebots eines kanadischen Lebensmittelhändlers wider. Die Offerte zerschlug sich letztlich. Ersichtlich wird daran jedoch, dass Unternehmen, die ihre Aktionäre vernachlässigen, für Übernahmen durch Konkurrenten oder andere Anleger anfällig werden können.

Einflussnahme im Namen der Aktionäre

Nicholette MacDonald-Brown sagt: "Uns war klar, dass Carrefour an der Börse keine Anerkennung für die vorgenommenen Verbesserungen erhielt. Wir waren daher der Ansicht, dass das Unternehmen seine laufenden operativen Verbesserungen mit Bargeldrenditen für die Aktionäre kombinieren sollte. Diese Ansicht teilten wir Carrefour mit."

"Die Aktionäre sind für Unternehmen ein wichtiger Stakeholder," erklärt Scott MacLennan. "Ein Unternehmen muss seine Zukunft finanzieren, und dafür sind Aktionäre unerlässlich.

"Wir waren der Meinung, dass Carrefour es sich leisten konnte, die Aktionärsrenditen zu erhöhen, ohne dabei andere Stakeholder zu vernachlässigen.

"Beispielsweise kündigte Carrefour an, dass es in diesem Jahr angesichts des Drucks am Arbeitsmarkt 15.000 junge Menschen einstellen wird. Das Unternehmen könnte auch durch ergänzende Akquisitionen wachsen. Aufgrund der starken Verbesserungen des Unternehmens hielten wir alle drei Massnahmen für möglich."

Michael Sid kommentiert: "Ich verglich Carrefour in Bezug auf die Aktionärsrendite mit seiner Vergleichsgruppe. Wie die nachstehende Abbildung zeigt, wurde damit gerechnet, dass Carrefour eine FCF-Rendite erwirtschaften wird, die über dem Branchendurchschnitt liegt. Zugleich zahlte das Unternehmen einen kleineren Baranteil an seine Aktionäre aus."

"Angesichts der anhaltenden globalen Pandemie ist der jetzige Zeitpunkt für viele Unternehmen nicht gerade ideal, um ihre Aktionärsrenditen zu erhöhen," kommentiert Nicholette MacDonald-Brown. "Supermärkte zählen jedoch zu den Gewinnern der Pandemie, und wir hielten es für angemessen, nach einem Plan für zukünftige Renditen zu fragen."

Im März dieses Jahres kündigte Carrefour an, die Dividende nicht in Aktien, sondern in bar auszuschütten. Ferner ist eine regelmässige Erhöhung der Dividende geplant. Die Dividende wurde für nahezu zehn Jahre in Aktien ausgezahlt ("Gratisaktien"). Im April kündigte Carrefour einen Rückkauf seiner Aktien im Wert von 500 Mio. Euro an.

Offensichtlich bleibt abzuwarten, wie dieser erneute Schwerpunkt auf den Aktionärsrenditen den Aktienkurs von Carrefour auf lange Sicht beeinflussen wird.

Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen haben alle ihre Besonderheiten. Für eine erfolgreiche Einflussnahme auf Unternehmen ist die Kenntnis dieser Besonderheiten unabdingbar.

"Eine Besonderheit französischer Unternehmen ist, dass die Rollen des Vorsitzenden und des CEO oft von derselben Person besetzt werden. In Ländern wie Grossbritannien ist das nicht üblich," kommentiert Scott MacLennan. "Das heisst nicht unbedingt, dass die Einflussnahme für Anleger auf solche Unternehmen schwieriger ist. Es bedeutet einfach, dass verstärkt mit unabhängigen Verwaltungsratsmitgliedern zusammengearbeitet wird, um sicherzustellen, dass Meinungen ausserhalb der Geschäftsleitung berücksichtigt werden."

Nicholette MacDonald-Brown sagt: "Jedes Unternehmen ist anderes. Daher ist auch jede Entscheidung zur Einflussnahme und den Investitionen einzigartig. Grundsätzlich glauben wir jedoch nicht, dass man einen Kompromiss zwischen nachhaltigen Anlagen und über dem Vergleichsindex liegenden Renditen schliessen muss. Die Auswirkungen auf alle Stakeholder eines Unternehmens werden bei unserer Analyse einer potenziellen Anlage immer berücksichtigt."

Dieser Artikel wurde am 13. Mai 2021 veröffentlicht. Alle Bezugnahmen auf Unternehmen dienen nur zur Veranschaulichung und sind weder als Kauf- noch als Verkaufsempfehlung oder als Meinung zum Wert der Aktien dieses Unternehmens zu verstehen.

Dieser Artikel ist nicht als Anlageempfehlung oder Research gedacht und sollte nicht für diese Zwecke genutzt werden.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

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Bildquelle: Schroders

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