14.05.2012 18:31:19

SNB/Jordan: Autonome Geldpolitik hat sich in der Schweiz bewährt

Anzeige
Sie möchten Währungen handeln? Unser Ratgeber gibt Ihnen Tipps für den Devisenhandel.
» Währungen handeln

Zürich (awp) - In der Schweiz hat sich autonome, massgeschneiderte Geldpolitik mit grundsätzlich flexiblen Wechselkursen gemäss SNB-Präsident Thomas Jordan bewährt. Gerade auch in der aktuellen Krise sei die Autonomie von grosser Bedeutung, sagte Jordan laut Redetext am Montag am Energie-Apéro der Etavis-Gruppe. Allerdings könnten Zentralbanken nicht uneingeschränkt schalten und walten. Absprachen untereinander seien oft nützlich und auch notwendig.

Etwa in einer Krise könne die Zusammenarbeit von Zentralbanken die Wirksamkeit von autonomen Massnahmen unterstützen und verstärken, so Jordan weiter. Ausserdem gehe von autonomen, geldpolitischen Entscheiden die Gefahr aus, dass sie Nebenwirkungen oder Policy Spillovers auf andere Länder haben. Deswegen gebe es heute formelle, in internationalen Verträgen festgelegte Regeln. Die Mitglieder des International Währungsfonds (IWF) verpflichteten sich unter anderem dazu, Währungsmanipulationen zu vermeiden, wenn damit ein unfairer Wettbewerbsvorteil entstehen könnte.

EUR-CHF-MINDESTKURS INTERNATIONAL AKZEPTIERT

Bei extremen Marktverzerrungen dürfe eine Zentralbank dennoch in den Devisenmarkt eingreifen. Die Schweiz diene hierzu als Paradebeispiel: Seit der Eskalation der europäischen Staatsschuldenkrise im Sommer 2011 habe sie mit einem enormen Aufwertungsdruck auf den Franken zu kämpfen. Dieser sei mit fundamentalen Gegebenheiten nicht mehr erklärbar und stelle eine grosse Bedrohung für die Volkswirtschaft dar. So habe die SNB am 6. September 2011 einen Mindestkurs von 1,20 CHF pro Euro festgelegt.

Der Mindestkurs verletze die Spielregeln des IWF nicht, hielt Jordan in seiner Rede fest. Er werde international als ausserordentliche Massnahme akzeptiert. Die Märkte sowie die internationalen Organisationen - insbesondere der IWF - und die ausländischen Zentralbanken hätten das Ziel und die Motivation verstanden. "Wir konnten eindeutig und klar begründen, dass der Devisenmarkt infolge internationaler Ereignisse nicht mehr ordentlich funktionierte." Zudem sei mit 1,20 ein Niveau als Mindestkurs festgelegt worden, bei dem der Franken immer noch als klar überbewertet gelte.

WICHTIGE ZUSAMMENARBEIT

Die Einführung des Mindestkurses habe aber deutlich gemacht, dass es unabdingbar bleibe, dass Zentralbanken "miteinander reden". Auch unabhängig von diesem Fall werde unter Zentralbanken der Dialog gepflegt. Es finde ein Austausch relevanter Forschungserkenntnisse, Erfahrungen in geldpolitischen Belangen sowie von Einschätzungen zur globalen Konjunkturlage statt.

Neben diesem regelmässigen Wissensaustausch existierten weitere Gründe für eine Zusammenarbeit zwischen Zentralbanken, etwa dann wenn die Funktionsfähigkeit der internationalen Finanzmärkte akut bedroht sei. Zusammen könnten sie in Krisenzeiten als Market Maker of Last Resort die Bedingungen im Geldmarkt wieder normalisieren, indem sie etwa mit Swapabkommen dafür sorgen, dass ausreichend Liquidität verfügbar ist.

Schliesslich könnten gemeinsame Massnahmen einen starken psychologischen Effekt entfalten, weil sie den Finanzmärkten und den Wirtschaftsakteuren signalisieren, dass die Zentralbanken mit einer Stimme sprechen. So geschehen mit der koordinierten Zinssenkung am 8. Oktober 2008, gut drei Wochen nach dem Konkurs von Lehman Brothers.

mk

Devisenkurse

Name Kurs +/- %
Bitcoin
10374.4297
27.3994
0.26
Euro
1.1027
-0.0040
-0.36
US-Dollar
0.9817
0.0000
0.00
Japanischer Yen
0.0091
0.0000
-0.35
Pfund Sterling
1.2273
-0.0042
-0.34

Finanzen.net News

pagehit