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ETF des Monats 04.09.2026 14:00:00

ETF des Monats September 2026: Wenn Qualität wieder zählt

ETF des Monats September 2026: Wenn Qualität wieder zählt

Im Juli gerieten Momentum- und KI-Werte ins Wanken, während Qualitätsaktien mit stabilen Gewinnen und robusten Bilanzen seitdem erstmals seit Jahren wieder deutlicher gefragt sind.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nur 25 Unternehmen schaffen es in dieses Portfolio, ausgewählt aus einem Anlageuniversum von 50'000 Aktien weltweit.
  • Im Juni tauschte der Index gleich zwei Schwergewichte aus und ein Titel flog nach nur einem Quartal bereits wieder heraus.
  • Trotz einer Erholung im Juli notieren die im ETF bevorzugten Qualitätsaktien weiterhin nahe ihrer historischen Bewertungstiefs gegenüber dem breiten Markt.

Ein konzentrierter Zugang zu «wunderbaren Firmen»

Der Frankfurter UCITS-ETF - Modern Value mit der ISIN LU2439874319 bildet den Frankfurter Modern Value Index ab, einen von der Shareholder Value Management AG entwickelten und von Solactive berechneten Index aus 25 gleichgewichteten Aktien weltweit. Aufgelegt wurde der Fonds am 30.06.2022, er bildet den Index durch vollständige physische Replikation ab und ist thesaurierend, reinvestiert Erträge also automatisch. Mit einem Fondsvolumen von 73 Millionen Euro zählt er zu den kleineren Vertretern seiner Kategorie, bei den laufenden Kosten liegt er mit 0.53 Prozent pro Jahr über dem Niveau eines passiven Standardindex, was angesichts des aktiven, forschungsbasierten Auswahlprozesses hinter dem Index nachvollziehbar ist.

Die Modern-Value-Philosophie

Der Investor Warren Buffett brachte das Prinzip hinter diesem ETF einst auf den Punkt. Ein herausragendes Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen, sei einem durchschnittlichen Unternehmen zu einem vermeintlichen Schnäppchenpreis klar vorzuziehen. Genau danach sucht der Frankfurter Modern Value Index. Als «wunderbare Firmen» gelten dabei Unternehmen mit einer positiven Wachstumsdynamik, überdurchschnittlichen Kapitalrenditen und der Möglichkeit, Gewinne über viele Jahre intern zu reinvestieren. Entscheidend ist zudem ein struktureller Wettbewerbsvorteil, ein sogenannter wirtschaftlicher Burggraben, der die Kapitalrenditen über mindestens zehn Jahre vor Verwässerung schützen soll, kombiniert mit einer moderaten Verschuldung und einer Unternehmenskultur mit möglichst geringen Interessenskonflikten zwischen Aktionären und Management, idealerweise in familien- oder eigentümergeführten Gesellschaften. Anders als der hauseigene, aktiv gesteuerte Flaggschifffonds der Gesellschaft, der die Aktienquote je nach Marktlage variiert, bleibt dieser ETF nach eigener Kennzeichnung durchgehend voll investiert und setzt die Modern-Value-Philosophie ausschliesslich über die Aktienauswahl und ein regelbasiertes, quartalsweises Rebalancing um.

Von 50'000 auf 25 Aktien

Aus einem weltweiten Anlageuniversum von etwa 50'000 Aktien werden hierfür zunächst Länder ausserhalb Europas und Nordamerikas sowie Unternehmen aus kontroversen Geschäftsfeldern wie Rüstung, Tabak, Glücksspiel oder Kohle sowie mit Verstössen gegen Menschen- und Arbeitsrechte herausgefiltert, übrig bleiben ungefähr 9'000 Aktien. Ein Liquiditätsfilter mit einem täglichen Handelsvolumen von mehr als 2.5 Millionen Euro reduziert das Feld auf rund 2'500 Titel, aus denen das Analystenteam der Shareholder Value Management AG eine Beobachtungsliste von 100 Unternehmen führt. Alle drei Monate werden daraus die 25 Aktien mit dem höchsten erwarteten Fünfjahres-Shareholder-Return ausgewählt und zu je 4 Prozent gleichgewichtet in den Index aufgenommen.

