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18.12.2020 10:00:18

Schroders: Die Nachhaltigkeitsstrategie Grossbritanniens nach dem Brexit

Schroders: Die Nachhaltigkeitsstrategie Grossbritanniens nach dem Brexit

Anastasia Petraki
Head of Policy Research

In diesem Monat machte die britische Regierung wichtige Ankündigungen für ihren Weg in eine nachhaltige Zukunft. Die Schlagzeilen der vergangenen Woche wurden von der Ankündigung des britischen Finanzministers dominiert, dass die Regierung plant, 2021 ihre erste grüne Anleihe auszugeben. In dieser Woche steht nun die Ankündigung des Premierministers einer "grünen industriellen Revolution" im Mittelpunkt. Diese Bekanntgaben finden nahezu ein Jahr nach der Ankündigung der EU ihrer Vision einer kohlenstoffneutralen Zukunft statt.

Die Entwicklungen in Grossbritannien werfen mehrere Fragen auf, nicht zuletzt darüber, wie die Pläne Grossbritanniens mit der EU-Nachhaltigkeitsagenda übereinstimmen. Wir untersuchen im Folgenden einige dieser Fragen. Wir können es jedoch jetzt schon verraten: Beantworten lassen sie sich derzeit noch nicht. Wir fassen das, was wir bislang wissen, im Folgenden zusammen.

Die Ankündigungen gehen weit über grüne Anleihen hinaus, oder?

Ja, das stimmt. Wichtig bei der Ankündigung der vergangenen Woche war weniger die erste grüne Anleihe aus Grossbritannien, sondern vielmehr der Kontext, in dem diese Gilt vorgestellt wurde. Die Anleihe ist Teil eines breiter gefassten Plans für einen nachhaltigen Finanzsektor, um die britische Wirtschaft umweltfreundlicher zu machen. Dieser Plan ist eines der Ziele, die die Regierung für den Finanzsektor nach dem Brexit hat.

Was haben eine "grüne Taxonomie" und klimabezogene Offenlegung mit den Plänen der Regierung für den Finanzsektor nach dem Brexit zu tun?

Dieser Plan hat viele Aspekte.

Erstens gibt es Pläne, die direkt mit einem nachhaltigen Finanzsektor zu tun haben. Dann spielen grüne Staatsanleihen eine Rolle. Ein weiterer Aspekt ist eine grüne Taxonomie (eine gemeinsame Sprache zur Beschreibung nachhaltiger wirtschaftlicher Aktivitäten), die, zumindest anfangs, auf der Taxonomie der EU fusst. Auch die obligatorische Offenlegung von klimabezogenen Finanzdaten spielt eine Rolle. Derzeit geschieht das noch auf freiwilliger Basis über die Expertenkommission TCFD (Task Force on Climate-related Financial Disclosures).

Die obligatorische Offenlegung klimabezogener Daten wird schrittweise eingeführt, angefangen bei börsennotierten Unternehmen, Banken, Versicherungsgesellschaften und betrieblichen Pensionsfonds mit einem verwalteten Vermögen von über 5 Mrd. britischen Pfund. Alle in Grossbritannien registrierten Unternehmen und Vermögensverwalter werden folgen.

Der neue CEO der Financial Conduct Authority sagte letzte Woche, dass das TCFD-Regime auf einer "Comply or Explain"-Basis beginnen werde, da Unternehmen möglicherweise Schwierigkeiten hätten, die erforderlichen Daten zu sammeln. Erst nach dieser Phase wird die Aufsichtsbehörde schärfere Bestimmungen in Betracht ziehen. In der Zwischenzeit finden mehrere Konsultationen mit der Branche statt.

Was ist mit Massnahmen, die über den nachhaltigen Finanzsektor hinausgehen, zum Beispiel digitale Währungen und der "Long-Term Asset Fund"?

Es gibt Massnahmen, die über den nachhaltigen Finanzsektor hinausgehen. Die Regierung will die Anforderungen für Unternehmen, die an die britische Börse gehen wollen, überprüfen und Änderungen in Betracht ziehen, um eine Börsennotierung für Unternehmen attraktiver zu machen. Es ist nicht das erste Mal, dass eine solche Überprüfung stattfindet. Es ist komplizierter, als es klingt, und Grossbritannien ist nicht das einzige Land, das dieser Herausforderung gegenübersteht.

Ausserdem will sich die britische Regierung in die Welt der digitalen Währungen wagen und ein Regelwerk entwickeln, damit diese denselben Standards entsprechen wie andere Zahlungsmethoden.

