10.08.2018 21:27:37

Devisen: Euro zum Franken weiter auf Jahrestief - Einbruch der türkischen Lira

NEW YORK (awp international) - Der Euro hat zum Franken auch im US-Geschäft bei Jahrestiefstwerten notiert. Am Abend notierte die Gemeinschaftswährung noch bei 1,1344 Fr. und nur wenig über dem kurz zuvor erreichten Tief von 1,1340 Franken. Am Freitagmorgen hatte der Euro mit 1,1423 Fr. noch fast einen Rappen mehr gekostet. Die stark gestiegene Unsicherheit habe die Investoren vorab in Europa in den Franken getrieben, kommentierte ein Analyst der Swissquote Bank.

Deutlich weniger Bewegung zeigte der Schweizer Franken dagegen zum Dollar. Die US-Währung notierte im New Yorker Handel bei 0,9952 Franken und damit nur wenig schwächer als noch am Morgen (0,9972).

Der Euro schwächte sich auch zum Dollar ab, am Abend notierte er mit 1,1399 Dollar knapp unter der Marke von 1,14. Bereits im europäischen Geschäft hatte die Talfahrt der türkischen Lira den Eurokurs auf den tiefsten Stand seit Juli 2017 gedrückt.

Ein heftiger Kurseinbruch der türkischen Lira führte auch zu Sorgen um den Bankensektor der Eurozone. Die Bankenaufsicht der EZB macht sich laut einem Bericht der "Financial Times" Gedanken um die Auswirkungen der Talfahrt auf die Banken der Eurozone. Vor allem die Konzerne BBVA , BNP Paribas und Unicredit stünden unter besonderer Beobachtung, berichtete die Wirtschaftszeitung. Die Situation sei aber noch nicht kritisch.

Ökonom Carsten Hesse von der Berenberg-Bank sieht aber keine Krise für die Institute der Eurozone heraufziehen. Die Geldhäuser des Währungsraums hätten zu geringe Summen in der Türkei investiert, um eine "signifikante Krise" verursachen zu können, lautet die Einschätzung des Experten.

Die türkische Lira erlebte am Freitag eine Talfahrt wie sie vorher kaum zu beobachten gewesen war. Bereits im frühen europäischen Handel war die Lira zum Euro und zum Dollar regelrecht eingebrochen. Der Absturz setzte sich im Tagesverlauf fort. Der Euro war erstmals mehr als sieben Lira wert und der Dollar kostete erstmals mehr als sechs Lira. Angesichts der hohen Inflation und der Talfahrt der Währung ist das Vertrauen in die türkische Geld- und Wirtschaftspolitik schwer angeschlagen.

Finanzminister Berat Albayrak versuchte die Märkte zu beruhigen. Er versprach eine Wende in der Wirtschaftspolitik und forderte eine unabhängige Notenbank. Die Märkte wurden durch die Aussagen aber nicht überzeugt. Schliesslich hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kurz zuvor den Westen für die Krise verantwortlich gemacht und zudem hatte US-Präsident Donald Trump zusätzliche Zölle auf türkischen Stahl und Aluminium angekündigt. Die Vereinigten Staaten und die Türkei befinden sich im Streit um einen in der Türkei festgehaltenen US-Pastor.

/la/he/tp

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