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13.06.2026 22:38:00
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Anleihen-ETFs verstehen: Warum die Duration ein wichtiges Kennzeichen ist
Wer in Anleihen-ETFs investiert, schaut oft zuerst auf die Kosten. Doch die entscheidende Risikokennzahl ist eine andere: die Duration.
• Hohe Duration bedeutet hohe Schwankungen: Langläufer profitieren bei fallenden Zinsen verlieren aber stark bei steigenden
• Für Anleger entscheidend: Duration immer im Kontext von Zinsausblick, Anlagehorizont und Risiko bewerten
Was Duration bedeutet und warum sie zählt
Anleihen und Zinsen verhalten sich wie zwei Seiten einer Waage: Steigen die Zinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen, denn neu ausgegebene Papiere bieten höhere Renditen. Die Duration misst, wie stark ein Anleihenportfolio auf solche Zinsveränderungen reagiert. In der Praxis wird dabei meist die sogenannte Modified Duration verwendet: Sie gibt an, um wie viel Prozent der Kurs eines Fonds fällt oder steigt, wenn die Marktzinsen um einen Prozentpunkt steigen oder sinken. Ein Fonds mit einer Duration von zehn Jahren verliert also bei einem Zinsanstieg um einen Prozentpunkt rund zehn Prozent seines Wertes. Umgekehrt gewinnt er in gleichem Masse, wenn die Zinsen fallen. BlackRock beschreibt dies in seiner Einführung zum Thema Duration so: Ein Fonds mit einer Duration von zehn Jahren ist doppelt so volatil wie ein vergleichbarer Fonds mit fünf Jahren Duration.
Die Duration ist dabei nicht identisch mit der Laufzeit einer Anleihe. Sie berücksichtigt auch die zwischenzeitlichen Zinszahlungen. Je niedriger der Kupon einer Anleihe, desto länger ist ihre Duration, weil ein grösserer Teil des Rückflusses erst am Ende der Laufzeit anfällt. Nullkupon-Anleihen, die gar keine laufenden Zahlungen leisten, haben eine Duration, die exakt ihrer Laufzeit entspricht.
Langläufer: Grosses Potenzial, grosses Risiko
Wer gezielt auf lang laufende Staatsanleihen setzt, geht eine besonders ausgeprägte Zinswette ein. Der iShares € Govt Bond 15-30yr UCITS ETF, ein Produkt von BlackRock, das Staatsanleihen aus Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Spanien mit Laufzeiten zwischen 15 und 30 Jahren bündelt, weist laut aktuellem Factsheet eine effektive Duration von knapp 16 Jahren auf. [*zeitgebundene Angabe aus Fondsunterlagen, Stand März/April 2026] Die effektive Duration ist eine Weiterentwicklung der Modified Duration und berücksichtigt zusätzlich mögliche Veränderungen der Zahlungsströme, etwa durch eingebettete Optionen. Bei einfachen Staatsanleihen ohne solche Sondermerkmale liefern beide Kennzahlen nahezu identische Werte. Das bedeutet: Steigen die Zinsen am langen Ende um einen Prozentpunkt, verliert der Fonds in der Näherungsrechnung rund 16 Prozent an Wert. Der Blick auf die historische Jahresperformance des ETFs zeigt, dass Kurseinbrüche von mehr als 30 Prozent in Jahren mit stark steigenden Zinsen tatsächlich eingetreten sind. Ebenso eindrücklich sind die Aufwärtsbewegungen in Jahren fallender Zinsen, in denen der Fonds zweistellige Kursgewinne verbuchen konnte.
Solche Ausschläge sind kein Zufall, sondern eine direkte Konsequenz des Konzepts. Wer Anleihen mit sehr langer Restlaufzeit hält, bindet sich an ein bestimmtes Zinsniveau. Je länger diese Bindung dauert, desto stärker reagiert der Preis auf Veränderungen am Markt. Das gilt für einzelne Papiere ebenso wie für ETFs, die solche Papiere bündeln.
Duration im Vergleich zu anderen Risikokennzahlen
In der öffentlichen Diskussion über ETFs dominiert oft die Kostenquote. Die Total Expense Ratio (TER) des beschriebenen iShares-Fonds liegt bei 0,15 Prozent pro Jahr, was im Vergleich zu aktiv verwalteten Fonds niedrig ist. Doch selbst wenn man die Kosten über viele Jahre hochrechnet, bleiben sie weit hinter dem Einfluss der Duration zurück. Ein Zinsanstieg um einen Prozentpunkt kann den Kurswert eines Langläufer-ETFs um ein Vielfaches dessen drücken, was die jährlichen Kosten ausmachen.
Das Konzept der Konvexität erweitert die Duration noch um eine weitere Dimension: Duration geht von einem linearen Verhältnis zwischen Zinsbewegung und Kursveränderung aus. In der Realität jedoch fallen die Kurse bei steigenden Zinsen etwas weniger stark als die Duration vermuten lässt, während sie bei sinkenden Zinsen etwas stärker steigen. Für Anleger bedeutet das, dass Langläufer bei fallenden Zinsen potenziell noch etwas mehr gewinnen als die reine Duration-Rechnung nahelegt.
Was Anleger beim Kauf von Anleihen-ETFs beachten sollten
Die Duration eines Anleihen-ETFs lässt sich meist direkt dem Factsheet des Anbieters entnehmen. Beim Vergleich verschiedener Produkte ist es daher sinnvoll, nicht nur auf Rendite und Kosten zu schauen, sondern auch die angegebene effektive Duration zu notieren. Ein ETF auf kurzlaufende Staatsanleihen mit einer Duration von zwei bis drei Jahren reagiert auf Zinsbewegungen deutlich weniger empfindlich als ein Langläufer-ETF.
Zugleich ist Duration kein reines Risikomerkmal. In einem Umfeld sinkender Zinsen profitieren gerade Fonds mit hoher Duration überproportional. Das macht sie für Anleger interessant, die auf fallende Zinsen setzen oder ihr Portfolio gegen ein solches Szenario absichern möchten. Das Risiko besteht darin, dass die Zinsrichtung schwer vorherzusagen ist. Anleger, die in Langläufer investieren, gehen daher eine bewusste Wette auf die Zinsentwicklung ein. Es empfiehlt sich deshalb, die Duration eines Anleihen-ETFs stets im Zusammenhang mit dem eigenen Anlagehorizont und der persönlichen Risikobereitschaft zu bewerten.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.ch
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