Zurück geht es hier Grüezi! Sie wurden auf finanzen.ch, unser Portal für Schweizer Anleger, weitergeleitet.  Zurück geht es hier.
ETF-Experten-Kolumne 19.06.2026 09:00:00

findependent-Kolumne: Das unterschätzte Erfolgsrezept an der Börse: Einfachheit

Kolumne

Verfolgt man die Berichterstattung über die Finanzmärkte, gewinnt man schnell den Eindruck, erfolgreiches Anlegen sei ein hochdynamischer Vollzeitjob. Nur mit täglichen Marktanalysen, geopolitischen Lagebeurteilungen und der Jagd nach dem nächsten Trend scheint es möglich, solide Renditen zu erzielen.

Die Realität ist das genaue Gegenteil: Die langfristig erfolgreichste Anlagestrategie ist verblüffend simpel, passiv und für viele wahrscheinlich genau deshalb psychologisch so schwer umsetzbar: Weil sie schlichtweg langweilig ist.

In vielen Lebensbereichen führt mehr Aktivität und härtere Arbeit zu besseren Ergebnissen. An den globalen Kapitalmärkten gilt dieses Gesetz jedoch nicht. Die renommierte SPIVA-Scorecard von S&P Global belegt, dass sich Market Timing und Stock Picking meist renditemindernd auswirken. Der Bericht untersucht die Wertentwicklung aktiv gemanagter Fonds im Vergleich zu ihren trägen, passiven Vergleichsindizes. Das ernüchternde Ergebnis: Auf Sicht von 10 Jahren schneiden mehr als 90% der in Europa aufgelegten Aktienfonds schlechter ab als ihre Benchmarks. Dabei scheint dies kein anlageklassen-spezifisches Phänomen zu sein, auch im Obligationenbereich ist der Anteil von Fonds mit Underperformance mit 70-90% ähnlich schwach. (Quelle: "SPIVA Europe Year-End 2025 Scorecard")

Wenn es also selbst Institutionellen mit Millionenbudget und Echtzeitdaten kaum gelingt, den Markt durch komplexe Strategien zu schlagen, ist dieser Ansatz für Privatanleger erst recht mit bescheidenen Erfolgsaussichten versehen.

Das wissenschaftliche Fundament des "langweiligen" Anlegens

Die moderne Finanzökonomie liefert die logische Begründung, warum ein passiver Ansatz langfristig überlegen ist. Dieser stützt sich auf drei fundamentale Prinzipien (Quelle: Brinson, Hood, Beebower, 1986):

1. Die Vermögensallokation als Haupttreiber: 94% der Renditen (und des Risikos) werden durch die Aufteilung der Anlageklassen bestimmt.
2. Diversifikation statt Einzelwetten: Der Markt vergütet das Risiko von Einzelaktien (unsystematisches Risiko) nicht mit einer höheren Rendite. Stock Picking erklärt statistisch gerade einmal rund 4% der Rendite, spielt für den langfristigen Gesamterfolg daher eine völlig untergeordnete Rolle.
3. Time in the market statt Market Timing: Market Timing erklärt weniger als 2% der Renditen. Wer stattdessen diszipliniert und langfristig investiert bleibt, profitiert verlässlich vom Zinseszinseffekt und entfernt seine menschlichen Emotionen (Panikverkäufe im Tief, euphorische Käufe im Hoch) effektiv aus dem Investment-ABC.

Realitätscheck: Disziplin schlägt Komplexität

Erfolgreiche Vermögensanlage benötigt somit kein vermeintliches Expertenwissen über kurzfristige Chartformationen und keine schlaflosen Nächte vor dem Börsenticker. Sie erfordert vielmehr die rationale Einsicht, die uns die Finanzforschung schwarz auf weiss vorgibt.

Gute Geldanlage ist kein ununterbrochenes Entertainment, sondern ein regelbasierter, mathematischer Prozess. Je unspektakulärer das Fundament aufgesetzt ist, desto solider wächst das Vermögen langfristig im Hintergrund.

Fazit: Der Core-Satellite-Ansatz als Kompromiss

Das sagt natürlich noch nichts über den Spassfaktor aus. Es ist völlig legitim, dass die Beschäftigung mit Einzelaktien, Trends oder Krypto-Assets Freude bereiten und intellektuell stimulierend sein kann. Wer diesen "Spieltrieb" an der Börse ausleben möchte, muss das auch nicht komplett unterdrücken, solange man die Erkenntnisse der Portfoliotheorie nicht ignoriert und das Risiko rational kontrolliert.

In der Praxis bedeutet dieser Kompromiss: Das breite, wissenschaftlich fundierte Fundament des Vermögens (der "Core") besteht aus einem simplen, passiven ETF-Portfolio, das stur durchgezogen wird. Nur mit einem kleinen, klar definierten Teil (bspw. 10%), den "Satelliten", wird aktiv spekuliert. Schlagen die Satelliten fehl, ist das für den langfristigen Vermögensaufbau verkraftbar; geht eine Wette auf, nimmt man die Zusatzrendite gerne mit.

Machen wir es uns also nicht unnötig schwer: Wer die Kernsubstanz seines Vermögens einfach, regelbasiert und passiv hält, gewinnt am Ende nicht nur die entscheidenden Prozentpunkte Rendite, sondern auch jede Menge Gelassenheit.

Zum Autor

Matthias Bryner ist CEO und Gründer von findependent, der Schweizer Investment App und Robo Advisor der Jahres 2024 und 2025.

Er hat an der Universität Zürich den Bachelor und an der Universität St. Gallen (HSG) den Master in Banking & Finance gemacht.

Matthias Bryner, Gründer und CEO des digitalen Vermögensverwalters findependent sowie Autor des vierteljährlich erscheinenden findependent Marktberichts.

KI-Boom, Kupfer & Uran – Welche Rohstoffe profitieren wirklich?

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Technologiebranche, sondern sorgt auch für eine völlig neue Dynamik an den Rohstoffmärkten. In diesem Interview spricht Rohstoffexperte Professor Dr. Torsten Dennin über die Metalle hinter dem KI-Boom, warum Kupfer, Uran und Silber strategisch immer wichtiger werden und welche Chancen sich daraus für Anleger ergeben. ⚡

Der Ausbau von künstlicher Intelligenz, Rechenzentren und Elektrifizierung sorgt für einen stark steigenden Rohstoffbedarf. Im Gespräch geht es darum, welche Märkte tatsächlich profitieren, wo strukturelle Knappheit droht und welche Risiken Anleger beachten sollten.

Kupfer als zentraler Rohstoff für Elektrifizierung und KI-Infrastruktur
Strukturelle Angebotslücken bei Kupfer
Silber zwischen Industriemetall und Investment
Einfluss von Realzinsen auf Gold und Silber
Uran als Energiequelle für Rechenzentren
Chancen und Grenzen von Erdgas als Übergangstechnologie
Gallium, Germanium und seltene Erden
Versorgungssicherheit und Abhängigkeit von China
Investitionen über Minen- und Rohstoffaktien
Öl als mögliches geopolitisches Überraschungsrisiko
Gold als strategischer Sicherheitsbaustein

KI-Boom, Kupfer & Uran – Welche Rohstoffe profitieren wirklich?

ETF-Finder