Andrew Lacey
Investment-Redakteur

Institutionelle Anleger sind in den vergangenen drei Jahren zunehmend vorsichtiger geworden, rechnen aber unverändert mit hohen Marktrenditen, so das Ergebnis einer neuen Schroders-Studie. Viele sind überzeugt, dass Private Assets entscheidend sein werden, um in einem für traditionelle Anlagen schwierigeren Marktumfeld die Performance aufrechtzuerhalten.

Ein Wechsel des Ansatzes

Im Rahmen seiner Institutional Investor Study fragt Schroders institutionelle Anleger weltweit nach ihren Ansichten und Prioritäten. Durch die Befragung von 650 einflussreichen Investoren aus 15 verschiedenen Ländern, die ein Vermögen von insgesamt etwa 10,8 Bio. US-Dollar verwalten, werden auf der Grundlage der Studie wertvolle Einblicke in die Anlageziele, die Sorgen und die Präferenzen dieser Anleger gewonnen.

Wie die Studie zeigt, sind die Sorgen vor einem nachlassenden Wirtschaftswachstum und destabilisierenden politischen und weltweiten Ereignissen in den vergangenen drei Jahren gestiegen. Folglich sind die Anleger gerade dabei, ihr Engagement in den traditionell riskanteren Bereichen des Marktes - wie etwa Aktien aus den Industrie- oder Schwellenländern - zu reduzieren. Die Renditeerwartungen sind indessen nicht nennenswert gesunken. So bleiben die meisten Anleger zuversichtlich, dass sie weiterhin jährliche Gesamtrenditen von 5 % bis 9 % (oder mehr) erwirtschaften können.

Aber wie werden die Anleger die niedrigeren Aktienallokationen ersetzen?

Die Renditen der wichtigsten Staatsanleihen sind angesichts der unverändert oder zunehmend lockeren Geldpolitik der globalen Zentralbanken nach wie vor sehr niedrig. Selbst die US-Notenbank Fed zeigt sich nach einem kurzen Straffungszyklus neuerdings wieder expansiver. Die langfristigen Renditeprognosen von Schroders gehen von jährlichen Nominalrenditen von 3,6 %, 3,1 % und 2,5 % für US-, britische bzw. europäische Staatsanleihen aus.

Die gleichen Prognosen sehen für US-Unternehmensanleihen mit Investment Grade (IG) in den nächsten 30 Jahren eine jährliche Nominalrendite von 4,7 % vor, während es für auf Euro und britische Pfund lautende IG-Papiere 3,0 % bzw. 3,9 % sind. Lediglich US-Hochzinsanleihen, die die höchste prognostizierte Nominalrendite im Fixed-Income-Universum aufweisen, liegen mit einem erwarten Jahresertrag von 5,8 % in der Spanne der Zielrenditen.

Wie geht die Gleichung auf?

Der Umfrage zufolge scheinen die meisten Anleger zu akzeptieren, dass sie ihre konventionellen Ansätze ändern müssen, um auch in Zukunft stabile Renditen zu erzielen. So zeigten sich 71 % der von uns befragten Investoren aufgeschlossen für neue Finanzinstrumente oder Anlageklassen.

Die Allokationen in Private Assets dürften demnach zunehmen. Unterdessen sind die erwarteten durchschnittlichen Haltefristen länger als vergangenes Jahr, was sich mit der höheren Volatilität deckt, die kurzfristig antizipiert wird, und auch mit der geringeren Liquidität bei Private Assets.

Hohe Erwartungen

Als Hauptgrund für den Einsatz von Private Assets führen die Institute die Notwendigkeit an, höhere Erträge zu erwirtschaften (74 %) und ihre Portfolios zu diversifizieren (73 %). Anleger in Nordamerika (89 %) messen der Aussicht auf höhere Renditen einen deutlich grösseren Stellenwert bei, während für ihre Pendants in Asien vor allem die Diversifikation (85 %) im Vordergrund steht.

Es stellt sich sodann die Frage, ob die Anlageklasse tatsächlich auch liefern kann. Die meisten Befragten sind der Ansicht, dass Private Equity in den nächsten zwölf Monaten Renditen von über 5 % erzielen und damit der stärkste Bereich im Private-Asset-Universum sein wird. Die Erwartungen für Infrastrukturaktien sind ähnlich.

Renditeerwartungen für Private Equity am höchsten

Quelle: Schroders, Institutional Investor Study 2019. In diesem Dokument enthaltene Prognosen stellen keine verlässliche Grundlage für eine Anlageentscheidung dar, sind nicht garantiert und werden nur per Datum der Ausfertigung dieses Dokuments bereitgestellt. Unsere Prognosen basieren auf unseren eigenen Annahmen, die sich ändern können. Wir haften nicht für fehlerhafte Angaben oder Meinungen und übernehmen keine Verpflichtung, Änderungen unserer Annahmen oder Prognosen bekannt zu geben. Prognosen und Annahmen können von externen ökonomischen oder anderen Faktoren beeinflusst werden.

Tim Boole, Leiter Product Management bei Schroder Adveq, erörtert die Frage, warum Anleger an das Potenzial von Private Assets - und hier insbesondere Private Equity - glauben:

In den vergangenen 25 Jahren hat Private Equity im Schnitt um 3 % pro Jahr besser abgeschnitten als Public Equity. Diese Outperformance ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen - einer davon ist die Illiquiditätsprämie. Institutionelle Anleger erkennen zunehmend, dass sie als langfristige Investoren unnötigerweise (in Form von niedrigeren Renditen) für den Zugang zu Liquidität bezahlt haben, die sie gar nicht nutzten. Die Attraktivität von Investitionen in Private Assets besteht somit teilweise darin, die damit verbundene höhere Rendite zu vereinnahmen. Private Assets repräsentieren zudem ein sehr viel breiteres Universum, das vor allem im Private-Equity-Bereich wächst, wo die Unternehmen vorzugsweise der Börse fernbleiben. Anleger können hier ihre Portfolios diversifizieren und auf Segmente zugreifen, die über die öffentlichen Märkte nicht verfügbar sind, wie etwa Early-Stage-Wagniskapital oder kleine und mittlere Unternehmen - allesamt zu klein, um die laufenden Kosten einer Börsennotierung zu rechtfertigen. In der Vergangenheit hatten diese Unternehmen kaum Möglichkeiten, sich neues Kapital zu beschaffen, und wenn, dann nur zu einem hohen Preis. Mit dem Wachstum von Private Equity eröffnen sich ihnen mehr Möglichkeiten. Investoren haben indes die Chance auf Anlagerenditen, die bislang nur von Unternehmen im Rahmen strategischer Akquisitionen erzielt wurden.

Den richtigen Partner finden

Natürlich ist es vergleichsweise schwierig, Allokationen in Private Assets zu erhöhen. So weisen institutionelle Investoren noch immer auf etliche Hürden hin, die ihnen bei der Investition in diese Anlageklasse begegnen. Als grösste Herausforderungen gelten dabei die Gebühren, die geringe Liquidität und die Komplexität.

Die Anleger sind sich jedoch auch bewusst, dass die attraktiven Prämien bei Private Assets gerade auf diese Illiquiditäts- und Komplexitätsfaktoren zurückzuführen sind. Die meisten von ihnen sind daher bereit, die Expertise, die zur Überwindung dieser Herausforderungen erforderlich ist, auszulagern.

Die hierin geäusserten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.

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