| Solide im Vergleich |
08.07.2026 21:16:00
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Rückblick 1. Halbjahr 2026: Rekord trotz Iran-Beben und Tech-Achterbahn
Im 1. Halbjahr konnte die Schweizer Börse einen beachtlichen Wertzuwachs erzielen. Die Marktkapitalisierung aller an der Schweizer Börse kotierten Aktien legte in den ersten sechs Monaten um 170 Mrd. Fr. zu.
Zunächst der geopolitische Faktor. Ende Februar griffen die USA und Israel den Iran an, dieser schlug zurück, und die Sorgen um den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus belasten die Märkte bis heute. Der SMI, der kurz zuvor bei rund 14'000 Punkten ein Rekordhoch markiert hatte, fiel nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs auf fast 12'300 Punkte, ehe er sich Ende Juni erstmals wieder über 14'000 Punkte vorarbeitete und damit den Einbruch vollständig wettmachte.
Beruhigt hat sich die Lage deswegen aber nicht: Nach einer erneuten militärischen Eskalation in der Strasse von Hormus reisten zwar US-Vertreter nach Doha, zu Gesprächen mit hochrangigen iranischen Vertretern kam es aber nicht, und der Streit um die Öffnung der Meerenge geht weiter. Wer den Leitmarkt eins zu eins abbilden wollte, machte diese Berg- und Talfahrt etwa mit dem iShares SMI (CH) mit, dem Klassiker unter den Blue-Chip-ETFs: physisch repliziert und ausschüttend, mit einer TER bei 0.35 Prozent und einem Fondsvolumen von 2'587 Mio. Fr. Volumen. Nach Absturz und Erholung steht für ihn im ersten Halbjahr ein Plus von 8.7 Prozent.
Noch ausgeprägter war die Nervosität im Technologiesektor, der gleich mehrere Verkaufs- und Comeback-Schübe durchlief. Bereits im Februar hatten Sorgen, die Künstliche Intelligenz könnte klassische Softwaregeschäftsmodelle entwerten, für kräftige Abgaben gesorgt. Danach lief die Halbleiterrally heiss, der breit beachtete VanEck-Semiconductor-ETF legte in den ersten sechs Monaten um 72 Prozent zu, die stärkste erste Jahreshälfte seit seiner Auflegung im Jahr 2000.
Genau diese Überhitzung entlud sich Anfang Juni: Am 5. Juni brach der Nasdaq Composite um rund 4 Prozent ein, der stärkste Tagesverlust seit April 2025, angeführt von den Chipwerten. In einer einzigen Sitzung wurden im Halbleitersektor rund 1.4 Bio. Dollar an Börsenwert vernichtet. Doch die Erholung kam prompt. Ende Juni folgte die nächste Drehung, der Nasdaq verzeichnete fünf Verlusttage in Folge und gab in der Woche 4.6 Prozent ab, belastet auch von Berichten über eine mögliche Verschiebung des OpenAI-Börsengangs. Zum Halbjahresende schliesslich kehrte die Nachfrage nach Technologietiteln zurück, weil Anleger den IT-Sektor wieder als eine der wenigen Branchen mit starkem und verlässlichem Gewinnwachstum einstuften.
Diese globale Achterbahn strahlte direkt auf die Schweiz aus, wenngleich abgefedert. Das eigentliche Zugpferd im SMI war der Industriekonzern ABB, der mit einem Plus von 47 Prozent von der Fokussierung auf margenstarke Kernbereiche und vom Rückenwind des KI-Booms profitierte, während Novartis um 16 Prozent, Nestlé und Roche um jeweils 6 Prozent zulegten. Und auch Kühne+Nagel sowie Swisscom überraschten mit 15 bzw. 9 Prozent. Noch kräftiger liefen die Zulieferer der Chipindustrie: Vom KI-Boom profitierten die Halbleiterzulieferer Comet mit 77 Prozent sowie Inficon und VAT mit je 81 Prozent. Genau dieses Segment steckt in dem oben beschriebenen Chipzyklus, weshalb das globale Hin und Her am Schweizer Markt vor allem in der zweiten Reihe sichtbar wurde.
Die Mid Caps hinkten dem Gesamtmarkt allerdings hinterher, der SMIM Index konnte im ersten Halbjahr nur ein Plus von 4.4 Prozent verzeichnen. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Denn auf ETF-Ebene sah es aufgrund angepasster Gewichtungen schon etwas besser aus. So konnte der UBS ETF (CH) SMIM im Halbjahr rund 8.4 Prozent zulegen.
Anders als an der Wall Street, wo einige wenige Technologiewerte die Kurse trugen, ruht der Schweizer Aufschwung auf einem breiten Fundament. Wer diese Breite abbilden wollte, war mit dem UBS Core SPI ETF CHF dis am umfassendsten dabei: Er deckt über ein optimiertes Sampling den gesamten Markt ab, ist mit 0.09 Prozent das günstigste Produkt und schloss das Halbjahr mit 9.3 Prozent Gewinn ab. Etwas fokussierter geht es beim Xtrackers SLI UCITS ETF 1D zu, der die 30 grössten Titel enthält, die Schwergewichte aber kappt und so weniger kopflastig ist als der SMI. Sein Ergebnis: Plus 9.4 Prozent im Halbjahr bei einer TER von 0.25 Prozent.
Am stärksten unter den breiten Produkten schnitt der Xtrackers Swiss Large Cap UCITS ETF 1D ab, der die 20 grössten Werte über den Solactive Swiss Large Cap Index abbildet: Plus 10.4 Prozent im Halbjahr. Fast gleichauf lag der Amundi MSCI Switzerland UCITS ETF CHF mit 10.4 Prozent.
Wer dagegen auf Ausschüttungen setzte, blieb im ersten Halbjahr spürbar zurück. Der iShares Swiss Dividend (CH) bündelt die 20 dividendenstärksten Schweizer Titel und ist mit 7'787 Mio. Fr. der grösste Fonds dieser Auswahl. Weil das Halbjahr stark von den Kursgewinnen der Wachstumswerte lebte und die Dividendenabgänge der Versicherer im April und Mai optisch bremsten, fiel seine Performance mit 6.7 Prozent verhaltener aus.
Fazit: Im europäischen Vergleich steht die Schweiz solide da, wenn auch nicht an der Spitze. Bemerkenswert ist die Bandbreite innerhalb des Heimatmarktes: Wer über breite Large-Cap- oder SPI-Produkte investiert war, sitzt auf Halbjahresgewinnen um zehn Prozent, während Mid-Cap- und Dividendenstrategien mit rund sechs bis acht Prozent etwas zurückblieben. Für die zweite Jahreshälfte bleiben die Nahost-Lage und die Frage, ob sich die Achterbahnfahrt rund um das KI-Thema fortsetzt, die beiden dominierenden Unbekannten. Solange der Waffenstillstand hält und der KI-Trend seine Substanz behält, spricht die ungewöhnliche Breite der Schweizer Rally aber dafür, dass der Aufwärtstrend nicht abrupt endet.
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