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12.09.2026 21:47:00
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ETF-Auflösungen im Überblick: Was die Statistik tatsächlich zeigt
ETF-Schliessungen folgen klaren Mustern - von Break-Even-Schwellen bis zur typischen Fondslebensdauer. Wer sie kennt, kann das Auflösungsrisiko schon vor dem Kauf besser einschätzen.
• Im Vorjahr 2024 kamen die US-Schliessungen auf insgesamt 187 ETFs
• Die durchschnittliche Lebensdauer geschlossener US-Aktiv-ETFs lag 2025 bei 1,75 Jahren
Wie häufig ETF-Schliessungen wirklich vorkommen
ETF-Auflösungen sind keine seltenen Ausnahmen, sondern ein regelmässiger Marktprozess. Wie aus dem Morningstar-Report "Active ETF Launches and Closures: 2025 in Review" vom Februar 2026 hervorgeht, wurden im Jahr 2025 in den USA rund 230 ETFs aufgelöst, davon 146 aktive und 86 passive Produkte. In den Vorjahren lagen die Gesamt-Schliessungszahlen für US-ETFs laut Morningstar bei 187 für 2024, 226 für 2023 und 190 für 2020. Schliessungen im dreistelligen Bereich pro Jahr sind damit kein Ausnahmephänomen, sondern Marktrealität.
In Europa fällt die Zahl deutlich niedriger aus, was vor allem an der jüngeren und konzentrierteren Marktstruktur liegt. Wie Morningstar in seinem Bericht "Europe's Active ETFs: More Choice, More Complexity" vom 21. Oktober 2025 dokumentiert, sind Schliessungen im europäischen Active-ETF-Segment bisher selten geblieben, was die Researcher allerdings primär auf das junge Marktalter zurückführen, nicht auf eine grundsätzlich höhere Stabilität. Die durchschnittliche Lebensdauer liquidierter europäischer ETFs liegt nach derselben Morningstar-Auswertung bei rund vier Jahren. In den USA ist das Bild deutlich brutaler: Die im Jahr 2025 geschlossenen aktiven ETFs hatten eine durchschnittliche Lebensdauer von rund 1,75 Jahren.
Welche ETFs ein erhöhtes Schliessungsrisiko tragen
Hinter jeder ETF-Schliessung steht meist derselbe Grund: fehlende Wirtschaftlichkeit. Morningstar setzt in seiner Analyse die typischen jährlichen Fixkosten eines US-ETF bei etwa 250'000 US-Dollar an, die sich branchenüblich aus Indexlizenzgebühren, Verwahrstellenkosten, Wirtschaftsprüfung, Börsen-Listings und regulatorischen Pflichten wie Prospekt und Anlegerinformationen zusammensetzen. Daraus ergibt sich bei einer durchschnittlichen Verwaltungsgebühr von 0,75 Prozent ein Break-Even-Volumen von rund 33 Millionen US-Dollar. Von den 150 ETFs, die laut Morningstar 2025 in den USA aufgelöst wurden, hatten nur sechs zu Jahresbeginn ein Vermögen von mehr als 50 Millionen US-Dollar, die meisten lagen bei unter 25 Millionen US-Dollar. Daraus ergibt sich eine einfache Faustregel: Bleibt ein ETF dauerhaft unter 50 Millionen Euro, steigt das Schliessungsrisiko deutlich.
Ein zweiter Risikofaktor ist die Strategie. Im US-Markt traf es 2025 vor allem Nischen- und Kurzzeit-Strategien: Von rund 340 neu aufgelegten kurzfristigen aktiven ETFs entfallen viele auf gehebelte Produkte, Inverse-Strategien oder Single-Stock-ETFs. Für deutsche Anleger bedeutet das konkret: Thematische ETFs auf eng abgegrenzte Sektoren wie Cybersecurity-Spezialisten, Crypto-Themen oder Faktor-Kombinationen mit kleinem Anlegerinteresse werden häufiger geschlossen als breit gestreute Welt-Aktien-ETFs auf dem MSCI World oder dem FTSE All-World. Hinzu kommt das Alter: Auch im europäischen Markt liegen die Lebensdauern liquidierter Fonds bei durchschnittlich vier Jahren, was die Faustregel stützt, ETFs erst nach mindestens fünf bis sieben Jahren am Markt als etabliert zu betrachten.
Drei Prüfpunkte vor dem Kauf eines möglicherweise gefährdeten ETFs
Anleger können das Schliessungsrisiko vor dem Kauf in drei Schritten einschätzen. Erstens das Fondsvolumen: Liegt der Fonds dauerhaft unter 50 Millionen Euro, befindet er sich nahe der wirtschaftlichen Tragfähigkeitsschwelle, die Morningstar mit US-Daten bei rund 33 Millionen US-Dollar verortet. Bei kleinen Volumina prüfen Anbieter eine Schliessung wahrscheinlicher, weil die Verwaltungsgebühr die Fixkosten nicht mehr deckt. Zweitens das Fondsalter: Die Daten von Morningstar zeigen, dass aktiv geschlossene US-ETFs eine durchschnittliche Lebensdauer von 1,75 Jahren hatten und europäische Schliessungen typischerweise nach vier Jahren erfolgten. Wer Produkte mit fünf bis sieben Jahren oder mehr am Markt wählt, reduziert die statistische Schliessungswahrscheinlichkeit deutlich.
Drittens die Strategie: Breite Welt-Indizes mit hohem Mittelzufluss zeigen historisch die niedrigsten Schliessungsraten, während Sektor-, Themen- und Faktor-Produkte überproportional von Liquidationen betroffen sind. Für aktive Anleger, die bewusst Nischen-Allokationen aufbauen, lohnt sich eine Diversifikation über mehrere Anbieter und die laufende Beobachtung des Fondsvolumens. Findet sich ein Schliessungs-Hinweis, bleibt ausreichend Zeit für eine geordnete Reaktion, sei es durch Verkauf zum gewünschten Zeitpunkt oder durch Reinvestition in ein vergleichbares, breiter aufgestelltes Produkt.
Dominik Maier, Redaktion finanzen.ch
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