Robin Parbrook
Head of Asia ex Japan Equities

Toby Hudson
Leiter Asian ex-Japan Equity Research

- Für das Jahr 2020 erwarten wir nur bescheidene Erträge aus den regionalen Aktienmärkten, denn die führenden globalen Wachstumsmotoren (China und USA) erlahmen, und die US-chinesischen Spannungen spitzen sich zu und drücken so weiter auf die Stimmung in Asien.

- Wenn auch das chinesische Wirtschaftswachstum nachlässt, so ist doch in neueren Wirtschaftszweigen wie dem E-Commerce, dem Bildungswesen sowie Freizeit und Reisen ein Aufschwung absehbar. Zudem setzt sich der Nachfragetrend hin zu höherwertigen Produkten fort. So sind die chinesischen Konsumenten nunmehr bereit, mehr Geld für zyklische Konsumgüter und Dienstleistungen des oberen Marktsegments auszugeben.

- Die Einzeltitelauswahl wird 2020 der Schlüssel zu Erträgen sein, denn Wachstum wird nur mit Unternehmen erzielt werden können, die in der Lage sind, sich im derzeit so unsicheren Konjunkturumfeld zu behaupten und Gewinne zu erzielen. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass China die attraktivste Auswahl an Aktien bietet.

Die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, dass Asien weniger von wirtschaftlichen Fundamentaldaten abhängig ist, als vielmehr durch beunruhigende politische Entwicklungen gefährdet ist. Viele der allgemein akzeptierten Annahmen, auf die sich unsere asiatischen Anlagen stützen, wie die Errungenschaften des freien Welthandels oder der Rechtsstaatlichkeit und Stabilität in der Sonderverwaltungszone Hongkong, sind nun radikal infrage gestellt.

Der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China hat die Dynamik in vielen regionalen Volkswirtschaften untergraben. Daher rechnen wir nicht mit einem nennenswerten wirtschaftlichen Aufschwung, zumal sich das Wachstum sowohl in China als auch in den USA abschwächt. Aus diesem Grund nehmen wir für die Titelauswahl nicht den Makro- sondern den Mikro-Ansatz zu Hilfe. Das bedeutet, dass wir Unternehmen aussuchen, die die Fähigkeit besitzen, aufgrund ihres Wettbewerbsvorteils Wachstum zu generieren oder ihren Marktanteil zu erhöhen, und sich so nicht nur auf die Konjunktur verlassen.

China bietet die besten Chancen für die Titelauswahl

Das offizielle nominale BIP-Wachstum Chinas hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Es liegt nach einem Rekordhoch von 15-20 % mittlerweile nur noch bei rund 6-7 %. Doch ist in "neueren" Wirtschaftsbereichen eine dramatische Wachstumsexplosion zu beobachten. So ist der Dienstleistungssektor inzwischen zum führenden Wachstumstreiber aufgestiegen.

Der E-Commerce wächst weiterhin um ein Vielfaches schneller als die zugrunde liegenden Einzelhandelsumsätze. Gleichzeitig hat sich der Anteil von Sektoren wie Gesundheit, Bildung, Reisen und Freizeit an den Konsumausgaben erhöht, da diese Bereiche wesentlich höhere Wachstumsraten als die Gesamtwirtschaft verzeichnen.

Mittlerweile setzt sich auch der Trend hin zu höherwertigen Produkten seitens der chinesischen Verbraucher fort, die nun mehr Geld für Produkte des oberen Marktsegments ausgeben. Auch wenn die Verkaufsmengen nicht so schnell steigen, erhalten die Verkaufspreise und Gewinnmargen der Unternehmen Auftrieb, die von diesen Trends profitieren. Durch die Öffnung des Markts für chinesische A-Aktien in den vergangenen Jahren gibt es jetzt sogar noch mehr Möglichkeiten, sich an diesen Trends zu beteiligen. So erachten wir China weiterhin als den chancenreichsten Markt für die Titelauswahl in der Region.

