Werbung 12.02.2020 09:00:00

"Datenqualität und - konsistenz als Herausforderung bei ESG Investments." - Interview mit Bernhard Wenger

"Datenqualität und - konsistenz als Herausforderung bei ESG Investments." - Interview mit Bernhard Wenger

finanzen.ch: 2019 hat sich branchenübergreifend der Fokus auf ESG durchgesetzt. Sehen Sie hier viel Potenzial?

Die Frage können wir ganz klar mit ja beantworten. Im Asset Management stellt sich nicht mehr die Frage «Warum ESG?» sondern vielmehr «Wie können Investoren ESG-Überlegungen in Ihren Portfolios implementieren?». Um der steigenden Nachfrage nach Lösungen im ESG-Bereich gerecht zu werden hat State Street Global Advisors 2019 zwei UCITS ESG ETFs lanciert, mit dem Ziel einerseits nicht in Unternehmen investiert zu sein, die Geschäftsfelder wie kontroverse Waffen, zivile Schusswaffen, Tabak und Kraftwerkskohle abdecken, oder andererseits nicht mit den 10 Grundsätzen des United Nations Global Compact im Einklang sind.
Ganz allgemein sehen wir als globaler Anbieter von Investmentlösungen den Klimawandel als eines der grössten Risiken für Investmentportfolios im aktuellen und zukünftigen Umfeld. Auch aufgrund der Tatsache, dass praktisch alle Marktsegmente, Branchen und Industrien betroffen sind. ESG und insbesonders der Klimawandel werden die dominanten Faktoren sein, die in den nächsten Jahren und Dekaden den Wandel massgeblich beeinflussen werden.

Eine der Herausforderungen im ESG Bereich liegt unter anderem auch im Bereich der Datenqualität und Datenkonsistenz, weswegen der Ansatz von State Street Global Advisors darin besteht mit multiplen Datenanbietern zusammenzuarbeiten und so die beste Datenqualität sicherzustellen. Mit diesem Modell planen wir gemeinsam mit Partnern und Investoren relevante Lösungen auf den Markt zu bringen und unsere Expertise einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen.

finanzen.ch: Gibt es Unterschiede bzgl. der Anforderungen von Retailkunden und Vermögensverwaltern?

Der Vorteil der ETF Struktur ist es, dass sowohl Retailkunden als auch Vermögensverwalter und andere institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und Versicherer ein Lösungsangebot von gleicher Qualität erhalten und die gleichen Vorteile geniessen. Diese sind vor allem Liquidität, Transparenz, Kosteneffizienz und Flexibilität.

Natürlich gibt es Unterschiede was das Investitionsvolumen in einen ETF betrifft - Retailvolumen sind viel geringer, was dazu führt, dass die Grösse des ETFs für den individuellen Privatkunden nicht so eine grosse Rolle spielt.

Grosse Vermögensverwalter haben hier ganz andere Anforderungen an Fondsgrösse und demzufolge auch Liquidität um Konzentrations- und Liquiditätsrisiken zu vermeiden.

Allen Investoren kommt jedoch zu Gute, dass es durch die Popularität der ETF Struktur praktisch keine Assetklasse gibt, die nicht effizient mittels ETFs investierbar ist, sei es im Aktien- Anleihen- oder auch Rohstoffbereich. Wir erwarten, dass ETFs sowohl im Retail- als auch institutionellen Bereich Ihren Siegeszug fortsetzen werden.

finanzen.ch: Mittlerweile gibt es auch ETFs, die sich auf bestimmte Sektoren konzentrieren (z. Bsp. Tech oder Health). Wo sehen Sie hier die Entwicklungsmöglichkeiten?

Die Möglichkeit mit ETFs in Sektoren zu investieren gibt es schon lange. SPDR als weltweit grösster Anbieter von Sektor-ETFs, hat den ersten Fonds in diesem Bereich bereits im Jahr 1998 lanciert. In Europa bieten wir ein breites Angebot an Sektor- ETFs an, sowohl auf Europäische- , US als auch globale Indizes.

