Die Forstwirtschaft ist Teil der Lösung im Kampf gegen Kohlenstoffemissionen. Die Erdoberfläche ist zu 31 % von Bäumen bedeckt, was etwas mehr als vier Milliarden Hektar entspricht.1 Jeder Hektar Wald entzieht der Atmosphäre etwa zehn Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr.2 Weltweit neutralisieren die Wälder somit jedes Jahr 40 Gigatonnen (Gt) CO2, was ungefähr den jährlichen CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen gleichkommt. Ohne die Wälder stünde es deutlich schlechter um das Klima.

Leider hat jedoch auch die Abholzung der Wälder in den vergangenen Jahren ein Rekordniveau erreicht. Jährlich geht tropischer Regenwald in der Grösse von Bangladesch verloren. Aus diesem Grund spielt die Umkehr der Entwaldung, die in den vergangenen Jahren zugenommen hat, eine massgebliche Rolle in der Bekämpfung des Klimawandels. Sie stellt jedoch ebenfalls eine Chance für Anleger dar. Durch die Vergabe von Kohlenstoffkrediten für die Aufforstung sind wirtschaftliche und ökologische Anreize zum Zweck der Bewahrung oder Wiederherstellung der Waldgebiete weltweit stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Die Schaffung finanzieller Anreize mag ein langsamer Prozess sein. Es steht jedoch auch viel auf dem Spiel.

Im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems kostet eine Tonne CO2 derzeit etwa 25 US-Dollar.3 Damit die Emissionen deutlich und schnell genug gesenkt werden können, um den globalen Temperaturanstieg auf 2 °C zu begrenzen, erachten wir einen Preis von 100 US-Dollar pro Tonne als notwendig. Zu diesem Preis würde auch der Wert der Waldfläche um das 2,5-Fache steigen - ein massiver Anstieg!

Auf Basis einer Stichprobe börsennotierter Forstunternehmen schätzen wir den aktuellen Wert von Waldgebiet auf rund 1.500 US-Dollar pro Hektar.4 Anders ausgedrückt hätte der Wald weltweit einen Gesamtwert von rund 1,6 Bio. US-Dollar. Das ist zwar enorm, liegt jedoch immer noch unter dem aktuellen Marktwert des weltweiten Öl- und Gassektors.5

Würde der Wert von Waldfläche wie oben beschrieben um das 2,5-Fache steigen, würde dies jedoch die weltwirtschaftliche Kräfteverteilung auf den Kopf stellen.

Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 20.000 US-Dollar belegt Saudi-Arabien im internationalen Vergleich derzeit Platz 49, während Brasilien mit einem Einkommen, das mehr als 50 % niedriger ist, Platz 84 belegt.6 Wenn wir jedoch den jährlichen Wirtschaftsbeitrag des brasilianischen Waldlandes zum theoretischen Preis miteinbeziehen, würde das Pro-Kopf-Einkommen Brasiliens auf rund 25.000 US-Dollar steigen und Saudi-Arabien somit übertreffen.

Relation zwischen CO2-Absorption durch Wälder und dem jährlichen BIP-Anstieg in Brasilien

Quelle: Schroders, Februar 2019

Vor dem Hintergrund des politischen Stillstands sind unsere Berechnungen natürlich theoretisch. Dennoch unterstreichen sie das Ausmass der wirtschaftlichen Auswirkungen, die der Klimawandel auf Anleger, Unternehmen und Nationen hat. Es bleibt unklar, ob, wie oder wann ein solcher Mechanismus umgesetzt wird. Je konkreter sich die globalen Klimagespräche jedoch einer Lösung nähern - in der die Forstwirtschaft zwangsläufig eine wichtige Stellung einnehmen wird - desto deutlicher zeichnet er sich ab.

1 http://www.earth-policy.org/indicators/C56/forests_2012
2 http://urbanforestrynetwork.org/benefits/air%20quality.htm
3 https://markets.businessinsider.com/commodities/co2-emissionsrechte
4 https://extension.psu.edu/timber-market-report-2018-2nd-quarter
5 https://www.prnewswire.com/news-releases/77-trillion-global-oil-and-gas-exploration-and-production-market---analysis-2013-2015--industry-forecasts-2016-2025-300242507.html
6 https://databank.worldbank.org/data/reports.aspx?source=2&series=NY.GDP.PCAP.CD&country=#

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