Die Disruption setzt sich fort

Technologische Entwicklungen, veränderte Geschäftsmodelle, umweltbedingte Belastungen sowie neue Konsumtrends führen an den asiatischen Märkten zu starken Veränderungen. Zwar haben diese Trends innovativen neuen Unternehmen wie Alibaba den Boden bereitet. Doch wirkt sich diese Transformation auf viele der traditionellen Unternehmen, in denen wir investiert sind, verheerend aus.

Traditionelle Einzelhandels- und Medienaktien wurden vom E-Commerce bereits dezimiert. Die Disruption schreitet nun weiter voran: So werden die Umsätze von Banken durch die neuen Fintech-Unternehmen geschmälert, und Automobilhersteller tun sich schwer mit der Umstellung von der Benzin- auf die Batterietechnologie.

Die Sorgen rund um die Disruption haben in einigen klassischen Sektoren zum Verfall von Aktienkursen geführt. So können Aktien gemessen an den Bewertungskennzahlen günstig erscheinen. Unseres Erachtens ist diese Art der Disruption althergebrachter Geschäftsmodelle potenziell schädlicher als Handelskriege oder Konjunkturabschwünge. Deshalb sind viele der unliebsam gewordenen Sektoren für uns "Wertfallen", und wir lassen bei Aktien aus den Bereichen Banken, Automobile, zyklische Unternehmen, Schwerindustrie und Rohstoffe Vorsicht walten.

Inflation und Zinsen bleiben voraussichtlich niedrig

Bei gedämpftem Wachstum und fortschreitender Disruption dürften Inflation und Zinsen sehr niedrig bleiben. Vor diesem Hintergrund bieten die Dividendenrenditen von Aktien attraktive Erträge, die in den meisten asiatischen Märkten mittlerweile weit über die risikolosen Zinsen hinausreichen. Die Ausschüttungsquoten sind in vielen Fällen noch ziemlich bescheiden. Die bilanzielle Gesamtverschuldung liegt unter den internationalen Durchschnittswerten, und wir haben keine Ertragsverbesserungen durch Aktienrückkäufe wie in den USA beobachtet.

Infolgedessen besteht beträchtliches Potenzial für höhere Ausschüttungen, da die Unternehmen bereitwilliger werden, überschüssige Barmittel an die Aktionäre auszuschütten. Im derzeitigen weltweiten Umfeld geringen Wachstums halten wir gerne Aktien, die Erträge zum grossen Teil aus Dividenden versprechen. Voraussetzung dafür ist allerdings die Aussicht auf stabile oder im Idealfall steigende Dividenden.

Der Technologiesektor könnte Wachstumspotenzial bieten

Viele Tech-Aktien haben in den vergangenen zwei Jahren an Popularität eingebüsst. So hat der weltweite Absatz von Smartphones nachgelassen, da keine neuen, essenziellen Apps eingeführt wurden, welche die Konsumenten zum Upgrade angeregt hätten. Doch die Digitalisierung der Weltwirtschaft nimmt weiter zu. Auf die Aktien von asiatischen Schlüsseltechnologieunternehmen wird sich diese Entwicklung positiv auswirken, da ja gerade sie der zentrale Treiber dieser Transformationen sind. Die bevorstehende Einführung der 5G-Netze in vielen Märkten Asiens in den nächsten zwei Jahren sollte die Nachfrage fördern. Wir sehen daher sehr gute Chancen für unsere bevorzugten Titel im IT-Sektor.

Die Strategie bleibt ausgewogen

Unsere Strategie für asiatische Aktien bleibt mit dem Wechsel ins Jahr 2020 ausgewogen. Die Marktbewertungen in Asien machen im historischen Vergleich insgesamt einen vernünftigen Eindruck. Jedoch wird hierdurch der Umstand verschleiert, dass Sektoren wie Banken, Automobile und Rohstoffe die Gesamtbewertungen nach unten ziehen. Die Aktien, die wir halten möchten, sind definitiv nicht billig. Daher erwarten wir nur bescheidene Erträge aus der Region. Wir sind aber fest davon überzeugt zu wissen, wo sich langfristig die besten Chancen in Asien befinden. Dazu gehören Aktien aus Sektoren wie chinesische Konsumgüter, Versicherungen, Technologie, Immobilien in Singapur und indische Privatbanken.

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