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15.01.2021 11:55:01

Schroders: Ausblick für 2021: Schwellenländer

Schroders: Ausblick für 2021: Schwellenländer

Andrew Rymer
Investment-Redakteur

  • Für die Schwellenländer gibt es mit Blick auf 2021 guten Grund zu Optimismus. Die Nachrichtenlage über Impfstoffe ist ermutigend, und so herrscht Zuversicht, dass diese bis zur zweiten Jahreshälfte umfassend verteilt werden könnten. Eine breite wirtschaftliche Erholung insbesondere im Dienstleistungssektor sollte die Folge sein.
  • Laufende fiskalische und geldpolitische Anreize von Regierungen und Zentralbanken weltweit sollten eine Erholung des globalen Handels und Wachstums unterstützen. Die Schwellenländer sollten davon profitieren.
  • Es besteht allgemeiner Konsens darüber, dass der US-Dollar schwächer wird, was für Anlagewerte aus den Schwellenländern förderlich sein dürfte.

Die Auswirkungen von Covid-19 haben im vergangen Jahr die Schwellenländer schwer belastet, und die Folgen für die Menschen waren schockierend. Das Ausmass der wirtschaftlichen Folgen ist je nach Schwellenland sehr unterschiedlich. Zum Beispiel dämmten die nordasiatischen Länder China, Taiwan und Südkorea das Virus besser ein als andere Industrie- und Schwellenländer der Welt.

Diese Tatsache hat sich in der Entwicklung der Finanzmärkte im letzten Jahr niedergeschlagen. Es gibt viele Gründe für die sehr unterschiedlichen Renditen der einzelnen Schwellenländer. Dazu gehören unter anderem Faktoren wie schwächere Gesundheitssysteme, die Reaktionsgeschwindigkeit der Regierungen und die Möglichkeiten staatlicher Unterstützung. Dies verdeutlicht wieder einmal, dass Schwellenländer nicht als ein homogener Block angesehen werden sollten.

Während einige Schwellenländer noch mit der zweiten Welle zu kämpfen haben, verzeichnet die Mehrheit eine wirtschaftliche Erholung. Unsere Investoren und Ökonomen erwarten, dass sich diese Dynamik im Jahr 2021 fortsetzen wird, unterstützt durch die Entwicklung wirksamer Impfstoffe.

Volkswirtschaften der Schwellenländer

David Rees, Senior Emerging Markets Economist:

"Die Schwellenländer erholen sich weiter von den Folgen der Covid-19-Pandemie. Tatsächlich ist das BIP in vielen grossen Schwellenländern trotz schrecklicher Virusausbrüche weniger geschrumpft als ursprünglich befürchtet.

Während beispielsweise die Neuinfektionsraten in Brasilien und Indien weiterhin hoch sind, löste die Lockerung der Lockdowns Mitte des vergangenen Jahres einen Nachfrageschub aus. Und dies scheint zu einer starken Erholung der Wirtschaftstätigkeit im dritten Quartal geführt zu haben.

Nach einem geschätzten Rückgang von -1,9 % im letzten Jahr prognostizieren wir für die Schwellenländer[1] für 2021 einen Zuwachs von +6,9 %. Wir gehen davon aus, dass China mit einem Wirtschaftswachstum von rund +9 % führend sein wird.

Mit Ausnahme Chinas, wo mit einer kurzen Deflation gerechnet wird, dürfte die Inflation in den meisten Schwellenländern vorübergehend steigen, allen voran durch eine Verteuerung der Lebensmittelpreise. Wenn sich diese Entwicklung legt und sich das Wachstum auf ein normaleres Niveau einpendelt, werden die wenigsten Zentralbanken die geldpolitischen Zügel umgehend straffen wollen - insbesondere, wenn die Regierungen mit dem Aufbessern der Haushaltslage beginnen.

Schwellenländeraktien

Tom Wilson, Leiter Emerging Market Equities:

Die Fortschritte bei der Entwicklung von Impfstoffen mit hoher Wirksamkeit sind vielversprechend. Diese sollten zu einer Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaftstätigkeit ab der zweiten Hälfte des Jahres 2021 und bis 2022 hinein führen und folglich eine Erholung der Unternehmensgewinne ermöglichen. Die Verteilung der Impfstoffe hat bereits begonnen, wenngleich dies einige Zeit in Anspruch nehmen wird und in einigen Schwellenländern problematisch sein kann.

