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Nahost-Konflikt 22.07.2026 03:23:00

Ölschock 2.0. Wo Schwellenländer jetzt noch tragen

Ölschock 2.0. Wo Schwellenländer jetzt noch tragen

Am Wochenende hat sich der Krieg zwischen den USA und Iran erneut verschärft. Teheran hat das Interimsabkommen aufgekündigt, die Revolutionsgarden kontrollieren die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus wieder aktiv.

Brent stieg auf knapp 88 Dollar und verzeichnete damit den stärksten Wochengewinn seit April. Der Unterschied zum ersten Schock im März: Damals federten Notfallreserven und Chinas Importzurückhaltung die Lücke ab. Diese Puffer sind aufgebraucht, die globalen Lager liegen ohne China gerechnet laut JPMorgan auf einem Rekordtief.

Für Schwellenländer gilt nun zu unterscheiden: Nettoenergieimporteure mit dünnen fiskalischen Reserven zahlen den Preis über Inflation, Währungsschwäche und steigende Zinsen. Kolumbien, Südafrika, Indonesien, die Philippinen und Sri Lanka haben bereits erhöht, andere haben geplante Senkungen verschoben. Rohstoffexporteure kassieren dagegen ab. Hinzu kommt eine zweite Welle: Nahrungsmittel machen in vielen dieser Länder rund 30 Prozent des Warenkorbs aus, und die Düngerkosten sickern mit Verzögerung durch, verstärkt durch die diesmal aussergewöhnlich starke El-Niño-Wetterkonstellation im Pazifik.

S&P Global Ratings erwartete Ende Juni noch 4.2 Prozent Wachstum für die Schwellenländer ohne China nach 4.9 Prozent im Vorjahr. Diese Prognose ruhte auf einer schrittweisen Normalisierung und steht seit dem Wochenende in Frage. Wer Schwellenländer als Block kauft, mischt Gewinner und Verlierer in einem Topf. Das es fokussierter und mit eigenen Stories geht, zeigten die folgenden 3 ETFs:

Der iShares MSCI Brazil UCITS ETF (DE) USD (Acc) steht auf der richtigen Seite dieser Gleichung. Brasilien exportiert Rohstoffe und wurde durch die Senkung des US-Basiszolls auf 10 Prozent zusätzlich entlastet. Diese Doppelwirkung schlägt direkt ins Portfolio durch, denn Energie und Grundstoffe machen gut ein Drittel der 47 Titel aus, während Vale, Nu Holdings und Itaú Unibanco zusammen über 30 Prozent des Fonds auf sich vereinen. Auf Jahressicht steht ein Plus von 39.6 Prozent in Fr., seit Jahresbeginn sind es 16.8 Prozent. Der Fonds verwaltet 3'793 Mio. Fr., kostet 0.31 Prozent im Jahr. Er thesauriert die Erträge.

Einen ganz anderen Schwerpunkt hat der UBS MSCI Singapore UCITS ETF SGD dis. Singapur ist selbst Nettoenergieimporteur, verfügt aber über stabile Institutionen, eine starke Währung und die Rolle als Handelsdrehscheibe und Finanzplatz Asiens. Genau diese Eigenschaften scheinen derzeit gefragt zu sein: Allein in den vergangenen drei Monaten, also mitten in der Eskalationsphase, legte der Fonds 18.6 Prozent zu, auf Jahressicht sind es 29.7 Prozent. Zwei Einschränkungen gehören dazu. Mit 16 Titeln und knapp 60 Prozent Finanzsektor ist der Fonds stark konzentriert, DBS allein wiegt 28.8 Prozent. Mit 40 Mio. Fr. Volumen handelt es sich um ein kleines Vehikel. Die Gesamtkostenquote beträgt 0.45 Prozent, ausgeschüttet wird halbjährlich, aktuell liegt die Ausschüttungsrendite bei rund 3.2 Prozent.

Breiter aufgestellt und weniger von einzelnen Ländern abhängig ist der State Street SPDR S&P Emerging Markets Dividend Aristocrats UCITS ETF USD. In den Index kommt nur, wer seine Dividende mindestens fünf Jahre in Folge gehalten oder erhöht hat. In einem Umfeld steigender Finanzierungskosten wirkt dieses Kriterium wie ein Qualitätsfilter, denn wer die Ausschüttung über einen ganzen Zyklus verteidigt, hat in der Regel die stabileren Cashflows. Die 50 Positionen verteilen sich breit, keine wiegt mehr als 5.7 Prozent, und mit Saudi-Arabien als drittgrösstem Länderanteil sowie Adnoc aus Abu Dhabi im Portfolio steht ein Teil des Fonds ebenfalls auf der Exporteur-Seite. Seit Jahresbeginn hat er 8.5 Prozent zugelegt, hinzu kommt eine Ausschüttungsrendite von aktuell 3.7 Prozent. Das Volumen beträgt 143 Mio. Fr., die Kosten liegen bei 0.55 Prozent.

Fazit: Die erneute Nahost-Eskalation trifft auf leere Lager, das ist der Unterschied zum März. Brasilien profitiert direkt, Singapur über Qualität, der Dividendenansatz über Streuung.

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