23.04.2019 08:35:45

Ifo: Bürgerfonds könnte Versorgungslücke bei Geringverdienern senken

FRANKFURT (Dow Jones)--Der deutsche Staat sollte seine hervorragende Bonität nach Aussage des Ifo-Instituts dazu nutzen, die Rentenversorgungslücke bei Geringverdienern zu schliessen. In einer aktuellen Studie schlagen die Wissenschaftler die Gründung eines Deutschen Bürgerfonds vor, der günstige Kredite aufnehmen und an den Finanzmärkten anlegen soll.

"Legte der Bund ab heute 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Jahr für alle Erwerbsfähigen an, finanziert durch langsameren Staatsschuldenabbau, ergäbe sich nach 50 Jahren bei einer durchschnittlichen Renditedifferenz von 2 Prozentpunkten ein Ertrag von gut 16.000 Euro pro Kopf, der mit dem Erreichen von 67 Jahren ausgezahlt werden könnte", kalkuliert das Ifo-Institut.

Wegen des seit Jahren niedrigen Zinsniveaus fällt es vielen Menschen heute schwer, privates Vermögen aufzubauen. Gleichzeitig werden bei vielen von ihnen die Leistungen der umlagefinanzierten Rentenversicherung kaum ausreichen, um eine gute Versorgung im Alter zu sichern. "Hier könnte das Instrument eines ‚Deutschen Bürgerfonds' einspringen", sagt Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts und einer der Autoren der Studie.

Da die Bürger selbst keine zusätzlichen Einzahlungen aus ihrem Einkommen leisten müssten, um das Vermögen aufzubauen, wäre der Deutsche Bürgerfonds vor allem für Menschen interessant, die wenig verdienen.

Die deutschen Staatsschulden haben mittlerweile die europäische Verschuldungsgrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts unterschritten. Für die Dauer hoher Renditedifferenzen zwischen Bundesanleihen und anderen Kapitalmarktanlagen könnte der Bund im Rahmen der geltenden Verschuldungsregeln Schulden aufnehmen bzw. den Schuldenabbau verlangsamen, um die Mittel international breit diversifiziert anzulegen.

Dabei würde der Umstand genutzt, dass für Aktien und Immobilien weiterhin ansehnliche Renditen erzielbar sind, wenngleich aufgrund von Kurs- und Wertschwankungen nicht in jedem Jahr.

Der Fonds erreicht laut Ifo-Institut nach 50 Jahren seinen Reifezustand mit dem ersten Altersjahrgang, für den im gesamten Erwerbsalter Erträge im Fonds angesammelt worden sind. Die Kapitalleistung beträgt in diesem Fall pro Kopf im Alter von 67 Jahren gut 16.000 Euro (in Preisen von 2020). Bei einer durchschnittlichen Renditedifferenz von 3 Prozentpunkten würde die Kapitalleistung sogar auf etwa 30.000 Euro steigen. In den rentennäheren Jahrgängen fallen die Auszahlungen geringer aus.

Die Verwaltung des Bürgerfonds sollte laut Ifo dem politischen Tagesgeschäft entzogen sein und beispielsweise durch die Bundesbank erfolgen.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/smh

(END) Dow Jones Newswires

April 23, 2019 02:36 ET (06:36 GMT)

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