Die Regierung will sogar den regulatorischen Rahmen für Anlagefonds komplett reformieren (Details sollen in Konsultation festgelegt werden) und innerhalb eines Jahres einen neuen Long-Term Asset Fund auflegen. Dieser neue Fonds würde in Infrastruktur und Wagniskapital investieren, wie von der Investment Association befürwortet.

Die Pläne gehen aber noch darüber hinaus, richtig? Was ist mit "Äquivalenz" gemeint?

Ja, das ist richtig. Der Finanzminister gab Richtlinien in Bezug auf den britischen Ansatz bei Äquivalenz mit anderen Ländern bekannt. Äquivalenz bedeutet, dass ein Land den regulatorischen Rahmen eines anderen Landes im Grunde als gleichwertig zum eigenen Rahmen sieht. Dadurch kann das andere Land seine Dienste dem ersten Land zur Verfügung stellen, ohne zusätzliche Massnahmen ergreifen zu müssen.

Die neue Richtlinie basiert auf drei Prinzipien, die Grossbritannien bereits seit Längerem vertritt: a) Grossbritannien sollte offen sein; b) vom ersten Tag nach dem Brexit werden Grossbritannien und die EU nicht nur äquivalent, sondern identisch sein; c) Äquivalenz soll auf Ergebnissen basieren, nicht nur auf Papier.

Es überrascht also nicht, dass die Richtlinie einen sehr spezifischen Hinweis darauf enthält, dass Grossbritannien der EU und den Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums Äquivalenz einräumt. Ausserdem wird ausdrücklich auf den "ergebnisorientierten Ansatz" Grossbritanniens verwiesen - etwas, das sich Grossbritannien von der EU erhoffte, was aber bislang noch aussteht. Zumindest auf britischer Seite wurde damit die Politik aus allen Entscheidungen zur Äquivalenz ausgeklammert.

Insgesamt sind grüne Gilts also nur ein kleiner Teil einer viel grösseren Agenda, um den britischen Finanzsektor zu unterstützen, sobald der Brexit und die damit einhergehenden Veränderungen Realität werden.

Was sind die zehn Aktionspunkte der grünen industriellen Revolution, die vom Premierminister angekündigt wurden?

Boris Johnson gab am Mittwoch die folgenden zehn Aktionspunkte bekannt:

  1. Alle Haushalte sollen bis 2030 durch Offshore-Windenergie versorgt werden
  2. Zusätzliche Energie soll durch Wasserstoff generiert werden
  3. Die bestehenden Pläne für Stromerzeugung durch Kernkraft sollen weiterverfolgt werden
  4. Die Herstellung von Elektrofahrzeugen und die damit einhergehende Ladeinfrastruktur sollen unterstützt werden
  5. Der öffentliche Verkehr soll über den Einsatz emissionsarmer Busse und den Ausbau der Fahrradinfrastruktur umweltfreundlicher werden
  6. Flugzeuge und Schiffe sollen kohlenstoffneutral werden
  7. Gebäude sollen renoviert werden, um sie energieeffizienter zu machen
  8. Kapazitäten für die Kohlenstofferfassung und -speicherung sollen gebaut werden
  9. Das Land soll aufgeforstet werden, indem Bäume gepflanzt und die Landschaft neu genutzt wird
  10. Die Stadt London soll dank der grünen Gilt, Klimakompensations-Märkten und Offenlegungspflichten das globale Zentrum für den grünen Finanzsektor werden

Kurz gesagt sind grünere Infrastruktur, grünere Energiegewinnung und grünerer Transport das Herzstück des Plans. Weitere Einzelheiten zur Umsetzung werden folgen. Wichtig ist, dass britische Unternehmen Input geben werden.

Der Begriff der grünen industriellen Revolution wurde 2019 von der Labour Party in ihrem Wahlmanifest geprägt. Einige Aspekte des oben dargelegten Plans waren in diesem Begriff bereits enthalten. In der Theorie bedeutet das einen parteiübergreifenden Konsens für die Umsetzung des Plans.

Ist das die britische Version des Grünen Deals der EU?

Im Grunde schon.

Ein Aspekt, der im Zehn-Punkte-Aktionsplan zu beachten ist, ist die Aufnahme eines nachhaltigen Finanzsektors, also das, worüber der Finanzminister vergangene Woche sprach. In diesem Sinne ähnelt er dem Grünen Deal der EU, der auf dem Aktionsplan für nachhaltige Finanzen der EU beruht, um die Umsetzung der politischen Ziele zu ermöglichen.

