18.09.2020 13:25:02

Schroders: Grün oder braun? Warum die Farbe des Aufschwungs für Anleger wichtig ist

Schroders: Grün oder braun? Warum die Farbe des Aufschwungs für Anleger wichtig ist

Irene Lauro
Ökonomin

Als die weltweite Konjunktur aufgrund der Covid-19-Pandemie einbrach, gingen die CO2-Emissionen deutlich zurück.

Laut Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) werden die globalen CO2-Emissionen um rund 2,5 Gigatonnen (Gt) auf knapp unter 31 Gt zurückgehen. Dies entspricht einem Rückgang von rund 8 % gegenüber 2019. Damit wäre der tiefste Stand seit 2010 erreicht.

Der Primärenergiebedarf insgesamt dürfte in diesem Jahr weltweit um etwa 6 % schrumpfen. Somit wäre der Nachfrageschock etwa siebenmal so gross wie während der Finanzkrise 2008/2009.

Die Emissionen entwickeln sich jedoch normalerweise im Gleichschritt mit der makroökonomischen Aktivität, weshalb erwartet wird, dass sie wieder steigen, sobald die Erholung an Dynamik gewinnt. Letztlich folgte auf frühere Krisen immer ein "brauner" Aufschwung, sodass wir unseren Energiebedarf weiterhin mit fossilen Brennstoffen deckten: Aber was, wenn es diesmal anders kommt?

Dies könnte die Zeit für einen grünen Aufschwung sein.

Die Pandemie könnte den Ausblick für den Ölmarkt erheblich verändert haben. Ein grosser Teil der Ölnachfrage kommt aus dem Transportsektor und wurde dramatisch von den Lockdowns getroffen, die Autos, Lastwagen, Züge und Flugzeuge zum Stillstand brachten.

Aussagen aus der Luftfahrtindustrie deuten darauf hin, dass die Nachfrage nach Reisen wahrscheinlich so lange niedrig bleiben wird, bis es einen Impfstoff oder eine Behandlung gegen das Coronavirus gibt.

Gleichzeitig wird der langfristige strukturelle Druck auf die Ölindustrie wahrscheinlich auch dann bestehen bleiben, wenn die Pandemie nachlässt. Aufgrund der Besorgnis über die Klimakrise und der strengeren staatlichen Regulierung zur Kontrolle der Emissionen stand die Ölindustrie bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus unter Druck.

Nachdem die Branche für fossile Brennstoffe zu Beginn des neuen Jahrtausends starke Renditen erwirtschaftet hatte, begann sie im Jahr 2014 aufgrund der stark gefallenen Ölpreise hinter dem S&P 500 Index zurückzubleiben (Abb. 1).

Angesichts des anhaltenden Abwärtsdrucks auf die Ölpreise aufgrund der gedämpften Nachfrage nach Reisen und eines möglichen Umstiegs auf sauberere Energiequellen (wie erneuerbare Energien) dürfte sich dieser Trend fortsetzen.

Wie Energieunternehmen mit dem Ölpreisschock umgehen

In den letzten Monaten haben mehrere Ölunternehmen Abschreibungen angekündigt. Dies legt nahe, dass Öl und Gas im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar aufgrund der niedrigeren Energiepreise im Boden bleiben könnten. Aber auch der Druck zur Verringerung der Kohlenstoffintensität und die Bemühungen um eine Senkung der CO2-Emissionen spielen eine Rolle. In diesem Fall könnte ein Grossteil dieser Vorkommen selbst dann im Boden verbleiben, wenn sich die Ölpreise erholen und der Abbau von Reserven wieder rentabel wird.

Laut der Transition Pathway Initiative (TPI) - einer globalen Initiative von Anlageinhabern, mit der die Bereitschaft der Unternehmen für den Übergang auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft analysiert wird - hatte vor drei Jahren noch kein europäisches Unternehmen Zielvorgaben für die Senkung der Kohlenstoffintensität seiner Energielieferungen festgelegt.

Heute verfügen alle Unternehmen, die von der TPI beurteilt wurden, über solche Zielvorgaben. Darüber hinaus haben fünf Grosskonzerne (BP, Eni, Repsol, Shell und Total) ihre langfristigen Klimaziele kürzlich überarbeitet. Repsol und Total sind nun auf die Ziele des Pariser Abkommens ausgerichtet, und Shell beabsichtigt, seine Emissionsintensität bis 2050 um 65 % zu senken.

Wie bei jedem schwierigen Übergang gibt es auch hier Gewinner und Verlierer. Da sich der klimapolitische Druck auf die Unternehmen nur verstärken dürfte, sollten sich die Finanzmärkte allmählich die wirtschaftlichen Risiken bewusst machen, die mit dem Übergang auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft einhergehen.

