21.02.2020 13:30:57

Virussorgen sind zurück an den Rohstoffmärkten

Energie: Ölpreise wieder unter Druck, kein vorgezogenes Treffen der OPEC+

Die Erholung der Ölpreise, die den Brentölpreis gestern kurzzeitig bis auf 60 USD je Barrel hat steigen lassen, ist vorerst beendet. Die Erleichterung über die Eindämmung des Covid-19-Virus in China war nur von kurzer Dauer. Zum einen ist China von einer Normalisierung der Lage noch immer weit entfernt (siehe auch Edelmetalle unten). Zum anderen nehmen Sorgen um eine Ausbreitung des Virus ausserhalb Chinas zu, was die Ölpreise am Morgen merklich unter Druck setzt. Brent fällt um 1,5% auf 58,3 USD je Barrel, Gasöl nähert sich der Marke von 500 USD je Tonne. Der Gasöl/Brent-Crackspread rutscht wieder unter 10 USD je Barrel. Damit steigt auch der Druck auf die OPEC und die verbündeten Nicht-OPEC-Produzenten, das überschüssige Öl vom Markt zu nehmen. Eine Vorverlegung der Sitzung ist endgültig vom Tisch, nachdem sich die russischen Ölproduzenten dagegen ausgesprochen haben. Das nächste planmässige “OPEC+”-Treffen findet ohnehin in zwei Wochen statt. Auf dem Tisch liegt der Vorschlag einer zusätzlichen Produktionskürzung um 600 Tsd. Barrel pro Tag. Zusammen mit den Ausfällen in Libyen um gut 1 Mio. Barrel pro Tag und den zu erwartenden Produktionseinbussen in Venezuela wegen der neuen US-Sanktionen würde dies wahrscheinlich ausreichen, um den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies gilt allerdings nur, wenn die Ausfälle in Libyen dauerhaft sind. Die seit einigen Tagen wieder in Backwardation handelnde Brent-Terminkurve signalisiert zumindest, dass sich das Ölangebot dank der “OPEC+”-Kürzungen kurzfristig wieder anspannen dürfte. Deutlich mehr Öl kommt dagegen aus den USA an den Markt. In der letzten Berichtswoche übertrafen die Netto-Exporte von Ölprodukten die Netto-Rohölimporte um 1,2 Mio. Barrel pro Tag. Ausserdem berichtete das US-Energieministerium einen geringer als erwarteten Lageraufbau bei Rohöl, was den Preisen jedoch keinen nennenswerten Schub mehr gab.

Edelmetalle: Virussorgen treiben Gold weiter nach oben

Die Sorgen hinsichtlich des Covid-19-Virus scheinen wieder die Oberhand gewonnen zu haben. Während das Virus in China offenbar weiter eingedämmt wird, steigen die Neuinfektionen ausserhalb Chinas, vor allem in Südkorea. Es wird befürchtet, dass sich das Virus dort wie auch in anderen asiatischen Ländern weiter ausbreitet und somit nicht nur die chinesische Wirtschaft belastet. In China ist gemäss Daten der Zentralbank die Neukreditvergabe wie auch die Gesamtfinanzierung im Januar stark gestiegen, was auch eine Reaktion der Behörden auf den Virusausbruch sein dürfte. Die chinesische Zentralbank hat ihre Geldpolitik mittlerweile weiter gelockert, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Dies schürt allerdings Sorgen, dass die ohnehin schon hohe Verschuldung der Unternehmen in China noch weiter steigt und diese später nicht mehr in den Griff bekommen wird. Darüber hinaus erwartet das chinesische Handelsministerium wegen des Covid-19-Virus einen starken Rückgang des Import- und Exportwachstums in den ersten beiden Monaten des Jahres. Gold bleibt in diesem Umfeld gut nachgefragt und legt weiter stark zu. Heute Morgen klettert es auf 1.635 USD je Feinunze und markiert damit ein neues 7-Jahreshoch. In Euro gerechnet setzt Gold seine Rekordjagd fort und verteuert sich auf 1.515 EUR je Feinunze. Silber wurde von Gold in dieser Woche mit nach oben gezogen und legte sogar leicht überproportional zu. Das Gold/Silber-Verhältnis bleibt mit 88 allerdings hoch. Zum Wochenausklang notiert Silber bei 18,5 USD je Feinunze.

Industriemetalle: Globale Aluminiumproduktion zum Jahresstart gestiegen

Das Covid-19-Virus hat sich noch nicht in den Produktionsdaten für Aluminium niedergeschlagen. Wie das International Aluminium Institute (IAI) gestern berichtete, ist die chinesische Aluminiumproduktion im Januar im Vergleich zum Vorjahr sogar marginal gestiegen. China hat demnach sowohl auf Monatsbasis als auch auf Tagesbasis im Januar so viel Aluminium hergestellt wie zuletzt im Dezember 2018. Ausserhalb Chinas hat die Produktion gemäss IAI-Daten um 1,2% zugelegt, so dass global betrachtet mit 175,8 Tsd. Tonnen pro Tag die grösste Menge Aluminium seit letztem Februar produziert wurde. Wir gehen jedoch davon aus, dass in China wegen der Transportrestriktionen und damit der Unterbrechung der Lieferketten mittlerweile auch die Aluminiumproduktion beeinträchtigt ist. Laut Einschätzung des staatlichen Research-Instituts Antaike belastet das Covid-19-Virus die Aluminiumnachfrage in China allerdings noch stärker. Antaike erwartet wegen des Virus sogar einen Rückgang der Nachfrage im Gesamtjahr 2020, was zur Folge hat, dass der chinesische Markt erstmals seit drei Jahren wieder einen Angebotsüberschuss aufweisen soll (830 Tsd. Tonnen). Je nachdem wie schnell das überschüssige Material exportiert werden kann, ist auch der globale Aluminiummarkt über kurz oder lang gut bzw. sogar überversorgt. Wir sehen daher wenig Spielraum für merklich höhere Aluminiumpreise. Heute Morgen handelt Aluminium nur knapp oberhalb der Marke von 1.700 USD je Tonne.

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