Im Zentrum der Initiativen der EU und Grossbritanniens stehen Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit. Gegenwärtig ist der Grüne Deal der EU das ehrgeizigere Projekt. Das ist aber angesichts des Vorsprungs von nahezu einem Jahr, den ihr Aktionsplan hat, kein Wunder.

Ist Nachhaltigkeit kein gemeinsames Ziel?

Die ökologische Nachhaltigkeit ist tatsächlich ein gemeinsames Ziel und kein Wettbewerb. Jedes Land muss seinen eigenen Weg finden, um die Kohlenstoffemissionen zu senken. Grossbritannien hat sich ein Nullemissionsziel gesetzt und bahnt sich nun seinen Weg dahin.

Das Land beginnt dabei aber nicht mit einer leeren Leinwand. Die Regierung unter Theresa May hat das Rennen zu einer grüneren Wirtschaft mit ihrer Green Finance Strategy 2019 in die Wege geleitet. Die Strategie hatte drei Ziele:

  • die "Vergrünung des Finanzsektors", was bedeutet, dass das Konzept der ökologischen Nachhaltigkeit in alle Aspekte des Finanzdienstleistungssektors eingebettet wird;
  • die "Finanzierung grüner Projekte", was bedeutet, dass mehr Mittel in Investitionen fliessen, die eine grüne Wirtschaft fördern, wie beispielsweise grüne Infrastruktur;
  • das "Nutzen von Chancen", was ein Überbegriff ist und bedeutet, dass sichergestellt wird, dass "Grossbritanien (ökologische und kommerzielle) Chancen erkennt und in diesem Bereich eine führende Rolle einnimmt".

Einige der Aspekte der Ankündigung des Finanzministers in der vergangenen Woche sind Teil der Green Finance Strategy, wie die TCFD-Offenlegungen. Aber andere Aspekte sind neu, wie die grüne Staatsanleihe, von der die Regierung 2019 sagte: "[Sie bietet] kein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich mit dem Kern-Gilt-Programm, das weiterhin die stabilste und kosteneffizienteste Möglichkeit ist, alltägliche Regierungsaktivitäten zu finanzieren (einschliesslich bestehender und neuer grüner Ausgaben)".

Woher wird das Geld kommen?

Aus einer Kombination von öffentlichen und privaten Mitteln. Näheres wird in Kürze bekannt gegeben. Vorerst wissen wir, dass der Premierminister angekündigt hat, 12 Mrd. britische Pfund aus öffentlichen Mitteln und "möglicherweise dreimal so viel aus dem Privatsektor" zu mobilisieren. Die vom Finanzminister in der vergangenen Woche angekündigten Massnahmen dürften wohl auf Letzteres abzielen. Das bedeutet eine Gesamtinvestition von 48 Mrd. britischen Pfund mit einem Verhältnis von öffentlichen zu privaten Mitteln von 25:75. Der Zeithorizont ist bislang noch unbekannt. Die neue grüne Gilt wird dazu wahrscheinlich beitragen.

Zum Vergleich: Der Grüne Deal der EU hat eine Lücke von 260 Mrd. Euro pro Jahr bis 2030 identifiziert - das sind insgesamt 2,6 Bio. Euro. 1 Bio. Euro davon werden aus einer Kombination öffentlicher Quellen wie dem EU-Haushalt und der Europäischen Investitionsbank stammen. Weitere 225 Mrd. Euro werden aus der Emission von EU-Anleihen für den (noch formell zu vereinbarenden) Covid-Wiederaufbaufonds der EU stammen, da 30 % dieses Fonds (750 Mrd. Euro) für Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels bestimmt sind. Damit stammen 1.375 Mrd. Euro aus dem privaten Sektor. Das Verhältnis zwischen öffentlichen und privaten Mitteln für den EU-Plan liegt somit bei 47:53.

Welche Auswirkungen werden die neuen grünen Gilts haben?

Das ist schwer zu sagen. Derzeit wissen wir nur, dass die Ausgabe von grünen Anleihen "vorbehaltlich der Marktbedingungen" im Jahr 2021 beginnen wird und dass es bereits Pläne für weitere Emissionen in der Zukunft gibt - vorausgesetzt, die Marktbedingungen lassen dies zu. Das Geld aus diesen Anleihen wird zur Finanzierung von Projekten verwendet, die "den Klimawandel bekämpfen", Infrastruktur fördern und grüne Arbeitsplätze schaffen. Mehr Einzelheiten gibt es dazu bislang noch nicht.