Die drei grössten Positionen und ihre beeindruckenden Burggräben

Bei einem genaueren Blick auf die drei grössten Einzelpositionen zeigt sich das namensgebende Qualitätskriterium des Index besonders deutlich: der wirtschaftliche Burggraben. Gemeint ist damit ein struktureller Wettbewerbsvorteil, der es einem Unternehmen ermöglicht, seine überdurchschnittlichen Kapitalrenditen über viele Jahre gegen Konkurrenz zu verteidigen. Adobe, mit 4.61 Prozent die grösste Position, hat sich diesen Burggraben über Jahrzehnte durch seine Kreativsoftware wie Photoshop, Illustrator und Premiere aufgebaut. Wechselkosten für Kunden sind enorm, ganze Berufsgruppen sind auf Adobe-Programme geschult, Dateiformate wie PSD haben sich als Branchenstandard etabliert und wer mit Agenturen oder anderen Kreativprofis zusammenarbeitet, kommt an den Adobe-Formaten kaum vorbei. Die Umstellung auf das Abonnementmodell Creative Cloud hat diese Kundenbindung zusätzlich in wiederkehrende Einnahmen verwandelt und mit der KI-Funktion Firefly integriert Adobe generative Bildbearbeitung direkt in bestehende Arbeitsabläufe, statt Kunden zu einem Wechsel zu externen KI-Tools zu bewegen. Microsoft, mit 4.54 Prozent die zweitgrösste Position, verdankt seinen Burggraben der tiefen Verankerung von Windows und Office in der Unternehmens-IT. Jahrzehntelange Investitionen von Firmen in Schulungen, unternehmensweite Systemintegration über Active Directory und die Etablierung von Word- und Excel-Dateiformaten als geschäftlicher Standard erzeugen enorme Wechselkosten, ein Wechsel des gesamten IT-Ökosystems ist für die meisten Unternehmen kaum praktikabel. Hinzu kommen Skalenvorteile in der Cloud-Sparte Azure, wo die schiere Grösse und bestehende Kundenbeziehungen es neuen Anbietern erschweren, aufzuholen. IONOS, mit 4.42 Prozent die drittgrösste Position, ist Europas grösster Hosting-Anbieter mit mehreren Millionen Kundenverträgen und Domains. Der Burggraben entsteht hier vor allem über die Kundenseite, einmal eingerichtete Websites, Domains und Geschäfts-E-Mail-Adressen werden von kleinen und mittelständischen Unternehmen nur selten zu einem anderen Anbieter migriert, weil ein Wechsel technisch aufwändig und riskant ist. Hinzu kommen Skalenvorteile durch eigene Rechenzentren sowie zuletzt Rückenwind durch die Positionierung als europäische, datenschutzkonforme Alternative zu US-amerikanischen Cloud-Anbietern.

Länder- und Branchenverteilung

Auf den Plätzen vier und fünf folgen mit Storebrand (4.38 Prozent) und der Münchener Rück (4.25 Prozent) zwei Versicherungswerte, die im Index ebenfalls für stabile Kapitalrenditen und eine starke Marktstellung in ihrem jeweiligen Heimatmarkt stehen. Bei der Länderverteilung führt Deutschland mit 29.3 Prozent, gefolgt von den USA mit 19.7 Prozent, Grossbritannien mit 12.2 Prozent, Frankreich mit 11.5 Prozent und den Niederlanden mit 8.1 Prozent. Und auf Branchenebene liegt der Versicherungssektor mit 21.0 Prozent vorn, vor Software mit 17.8 Prozent, Biotechnologie und Pharma mit 15.2 Prozent, Chemikalien mit 8,0 Prozent sowie Internetmedien und -diensten mit 7.5 Prozent.

