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Wie viele ETFs? 15.08.2026 22:03:00

Diversifikation im ETF-Portfolio: Wann erreicht man die Effizienzgrenze nach Markowitz?

Diversifikation im ETF-Portfolio: Wann erreicht man die Effizienzgrenze nach Markowitz?

Wie viele ETFs braucht ein effizientes Portfolio wirklich und ab wann bringt ein weiterer kaum noch etwas? Die Antwort könnte in der Portfoliotheorie von Harry Markowitz liegen.

• Diversifikation wirkt nicht unbegrenzt - entscheidend ist die Korrelation
• Ab 30-40 Titeln ist das idiosynkratische Risiko weitgehend eliminiert
• Echter Mehrwert liegt in unterschiedlichen Assetklassen und Regionen

Harry Markowitz und die moderne Portfoliotheorie

Harry Markowitz legte 1952 mit seiner modernen Portfoliotheorie (MPT) den Grundstein für das heutige Risikomanagement. Seine zentrale Erkenntnis: Ein Asset sollte nie isoliert betrachtet werden, sondern stets im Kontext seines Beitrags zum Gesamtportfolio, gemessen an Risiko, Rendite und Korrelation zu anderen Positionen. Daraus entstand das Konzept der Effizienzgrenze: jene Kurve, auf der ein Portfolio bei gegebenem Risiko die maximal erreichbare Rendite erzielt. Für diese Arbeit erhielt Markowitz 1990 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, gemeinsam mit William Sharpe und Merton Miller.

Wie viele Titel braucht ein diversifiziertes Portfolio?

Die entscheidende Frage für jeden ETF-Anleger lautet: Wann ist genug diversifiziert? Meir Statman lieferte 1987 in seinem vielzitierten Paper "How Many Stocks Make a Diversified Portfolio?" eine klare empirische Antwort: Mindestens 30 bis 40 Aktien sind nötig, um das idiosynkratische Risiko eines Portfolios weitgehend zu eliminieren, und damit deutlich mehr als die damals verbreitete Faustformel von rund zehn Titeln.

Übertragen auf ETFs ergibt sich daraus eine praktische Konsequenz: Da ein einzelner breit gestreuter Aktien-ETF bereits Hunderte bis Tausende von Einzeltiteln enthält, ist der Schwellenwert nach Statman mit einem einzigen Produkt problemlos überschritten.

Wo liegt der Punkt der abnehmenden Grenzerträge?

Wenn ein einziger ETF das Einzeltitelrisiko bereits ausschaltet, stellt sich die Frage, was zusätzliche ETFs überhaupt noch leisten? Der eigentliche Mehrwert zusätzlicher ETFs liegt nicht in mehr Titeln. Entscheidend ist, wie sich aus der MPT ableiten lässt, nicht das Risiko einzelner Assets, sondern ihre Korrelation zueinander. Wer also wirklich diversifizieren will, sollte laut Experten unterschiedliche Assetklassen, Regionen und Risikofaktoren abdecken, nicht einfach mehr Positionen hinzufügen. Solange neue Positionen nicht korrelierende Renditequellen erschliessen, verschiebt sich das Portfolio auf der Effizienzgrenze nach Markowitz, sprich: gleiches Risiko, höhere Rendite (oder umgekehrt).

Die Effizienzgrenze ist kein theoretisches Konstrukt, sie hat eine praktische Grenze. Sobald zusätzliche Positionen die Korrelationsstruktur des Portfolios nicht mehr wesentlich verändern, ist der Diversifikationsnutzen zu hinterfragen. Entscheidend ist daher oft nicht die Anzahl der Bausteine, sondern ihre inhaltliche Ergänzung: Wer Assetklassen, Regionen und Risikofaktoren sinnvoll abdeckt, bewegt sich mit einer kleinen Auswahl sorgfältig gewählter Positionen bereits nahe der Effizienzgrenze. Mehr Bausteine schaffen laut Experten selten mehr Effizienz, sie erhöhen meist nur Komplexität und Kosten.

Markus Maier, Redaktion finanzen.ch

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