Wie schon oft diskutiert, funktionieren grüne Anleihen nur (d. h., sie fördern den Übergang zu einer umweltfreundlicheren und nachhaltigen Wirtschaft), wenn das Geld wirklich in grüne Projekte fliesst. Um dies zu gewährleisten, trennt man sie am besten von anderen Staatsanleihen. Sonst gibt es keinen Unterschied zu normalen Staatsanleihen, die für alles eingesetzt werden können (z. B. auch für den Bau einer dritten Landebahn am Flughafen Heathrow).

Bislang wurden noch keine konkreten Massnahmen unternommen, um diese Anleihen von anderen Staatsanleihen zu trennen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Struktur dieser Anleihen genau geprüft wird, um sicherzustellen, dass keine "Grünfärberei" vorliegt. Damit ist gemeint, dass etwas nur dem Namen nach umweltfreundlich ist.

Weitere Einzelheiten müssen noch geklärt werden, nicht zuletzt die Preisgebung. Damit diese Anleihen für Anleger attraktiv sind, müssen sie eine höhere Rendite abwerfen als andere Staatsanleihen, wodurch sie für die Regierung teurer sind. Niedrigere Renditen ermöglichen es der Regierung, für grüne Projekte zu günstigen Bedingungen Darlehen aufzunehmen - damit sind diese Anleihen für Anleger aber weniger attraktiv als normale Gilts. Vielleicht wird sich die Regierung für die attraktiveren Bedingungen für Anleger entscheiden, um zu zeigen, wie wichtig ihr die Anleihe ist, und um ihr einen erfolgreichen Start zu ermöglichen.

Was ist die wichtigste Bestimmung für einen nachhaltigen Finanzsektor?

Dazu hat jeder eine eigene Meinung. Einig ist man sich nur darüber, wie wichtig eine gemeinsame Sprache ist. Es gibt keinen Markt, wenn die verschiedenen Marktteilnehmer einen Begriff unterschiedlich verstehen. Eine gemeinsame Taxonomie steht daher ganz oben auf der Liste der Massnahmen, die für einen nachhaltigen Finanzsektor ergriffen werden müssen.

Ebenfalls grosse Priorität hat die Unternehmensberichterstattung - also welche Informationen zur Nachhaltigkeit Unternehmen (aller Art, unabhängig von Börsennotierung und Grösse) in ihren Jahresabschlüssen und anderen Veröffentlichungen, wie z. B. speziellen Berichten zur Unternehmensverantwortung, zur Verfügung stellen. Hier kommen die Daten für Analysen her. Ohne sie kann es keine aussagekräftige Messung oder Bewertung geben. Und ohne solche Bewertungsmethoden ist es unmöglich, eine Anlage als umweltfreundlich oder sozial einzustufen. Aus diesem Grund ist eine allgemeine Anerkennung des TCFD-Standards wichtig und sehr willkommen.

Die gute Nachricht ist, dass es zusätzliche Regelwerke von internationalen Standardgebern gibt, die vielleicht in den Medien weniger Aufmerksamkeit erhalten, aber dennoch eine sehr wichtige Rolle spielen. Beispielsweise halten die IFRS Foundation Trustees derzeit Rücksprache über einen globalen Ansatz für Nachhaltigkeitsberichte, das Weltwirtschaftsforum berät sich über Kennzahlen für die ESG-Performance und den Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der UN, und fünf Standardgeber für die Unternehmensberichterstattung haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um einen gemeinsamen Standard zu entwickeln.

Die britische Regierung und die Finanzaufsichtsbehörden haben bereits ihre Unterstützung für diese Arbeit zugesagt. Parallel dazu hat der britische Financial Reporting Council kürzlich die Ergebnisse der thematischen Überprüfung von klimabezogenen Offenlegungen veröffentlicht. Dabei wurden Bereiche mit Verbesserungspotenzial identifiziert und die Erwartungen an Unternehmen, Vorstände, Wirtschaftsprüfer und Anleger angehoben. Hier tut sich also einiges.

Wird Grossbritannien in puncto nachhaltiger Finanzsektor der EU-Agenda folgen?

Ab dem 1. Januar 2021 ist Grossbritannien nicht länger verpflichtet, es der EU gleichzutun. Und wir sollten nicht vergessen, dass sich die Ankündigungen der vergangenen Woche mit der Strategie Grossbritanniens für Finanzdienstleistungen nach dem Ende der Übergangsphase befassten.

