15.05.2019 13:00:37

Zunehmende Spannungen im Mittleren Osten

Energie: Neue Spannungen im Mittleren Osten und die von der OPEC bestätigte knappe Versorgungslage liessen die Ölpreise gestern merklich steigen. Der am Abend vom API berichtete unerwartet kräftige Anstieg der US-Rohölvorräte um 8,6 Mio. Barrel bremste den Preisanstieg aber vorerst aus. Die Nachrichtenlage spricht für weiter steigende Preise. Zwei Tage nach den Sabotageakten auf saudi-arabische Öltanker nahe der Strasse von Hormus gab es gestern einen Drohnenangriff auf zwei Pumpstationen einer Ölpipeline in Saudi-Arabien. Dahinter werden Huthi-Rebellen oder andere vom Iran unterstützte Milizen vermutet. Über die betroffene Pipeline könnte die Strasse von Hormus umgangen werden, falls es dort zu Beeinträchtigungen käme. Sowohl die USA als auch der Iran versuchten allerdings, die wachsenden Sorgen vor einer militärischen Auseinandersetzung zu zerstreuen. Berichte von US-Medien über eine geplante Entsendung von 120.000 US-Soldaten in die Krisenregion wurden von US-Präsident Trump dementiert. Dies dürfte zur kurzzeitigen Beruhigung bei den Ölpreisen beigetragen haben. Auch ohne die derzeitigen Spannungen zwischen den USA und Iran ist der Ölmarkt bereits angespannt. Dies verdeutlichte der gestrige OPEC-Monatsbericht. Demnach lag die OPEC-Ölproduktion im April ca. 900 Tsd. Barrel pro Tag unter dem geschätzten Bedarf an OPEC-Öl im zweiten Quartal. Im dritten Quartal würde das Defizit auf mehr als 1 Mio. Barrel pro Tag steigen, wenn die OPEC ihre Produktion nicht ausweitet. Wir erachten den auf die API-Lagerdaten zurückzuführenden Rückgang des Brentölpreises unter 71 USD je Barrel heute Morgen daher nur als vorübergehend.

Edelmetalle: Neben dem World Platinum Investment Council (WPIC) und Johnson Matthey (JM) hat sich Anfang der Woche auch das Research-Institut Metals Focus zur Lage an den Platin- und Palladiummärkten geäussert. Konträr zu den anderen beiden erwartet es für Platin einen deutlich höheren Angebotsüberschuss (630 Tsd. Unzen) als im letzten Jahr. Vor allem bezüglich der Investmentnachfrage zeigt es sich klar pessimistischer als der WPIC und als JM – es erwartet hier trotz der bereits erfolgten kräftigen ETF-Zuflüsse sogar einen Rückgang. Palladium soll laut Metals Focus zwar im Angebotsdefizit bleiben, dieses setzt es aber nicht so hoch an wie JM. Wegen strengeren Emissionsvorschriften wird zwar zukünftig mehr Palladium in den Autokatalysatoren benötigt. Das Angebot soll aber stärker ausgeweitet werden als die Nachfrage. Auf die Platin- und Palladiumpreise hatten diese Woche bislang aber weder die Daten von Metals Focus noch die vom WPIC oder von JM grosse Auswirkungen. Unterdessen bereiten sich die südafrikanischen Platinproduzenten auf Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften vor. Erste Gespräche auf dem Weg zu einem dreijährigen Tarifvertrag sollen noch diesen Monat stattfinden. Da die radikale Gewerkschaft AMCU wahrscheinlich wieder mit unrealistischen Forderungen in die Verhandlungen gehen wird, besteht die Gefahr eines Streiks, der das Angebot am globalen Platinmarkt beeinträchtigen könnte.

Industriemetalle: Hoffnungen der Marktteilnehmer, dass sich die USA und China nach den gestrigen Aussagen von Trump bis zum G20-Gipfel Ende Juni auf ein Handelsabkommen einigen, lassen die Metallpreise heute Morgen steigen. Unterstützt werden sie dabei auch von freundlichen Aktienmärkten. Schwache Konjunkturdaten aus China werden dagegen zumindest vorerst ignoriert. Die Industrieproduktion ist gemäss Daten des Nationalen Statistikbüros im April im Vergleich zum Vorjahr nur um 5,4% gestiegen. Die Dynamik hat damit deutlich stärker nachgelassen als erwartet. Das Produktionswachstum ist zudem auf den sehr niedrigen November-Wert zurückgefallen. Die Anlageinvestitionen haben ebenfalls die Markterwartungen verfehlt. Nach den schon schwächeren Einkaufsmanagerindizes zu Monatsbeginn haben nun auch die „harten“ Daten gezeigt, dass die chinesische Wirtschaft den Schwung aus dem März nicht mit ins neue Quartal hinübergenommen hat. Sie machen aber weitere Stimulierungsmassnahmen der chinesischen Regierung und der Zentralbank wahrscheinlicher. Während die Industrieproduktion insgesamt geschwächelt hat, hat die Stahlproduktion deutlich angezogen. Mit 85 Mio. Tonnen (+11% gegenüber Vorjahr) hat sie im April ein Rekordhoch erreicht. Die Stahlhersteller konnten wegen einer robusten Stahlnachfrage hohe Preise erzielen, was die höheren Rohmaterialkosten – insbesondere für Eisenerz – kompensierte.

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