Die Popularität von Sektor-ETFs nimmt ständig zu, auch aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeit im Portfolio-Kontext. Einerseits können Investoren mit Sektor-ETFs von Markttrends profitieren und sich in spezifische Faktoren und Stile positionieren. Andererseits kann eine Outperformance zum breiten Markt erreicht werden, wenn man auf diejenigen Sektoren setzt, die im jeweiligen Marktumfeld besser performen. Der Möglichkeit in zyklische oder auch defensive Sektoren zu investieren kommt hier eine besondere Bedeutung zu. State Street Global Advisors veröffentlicht jedes Quartal den sogenannten Sektor-Kompass, der alle Sektoren genau analysiert und so eine Hilfestellung gibt, welche Sektoren im jeweiligen Umfeld gerade gefragt sind.
Weitere Einsatzmöglichkeiten von Sektor-ETFs sind in sogenannten Sektor-Rotationsmodellen, welche die Dispersion der unterschiedlichen Sektorrenditen ausnutzen oder auch im thematischen Bereich. So können zum Beispiel Investoren, die eine Meinung zum Ölpreis haben mit Energie-ETFs Ihre Investmentphilosophie umsetzen.

finanzen.ch: Was macht SPDR so besonders für die Schweiz und den Schweizer Markt?

SPDR bietet Investoren in der Schweiz mit 97 gelisteten und zum Vertrieb zugelassenen ETFs ein sehr breites Lösungsangebot an. Dies sowohl im Aktien- als auch Fixed Income Bereich. Die lokale Nähe mit unserem Team in der Schweiz hilft uns auch in unserem täglichen Austausch mit Kunden. State Street Global Advisors ist seit über 25 Jahren lokal in der Schweiz präsent und hat dadurch auch ein sehr profundes Verständnis der lokalen Marktgegebenheiten.

Unser Anspruch ist es als global drittgrösster Asset Manager unser gesamtes Lösungsangebot samt umfassender Expertise in den Bereichen Portfolio Management, Research und Capital Markets auf die lokalen Bedürfnisse anzupassen und so Schweizer Investoren einen signifikanten Mehrwert zu bieten.

Als Vorreiter im ETF Bereich haben wir nicht nur den ersten US-ETF emittiert, sondern mit viel Innovationsfreude einige sogenannte "World’s firsts" gebracht. Auf dieser Basis wollen wir weitermachen und weiterhin Investoren innovative Produkte und neue Investmentalternativen zur Verfügung stellen.

finanzen.ch: Die Börsen waren 2019 weltweit sehr stark. Macht ein Einstieg jetzt noch Sinn?

Man darf nicht vergessen, dass die Börsen durch die Korrektur Ende 2018 von einem eher niedrigen Niveau kamen und obwohl die Performance 2019 sehr stark war, denken wir, dass wir uns in einem sehr konstruktiven Umfeld bewegen. Allerdings sollte man als Investor bedacht und überlegt vorgehen. Wir denken dass im Jahr 2020 die globale Erholung weitergehen wird und es global in vielen Assetklassen Investmentmöglichkeiten gibt. Potentielle Risiken andererseits sind bekannt, sei es der Handelskrieg zwischen den USA und China, Brexit, Iran und die Tatsache, dass wir sehr spät im aktuellen Wirtschaftszyklus sind. Investoren müssen sich über Ihren Risikoappetit im klaren sein. Diejenigen, die weniger Volatilität in Kauf nehmen wollen, haben mit Dividendenstrategien wie den Dividend Aristocrats, Low Volatility- ETFs oder auch Wandelanleihen-ETFs ein breites Angebot an Lösungen zur Verfügung.

finanzen.ch: Besteht auch dann eine Anlagemöglichkeit, wenn die Börsen in den nächsten Jahren wieder sinken? Gibt es defensive ETFs?