Bislang wissen wir, dass Grossbritannien alle EU-Vorschriften, die am 31. Dezember 2020 gültig sind, übernehmen wird. Dazu zählen die allgemeinen Bestimmungen der EU-Taxonomieverordnung, nicht aber ihre technischen Standards (die Einzelheiten). Die bevorstehende EU-Verordnung über Angaben zu Vermögensverwaltern und Anlageprodukten (einschliesslich Fonds) wird nicht gelten, da sie erst im März 2021 in Kraft tritt.

Grossbritannien hat signalisiert, dass es die Taxonomie anwenden wird, sie aber auf ihre Eignung für den britischen Markt überprüfen wird. Die Frage lautet also, was mit dem allgemeinen Regelwerk geschieht. Könnte sich Grossbritannien für seine Umsetzung entscheiden?

Kommen wir noch einmal auf die Green Finance Strategy des Jahres 2019 zurück. Die Regierung hatte sich verpflichtet, "in Bezug auf grüne Finanzen mindestens den drei Hauptzielen des EU-Aktionsplans für nachhaltige Finanzen zu entsprechen". Grund war, dass Grossbritannien an den Bestimmungen für Taxonomie, Offenlegungen und Benchmarks einen "grossen Anteil" hatte.

Im Grunde sagt die britische Regierung jetzt: "Angesichts des globalen Wesens der Branche wird es Interaktionen mit ähnlichen internationalen Initiativen geben, darunter solche, die sich aus dem Aktionsplan für nachhaltige Finanzen der EU ergeben. Vorgeschlagene Anforderungen im Einklang mit TCFD würden so weit wie möglich diesen Initiativen entsprechen und sie ergänzen."

Dies mag weniger mit den EU-Vorschriften in Einklang stehen als die Erklärung von 2019, aber Grossbritannien kann sich aus zwei Gründen dafür entscheiden, den EU-Vorschriften möglichst zu entsprechen: Erstens, um nicht als Nachzügler dazustehen, da die EU-Initiative bereits auf gutem Weg ist und Grossbritannien gerade erst den Anfang gemacht hat. Zweitens werden viele auf die praktischen Probleme hinweisen, die ein Regelwerk in Grossbritannien, das von dem der EU abweicht, mit sich bringen würde, insbesondere im Hinblick auf grenzübergreifende Transaktionen.

Tatsache ist, dass jeder Kommentar so kurz vor dem Ende der Übergangsphase nur spekulativ sein kann, da ein grosser Teil des Puzzles noch fehlt: die genauen Bedingungen der Beziehung Grossbritanniens mit der EU ab Januar 2021.

Wird das gesamte Paket für einen nachhaltigen Finanzsektor funktionieren?

Das ist schwer zu sagen. Die bisherigen Erfahrungen mit der EU-Agenda für einen nachhaltigen Finanzsektor haben gezeigt, dass eine umweltfreundlichere Wirtschaft eine sorgfältige Koordinierung und rechtzeitige Umsetzung erfordert. Es besteht jedoch die Gefahr, dass die Gesetzgebung zu schnell durchgesetzt wird. Beispielsweise sollte Grossbritannien Situationen vermeiden, in denen Offenlegungsregeln für Anlageprodukte festgelegt werden, bevor geprüft wird, ob die Unternehmen die für diese Produktoffenlegungen erforderlichen Daten melden.

Die Agenda der EU erkennt auch an, dass es bei Nachhaltigkeit nicht nur um den Klimawandel geht, sondern auch um andere Umweltprobleme sowie um soziale Aspekte und Governance. Das britische Regelwerk sollte soziale und Governance-Faktoren berücksichtigen, da Nachhaltigkeit nicht nur die Umwelt betrifft.

Es kann Unterschiede zwischen dem Ansatz Grossbritanniens und dem der EU geben. Der Brexit bedeutet, dass Grossbritannien sein eigenes Regelwerk entwickeln und Elemente der EU-Regulierung auf die eigene Situation abstimmen kann.

Letztlich sind Nachhaltigkeit, Bekämpfung des Klimawandels und das Ende der Armut globale Ziele. Um sie zu erreichen, sind weltweite Anstrengungen erforderlich, für die eine globale Angleichung von Regeln und Standards (also nicht nur zwischen Grossbritannien und der EU) von wesentlicher Bedeutung ist. Abweichungen für politische Zwecke können dazu führen, dass wir die Möglichkeit, einen globalen und liquiden Markt für nachhaltige Investitionen zu schaffen, hinausschieben oder sogar ganz verpassen.

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