Diszipliniertes Rebalancing statt Bauchgefühl

Wie konsequent das System arbeitet, zeigte zuletzt das Rebalancing im Juni 2026. Neu in den Index aufgenommen wurden die Deutsche Börse und Alphabet. Bei der Deutschen Börse überzeugte das Analystenteam vor allem das margenstabile Infrastrukturgeschäft mit Börsenhandel, dem Clearinghaus Eurex und dem Datengeschäft, ein Geschäftsmodell mit hohen Wechselkosten für Kunden und entsprechender Preissetzungsmacht. Alphabet wiederum war im Dezember 2025 aus dem Index geflogen, weil andere Aktien auf der Beobachtungsliste einen besser bewerteten Fünfjahres-Shareholder-Return aufwiesen, kehrte nun aber zurück, gestützt auf die weiterhin starke Stellung von Google Search und YouTube sowie die wachsende Cloud- und KI-Sparte. Amazon dagegen, erst im März-Rebalancing neu aufgenommen, verliess den Index nach nur einem Quartal bereits wieder, weil andere Unternehmen im Ranking vorbeigezogen waren. Genau das ist nach Angaben des Anbieters gewollt, das System soll konsequent nach Kennzahlen entscheiden statt nach Loyalität zu einzelnen Aktien.

Warum Qualitätsaktien gerade jetzt gefragt sind

Der Zeitpunkt für einen Blick auf diesen ETF könnte kaum treffender sein. Im Juli ist Bewegung in die Märkte gekommen, ein Ausverkauf bei Halbleiterwerten drückte den Nasdaq 100 zeitweise fast 10 Prozent unter sein Rekordhoch, und der Momentum-Faktor, also die bislang stärksten Kursgewinner, erlebte einen der schärfsten Rückschläge seiner Geschichte. Im Gegenzug floss erstmals seit Jahren wieder verstärkt Kapital in Aktien mit stabilen Gewinnen und robusten Bilanzen. Qualitätsaktien, die während der KI-Rally jahrelang hinterherhinkten, drehten daraufhin nach oben, notieren im Vergleich zum breiten Markt aber weiterhin nahe ihrer historischen Bewertungstiefs. Genau in dieses Umfeld passt ein Ansatz, der gezielt auf Unternehmen mit belastbaren Bilanzen, wirtschaftlichem Burggraben und fairer Bewertung setzt, statt auf die kurzfristig gefragtesten Wachstumsstorys.

Rendite im Überblick

Seit Auflage des Frankfurter UCITS-ETF am 30.06.2022 steht ein Plus von 62.3 Prozent zu Buche, das entspricht 12.6 Prozent pro Jahr, bei einer Volatilität von 14.0 Prozent pro Jahr und einer Sharpe Ratio von 0.74 seit Auflage (Stand: 31.07.2026). Auf Kalenderjahre bezogen erzielte der Fonds 2023 ein Plus von 29.6 Prozent, 2024 ein Plus von 9.0 Prozent und 2025 ein Plus von 10.3 Prozent, während der Fonds im laufenden Jahr bei einem Plus von 6.4 Prozent steht. Die Schwankungsbreite von Jahr zu Jahr zeigt, dass auch ein qualitätsorientierter Ansatz wie dieser nicht frei von Kursschwankungen ist, auch wenn er diese im Vergleich zu einem breiten Markt tendenziell dämpfen soll.

Für wen sich der ETF eignet

Der Frankfurter UCITS-ETF - Modern Value eignet sich für Anleger, die statt eines breiten Marktindex gezielt auf eine konzentrierte Auswahl von Qualitätsunternehmen mit wirtschaftlichem Burggraben setzen möchten und dafür sowohl höhere laufende Kosten als auch ein im Vergleich zu einem 500-Aktien-Index konzentrierteres Portfolio in Kauf nehmen. Wegen der Konzentration auf 25 Titel eignet sich der Fonds eher als gezielte Beimischung denn als alleiniger Depotkern. Besonders interessant erscheint der Ansatz aktuell für Anleger, die von einer nachhaltigen Rückkehr des Qualitätsfaktors nach der jüngsten Korrektur bei Momentum- und KI-Werten überzeugt sind.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.

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