Wie schon erwähnt können Dividenden- oder Low Volatility Strategien in einem eher schwierigen Marktumfeld helfen. Auch im Sektorbereich gibt es defensive Strategien, auf die es sich lohnt einen Blick zu werfen, wie zum Beispiel Gesundheitswesen und Telekommunikation.

Aktien, die eine hohe Dividende zahlen bei gleichzeitig stabilem Geschäftsmodell performen üblicherweise in turbulenten Zeiten besser. Und Aktien mit niedriger Volatilität performen in fallenden Märkten besser.

Neben diesen Strategien ist sicher auch Gold eine interessante Alternative um Stabilität und eine gewisse Absicherung ins Portfolio zu bringen. Investoren sollten sich aber auch Anleihen-ETFs genau ansehen. State Street Global Advisors bietet mit dem beliebten Bond Compass hier eine Publikation, die eine grosse Hilfestellung bieten kann.

finanzen.ch: Vor allem Ende des Jahres lohnt sich immer der Blick in die Zukunft. Was sind Trends, die Sie 2020 erwarten und auf die Sie sich freuen?

Wir können uns denke ich sicher sein, dass dies ein äusserst interessantes Jahr wird, nicht zuletzt aufgrund der US-Präsidenten-Wahl im November, die unserer Meinung nach dieses Jahr prägen wird.

Im Jahr 2016, im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen sahen wir starke Aktivitäten im Sektor-Bereich. Anleger haben die Auswirkungen auf bestimmte Sektoren je nach Kandidaten prognostiziert und sich dementsprechend positioniert um den Gesamtmarkt zu schlagen. Finanzen und Gesundheitswesen stachen heraus, da Republikaner und Demokraten in diesen Bereichen in der Regel sehr unterschiedliche Ansichten vertreten. Es ist möglich, dass wir wieder eine ähnlich starke Nachfrage im Sektorbereich erleben je näher die Wahlen kommen.

Auf die USA bezogen, lohnt es sich auch, das laufende Amtsenthebungsverfahren im Auge zu behalten. Für den Fall, dass Präsident Trump von der Anklage freigesprochen wird (und dies gilt als wahrscheinlichstes Ergebnis), könnte er das so interpretieren, dass er im Wesentlichen tun kann, was er will. Hier stellt sich die Frage was würde das bedeuten, wie er in den USA regiert oder für deren internationale Beziehungen?

Wie bereits erwähnt gibt es noch andere potentielle Risiken, aber am gefährlichsten sind diejenigen, die noch nicht bekannt sind.

Anleger sollten sicher auch Entwicklungen rund um den Brexit im Auge behalten. Die Situation im Iran scheint vorerst ruhig zu sein und wir sehen Fortschritte im Verhältnis der USA mit China, was insbesondere diesen beiden Ländern einen Auftrieb verleihen könnte (und möglicherweise anderen schaden, wenn China anfängt weniger zu importieren).

Im Laufe des Jahres und der zunehmenden Klarheit wie sich die angesprochenen Dinge entwickeln werden, entscheidet sich dann auch ob Anleger weiterhin eher risikoreich investieren werden oder ob ein Engagement in defensiven Strategien wie beispielhaft erwähnt sinnvoller ist.

Es gilt die Augen offen zu halten und dementsprechend flexibel zu sein. Die ETF Struktur bietet in diesem Zusammenhang eine grösstmögliche Flexibilität und Effizienz.

finanzen.ch bedankt sich für das Interview.

Mehr über Bernhard Wenger:

Bernhard Wenger ist als Geschäftsführer bei State Street Global Advisors AG in Zürich primär für die Geschäftsentwicklung und den Vertrieb von «SPDR ETFs» in der Schweiz verantwortlich. Zuvor war er bei ETF Securities tätig, wo er unter anderem als Head of European Distribution den Vertrieb geleitet hat. Im Weiteren hatte Bernhard Wenger leitende Positionen bei Morgan Stanley, HSBC und BNP Paribas inne und verfügt über einen «European Master in Management» der ESCP Europe (Paris, Oxford).


Bildquelle: State Street Global Advisors

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