In der Zwischenzeit hat ein erneuter Anstieg der Infektionszahlen im vierten Quartal zu einer erneuten Abkühlung der globalen Konjunktur geführt. Die weiteren fiskalischen Stimuli in den USA haben sich verzögert, und es besteht die Möglichkeit, dass diese erst nach der Amtseinführung des US-Präsidenten am 20. Januar erlassen werden. Infolgedessen dürfte das globale Wachstum im ersten Halbjahr 2021 etwas schwach bleiben. Ausgeglichen wurde diese Entwicklung teilweise durch eine Wiederaufstockung der Lagerbestände der Unternehmen, die bis ins erste Quartal andauern sollte. Dies hat die Industrieproduktion und den Handel in den Schwellenländern angekurbelt. Zugleich dürfte die anhaltende Erholung der Rohstoffpreise den rohstoffexportierenden Schwellenländern zugute kommen.

Das Ergebnis der US-Wahlen ist für die Schwellenländer relevant. Während am 5. Januar im Bundesstaat Georgia Stichwahlen stattfinden, gehen wir davon aus, dass die Demokraten den Senat nicht kontrollieren werden. Eine Biden-Regierung und ein geteilter Kongress bedeuten wahrscheinlich, dass das Steuerpaket kleiner ausfallen wird, als es bei einem Sieg auf ganzer Linie für die Demokraten gewesen wäre. Trotzdem dürften die Finanzbedingungen kurzfristig sehr locker bleiben.

Wenn sich auch sonst nicht viel ändert, bedeutet eine Biden-Regierung wahrscheinlich ein grösseres Haushaltsdefizit in den USA und einen schwächeren US-Dollar, insbesondere angesichts der Tatsache, dass der US-Dollar recht hoch bewertet erscheint und sich die Zinsdifferenz zum Rest der Welt verringert hat. Wenn sich der US-Dollar weiter abschwächt und die Weltwirtschaft wieder in Schwung kommt, sollten die Aktien aus Schwellenländern besser abschneiden als die der Industrieländer, wie die folgende Grafik zeigt.

Die Spannungen zwischen den USA und China dürften weiter anhalten. Sowohl Republikaner als auch Demokraten betrachten China als zunehmende Bedrohung für die eigene Stellung. Es wird jedoch erwartet, dass die Biden-Regierung einen methodischeren, multilateralen Ansatz für den Umgang mit China verfolgt.

Die Performance der Märkte, Währungen, Sektoren und Stilfaktoren war im Jahr 2020 sehr breit gestreut. Länder mit einer höheren wirtschaftlichen Anfälligkeit gegenüber Covid-19 zeigten eine Underperformance, ebenso wie wirtschaftlich sensible/zyklische Sektoren. Der Impfstofferfolg und der Ausgang der Wahlen in den USA haben zu einer bedeutenden Veränderung der führenden Märkte unter den Schwellenländern geführt. So hat sich das Prognoserisiko vor allem für zyklischere Aktien verringert und immer mehr Unternehmen revidieren ihre Gewinnerwartungen nach oben. Das Prognoserisiko ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Prognosen ungenau sind, was normalerweise in sehr unsicheren Zeiten zunimmt, wie wir sie in diesem Jahr gesehen haben.

Und die Zuflüsse von Anlegern in Aktien aus Schwellenländern sind zurückgekehrt. Die starke Unterbewertung vieler zyklischer Titel wurde inzwischen korrigiert, aber ihre Bewertungen bleiben angemessen und wir erwarten weitere positive Gewinnrevisionen. Wir erwarten auch, dass die Renditen in bestimmten Märkten durch die Erholung der Währungen von ihren niedrigen Niveaus ausgehend gesteigert werden.

Zu den Risiken gehört eine Wende beim chinesischen Kreditimpuls - dies ist die zwölfmonatige Änderung der Neukreditvergabe in Prozent des BIP -, die ein Frühindikator für eine Änderung der Wirtschaftstätigkeit sein kann. Und weiter in der Zukunft liegend, gehört dazu auch ein Rückzug der finanziellen Anreize durch die Zentralbanken, wenn sich das Wachstum erholt. Wir müssen auch die längerfristigen Folgen einer Verschlechterung der Staatsanleihenkennzahlen in bestimmten Schwellenländern berücksichtigen.