Insbesondere wird jeder Versuch zur Senkung der globalen CO2-Emissionen dazu führen, dass wir die Menge der von uns verbrannten fossilen Brennstoffe reduzieren müssen. Doch den aktuellen Bewertungen von Energieunternehmen liegt beispielsweise die implizite Annahme zugrunde, dass ihre Energiereserven einen zukünftigen Marktwert haben. Sollte sich dies ändern, wird dies Konsequenzen für die Aktienmärkte haben.

Wie wir bereits in unserer Analyse des Klimawandels und der 30-jährigen Marktrenditen hervorgehoben haben, müssten fast 60 % der Öl- und Gasreserven und über 80 % der gegenwärtigen Kohlereserven ungenutzt bleiben, damit das Ziel des Pariser Abkommens erreicht und die globale Temperaturerhöhung auf 2 °C begrenzt werden kann. Dies könnte "verlorene" Investitionen zur Folge haben. Hierbei handelt es sich laut der Definition der IEA um "bereits getätigte Investitionen, die ab einem gewissen Punkt vor Ablauf ihrer jeweiligen wirtschaftlichen Nutzungsdauer nicht länger einen hinreichenden Ertrag abwerfen".

"Verlorene" Investitionen sind ein Schlüsselrisiko für die Märkte

Während die Ölkonzerne angesichts des von Covid-19 verursachten Einbruchs der Energienachfrage bereits eine beträchtliche Menge fossiler Brennstoffreserven abgeschrieben haben, zeigt unsere Analyse, dass noch viele Reserven im Boden verbleiben. Die Risiken "verlorener" Investitionen wurden noch nicht eingepreist. Laut MSCI-Daten zu den potenziellen Emissionen von Unternehmen könnten die Aktienmärkte in Ländern wie den USA, Russland, China und Indien einen Renditerückgang verzeichnen, wenn die Klimapolitik bei einem Umstieg auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft umgesetzt wird (Abb. 2).

Aus unserem Climate Progress Dashboard geht hervor, dass wir trotz der neuen Emissionsversprechen weit davon entfernt sind, das Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen. Die Pandemie könnte dafür sorgen, dass die Nachfragespitze im Bereich fossiler Brennstoffe früher erreicht ist und die Förderung unrentabel wird. Es sind strukturelle Veränderungen notwendig, um den Übergang auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft zu beschleunigen. Die Entkarbonisierung des Energiesektors kann nur durch die Fiskal- und Regulierungspolitik vorangetrieben werden, indem die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen gesenkt, die Energieeffizienz erhöht und die Nutzung erneuerbarer Energien verstärkt wird.

Laut Daten von fDi Markets sind die Investitionen in erneuerbare Energien im ersten Quartal stark angestiegen. Damit wurde das stärkste Quartal seit einem Jahrzehnt verzeichnet. Dagegen sind die Investitionen in der Öl- und Gasindustrie regelrecht eingebrochen. Was aus Sicht von Finanzinvestoren sogar noch wichtiger ist: Seit dem Beginn der Pandemie hat der Sektor für erneuerbare Energien deutlich besser abgeschnitten als die Branche für fossile Brennstoffe (Abb. 3).

Der grüne Aufschwung könnte stärker ausfallen als eine braune Erholung

Letztendlich könnte ein grüner Aufschwung nicht nur der Umwelt zugutekommen und die Umweltbelastung senken, er könnte auch stärker ausfallen als eine Erholung, bei der die Wiederbelebung der Konjunktur mit steigenden Emissionen einhergeht.

Aktuelle Studien[1] zeigen, dass mit Investitionen in saubere Energien für jeden verlorenen Arbeitsplatz im Sektor für fossile Brennstoffe drei neue Arbeitsplätze geschaffen werden und dass pro 1 Million US-Dollar, die von fossilen Brennstoffen auf umweltverträgliche Energien verlagert werden, durchschnittlich fünf zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Hierbei sollte beachtet werden, dass sich diese Studien auf die kurzfristigen Auswirkungen konzentrierten, die eine geringere Produktion fossiler Brennstoffe und eine verstärkte Erzeugung sauberer Energien auf den Beschäftigungsmarkt hätten. Da es sich bei der grünen Energie um einen relativ jungen Industriezweig handelt, dürfte die Entkarbonisierung des Energiesektors mit einer deutlichen Produktionssteigerung und einer verstärkten Installation erneuerbarer und effizienter Technologien einhergehen. Auf diese Weise wird der Beschäftigungsmarkt unterstützt - und das in einer Zeit, in der die Regierungen versuchen, ihre Volkswirtschaften wieder hochzufahren.

[1] Green versus brown: Comparing the employment impacts of energy efficiency, renewable energy, and fossil fuels using an input-output model. Heidi Garrett-Peltier, Economic modelling, 2017.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

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Bildquelle: Schroders

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