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09.03.2020 18:39:36

Virus und Ölpreisstreit sorgen für "Schwarzen Montag" an den Börsen

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(Zusammenfassung)

Frankfurt (awp/awp/sda/reu) - Die Coronavirus-Krise und der Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland versetzen Anleger weltweit in Panik. Der Schweizer Leitindex SMI erlebte seinen stärksten Einbruch seit 2015, der deutsche Dax den höchsten seit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001. In den USA musste gar kurzzeitig der Handel ausgesetzt werden.

Der SMI gab zwischenzeitlich um fast 700 Punkte oder 7 Prozent nach. Schliesslich beendete er den Handelstag 5,55 Prozent tiefer bei 9'196,60 Punkten. "Die Angst vor einer globalen Rezession sitzt den Anleger derzeit tief im Nacken. Und der starke Ölpreisverfall hat dann die Märkte endgültig in Panik versetzt", meinte ein Händler dazu.

Der Dax hatte zwischenzeitlich fast 1000 Punkte eingebüsst und schloss 7,94 Prozent tiefer bei 10'625,02 Punkten. Dies ist auf Schlusskursbasis gerechnet der grösste prozentuale Tagesverlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Fülle an Hiobs-Botschaften

Die Börsianer könnten die Fülle der Hiobs-Botschaften nicht mehr angemessen verarbeiten, sagte Portfoliomanager Thomas Böckelmann vom Vermögensverwalter Euroswitch. "Vielmehr wird der Ur-Fluchtinstinkt geweckt, der mittlerweile skurrile Züge annimmt, ob vor dem Supermarktregal oder an den Börsen." Der EuroStoxx 50 als Leitindex für die Aktien der Eurozone brach um 8,45 Prozent auf 2959,07 Punkte ein auf das tiefste Niveau seit Januar 2019.

Auch die Wall Street in New York öffnete mit einem Minus von knapp sieben Prozent. Der Handel wurde nach Beginn sogar kurz ausgesetzt. Am Abend lag der Dow Jones immer noch 6,4 Prozent im Minus.

In Italien, wo derzeit Millionen Menschen von Quarantänemassnahmen betroffen sind, brach die Börse um mehr als elf Prozent ein. Der MSCI-Weltindex fiel um mehr als fünf Prozent und steuerte damit auf den grössten Rückgang seit der Finanzkrise 2008 zu.

Ende der Erdöl-Förderbremse

Am Wochenende hatte Saudi-Arabien als Reaktion auf die russische Blockade einer weiteren Drosselung der Ölförderung Preise gesenkt und eine Ausweitung der Produktion angekündigt. Daraufhin brach der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um bis zu 31,5 Prozent auf 31,02 Dollar je Barrel (159 Liter) ein und steuerte auf den grössten Tagesverlust seit dem Golfkrieg 1991 zu.

Dem Terminkontrakt auf die US-Sorte WTI drohte mit einem Rückgang von bis zu 33,8 Prozent das grösste Minus seiner fast 40-jährigen Geschichte. Der Ölpreiskrieg sei zum nächsten "schwarzen Schwan" an der Börse geworden, sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst beim Brokerhaus CMC Markets - mit diesem Begriff bezeichnen Börsianer ein seltenes, unvorhersehbares Ereignis mit grossen Auswirkungen. Er berge potenzielle Kreditrisiken.

Auch Unternehmensanleihen standen auf den Verkaufslisten. Entsprechend schnellten die Renditen und die Kosten für die Kreditausfallversicherungen in die Höhe. Ein entsprechender Index, in dem Papiere mit schlechter Bonität zusammengefasst sind, schnellte um ein Drittel nach oben.

Sichere Häfen gefragt

Vor diesem Hintergrund flohen Anleger in "sichere Häfen" wie Gold. Die "Antikrisen-Währung" war mit 1702,56 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so teuer wie zuletzt vor gut sieben Jahren. Staatsanleihen waren ebenfalls gefragt.

In der Schweiz schoss der Zins-Future Conf auf Anleihen der Eidgenossenschaft um 2,4 Prozentpunkte nach oben auf 187,2 Prozent und verbuchte damit einen der grössten Kurssprünge der jüngsten Zeit.

Die Renditen der zehnjährigen Titel aus den USA und Deutschland sanken auf Rekordtiefs von plus 0,318 Prozent und minus 0,909 Prozent. Im hoch verschuldeten Italien stieg die Rendite der zehnjährigen Bonds dagegen auf plus 1,384 von 1,079 Prozent. Zuvor hatte die Regierung in Rom den bei Urlaubern beliebten und wirtschaftlich starken Norden des Landes wegen des Coronavirus praktisch komplett abgeriegelt.

Dollar unter Druck

Auch der Franken war als "sicherer Hafen" gefragt. Zeitweise fiel der Euro-Frankenkurs auf 1,05435 Franken. Am Abend erholte er sich wieder etwas auf 1,0614 Franken. Experten zufolge dürfte die SNB zuletzt vermehrt mit Fremdwährungskäufen eingegriffen haben, um der Aufwertung entgegenzuwirken.

Umgekehrt schwächelte der Dollar. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 94,65 Prozent. Investoren rechnen inzwischen damit, dass die US-Notenbank Fed den Leitzins auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche um einen weiteren vollen Prozentpunkt senkt. Sie hatte den Zins bereits vergangene Woche überraschend um einen halben Prozentpunkt herabgesetzt.

Gleichzeitig wetten sie auf eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt durch die Bank von England (BoE) Ende März und auf insgesamt drei Herabsetzungen des Einlagensatzes durch die Europäischen Zentralbank (EZB) bis Oktober. Das dürfte auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) weiter unter Druck setzen.

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