Längerfristig erwarten wir ein anhaltend geringes globales Wirtschaftswachstum, ausreichende Unterstützung durch die wichtigsten Zentralbanken, ein Nullzinsumfeld und eine Welt mit niedrigen Renditen. Dies deutet darauf hin, dass Wachstumstitel mit wenig kapitalintensiven Geschäftsmodellen weiterhin in der Gunst der Anleger stehen dürften. Die Einschränkung hierbei ist, dass wir, wenn sich der Anreiz von einer hauptsächlich monetären Ausrichtung zu einer anhaltenden fiskalischen Monetarisierung - also dem Gelddrucken - entwickelt, ein anhaltend lockereres fiskalisches und reflationäreres Umfeld sehen könnten.

Schwellenländeranleihen

James Barrineau, Head of Global EMD Strategy

Wir sind der Meinung, dass die Chancen gut stehen, dass der US-Dollar in den kommenden Quartalen schwächer wird. Ein früherer Abschwächungszyklus war Anfang der 2000er Jahre mit einem starken Anstieg des US-Leistungsbilanzdefizits verbunden. Dies ist das Szenario, in dem der Wert importierter Waren und Dienstleistungen den Wert exportierter Waren und Dienstleistungen übersteigt.

Und in den USA scheinen die Weichen für einen Anstieg sowohl des Leistungsbilanz- als auch des Haushaltsdefizits gestellt zu sein. Wenn dies so eintritt, sollte dies den Anlagewerten der Schwellenländer im Allgemeinen, insbesondere aber den Anleihen in lokaler Währung helfen. Wie die folgende Grafik zeigt, erzielten Anleihen in lokaler Währung, gemessen am JP Morgan GBI-EM Index, im schwachen Dollarumfeld von 2003 bis 2007 besonders starke Renditen.

Wir schätzen, dass Währungen der Schwellenländer im Allgemeinen unterbewertet sind. Dies gilt weniger für asiatische Länder als vielmehr für die Region Lateinamerika. Die lokalen Zinssätze sind gesunken und befinden sich auf historischen Tiefstständen. Trotzdem bieten sie gegenüber den Industrieländern im historischen Vergleich immer noch einen Mehrwert.

Die Schwankungen der Inflation sind in den Schwellenländern dauerhaft zurückgegangen. Infolgedessen erwarten wir, dass die Zinssätze auf diesem Niveau stabil bleiben und die Zentralbanken sich im Allgemeinen abwartend verhalten werden, wenn das Wirtschaftswachstum im Jahr 2021 anzieht.

Bei auf US-Dollar lautenden Schwellenländeranleihen beträgt der Unterschied in der Rendite (Spread) zwischen hochqualitativen Anleihen/Investment-Grade-Anleihen und den entsprechenden Renditen für US-Staatsanleihen lediglich 14 % gegenüber dem Stand vor der Pandemie. Hier hatten die Regierungen Raum, um ihre Haushaltsdefizite zu erhöhen, ohne ihre Kreditwürdigkeit ernsthaft zu beeinträchtigen. Und die Spreads im Vergleich zu US-amerikanischen Titeln mit ähnlichem Rating sind attraktiv genug, um Anleger anzuziehen, die nicht gezwungen sind, in Staatsanleihen aus Schwellenländern zu investieren. Während die Renditen im Vergleich zu Schwellenländeranleihen in Lokalwährung oder zu Hochzinsanleihen in Lokalwährung aus Schwellenländern möglicherweise nicht überzeugend sind, dürften sie bei globalen festverzinslichen Alternativen gut abschneiden.

Im Bereich der hochverzinslichen Schwellenländeranleihen sind die Spreads noch deutlich über dem Niveau vor der Pandemie. Da die Belastungen einer Phase mit geringerem Wachstum und höheren Ausgaben die Bonitätsstabilität von Staaten und Unternehmen beeinträchtigen werden, sehen wir keine Spreadverengung hin zu deutlich niedrigeren Niveaus. Renditen im Bereich von 6 % bis 8 % bei vielen Unternehmensanleihen sollten jedoch attraktiv sein. Jegliche positive Überraschung in Bezug auf das globale Wachstum würde uns zu der Annahme führen, dass ein Rückgang der Spreads in diesem Bereich gerechtfertigt wäre.

[1] Zu den Schwellenländern zählen Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko, Peru, China, Indien, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Südkorea, Taiwan, Thailand, Südafrika, Russland, Tschechische Republik, Ungarn, Polen, Rumänien, Türkei, Ukraine, Bulgarien, Kroatien, Lettland und Litauen.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

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Bildquelle: Schroders

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