18.04.2019 13:41:35

US-Rohöllagerbestände gefallen, Ölpreise geben dennoch nach

Energie: Die Ölpreise stehen seit gestern Mittag unter Druck. Brentöl fällt am Morgen auf 71,3 USD je Barrel. Vom gestern verzeichneten 5-Monatshoch bedeutet dies einen Rückgang um ca. 1 USD. Das US-Energieministerium meldete einen Abbau der US-Rohöllagerbestände in der letzten Woche um 1,4 Mio. Barrel. Die Ölpreise profitierten davon allerdings nicht, da das API am Vortag einen noch stärkeren Lagerabbau berichtet hatte. Geringere (Netto-) Importe und eine niedrigere Rohölproduktion trugen zum Lagerabbau bei. Die Rohölverarbeitung blieb unverändert, liegt damit aber deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Der Lagerabbau bei Benzin und Destillaten setzte sich fort, fiel aber geringer aus als erwartet.
Der CO2-Preis im EU-Emissionshandel hat seit Anfang April einen (weiteren) Satz um mehr als 25% nach oben gemacht und vor wenigen Tagen mit knapp 28 EUR je Tonne ein 11-Jahreshoch erreicht. Der vorerst abgewendete ungeordnete Brexit, der ein abruptes Ausscheiden der Briten aus dem EU-ETS und möglicherweise hohe Verkäufe der britischen Unternehmen von nicht genutzten Zertifikaten impliziert hätte, hatte eine erste Erleichterungsrally ausgelöst. Das Überwinden des 2018er-Hochs dürfte dann zu technischen Anschlusskäufen geführt haben. Nicht zuletzt sind bis Ende April die Zertifikate für die verifizierten Emissionen 2018 einzuliefern, was die Nachfrage in den Versteigerungen zusätzlich angeschoben haben dürfte. Wir sehen angesichts der Dynamik und der jüngsten Muster Rückschlagsgefahr, auch wenn langfristig das knappe Angebot hohe Preise stützt.

Edelmetalle: Die Erholung von Gold währte gestern nur kurz: Es hat bereits gegen Mittag wieder ins Minus gedreht und steht seitdem unter Druck. Heute Morgen fällt es auf gut 1.270 USD je Feinunze, der niedrigste Wert seit Ende Dezember. Auch Gold in Euro gerechnet gibt nach. Mit 1.125 EUR je Feinunze weist es seit Jahresbeginn aber immerhin noch einen kleinen Gewinn auf. In Asien hat die Goldnachfrage zuletzt zwar wieder etwas angezogen, sie bleibt aber noch auf niedrigen Niveaus. Die Schweiz hat im März gemäss Daten der Zollbehörde 33,1 Tonnen Gold nach China und Hongkong sowie 24,2 Tonnen Gold nach Indien exportiert. Dies waren jeweils die grössten Mengen seit November. Die indische Zentralbank hatte vor kurzem allerdings von deutlich höheren Goldimporten Indiens im März berichtet. Dies legt nahe, dass die Schweiz nicht mehr der Hauptlieferant von Gold für Indien ist. Gleiches gilt für China. Die Goldnachfrage in China und Indien ist also wahrscheinlich etwas besser als die Schweizer Handelsdaten anzeigen. Daten des IWF zufolge haben im März wieder einige Zentralbanken Gold gekauft. Zu den grössten Käufern zählten die Türkei (17 Tonnen) und Kasachstan (über 5 Tonnen). Dagegen hat Argentinien gemäss den IWF-Daten seine Goldreserven um fast 7 Tonnen abgebaut. Schon letzte Woche hatte die chinesische Zentralbank weitere Goldkäufe gemeldet (siehe TagesInfo Rohstoffe vom 8. April). Russland dürfte im März ebenfalls weiter Gold gekauft haben. Daten hierzu werden in Kürze veröffentlicht. Den Goldpreis scheinen die Zentralbankkäufe momentan aber nicht zu unterstützen.

Industriemetalle: Der Weltstahlverband hat vorgestern seine neue halbjährliche Einschätzung zur Nachfrageentwicklung am Stahlmarkt veröffentlicht. Demnach soll die globale Stahlnachfrage in diesem und im nächsten Jahr deutlich langsamer wachsen als im letzten Jahr (1,3% bzw. 1,0% nach 2,1%). Der Verband führt das verhaltene Weltwirtschaftswachstum sowie Unsicherheiten im Handel und Volatilität an den Finanzmärkten als Gründe für die pessimistischere Einschätzung an. Für die Stahlnachfrage in den Industrienationen erwartet der Weltstahlverband in diesem Jahr sogar nur ein Wachstum von 0,3%. Dabei haben die Länder/Regionen unterschiedliche „Probleme“: In den USA lässt der Fiskalimpuls nach und die Geldpolitik normalisiert sich. Die EU kämpft mit einem sich verschlechternden Handelsumfeld und der Brexit-Unsicherheit. In Japan lassen die Bauaktivitäten nach und in Südkorea werden die Daumenschrauben am Immobilienmarkt angezogen. Dank staatlicher Stimulierungsmassnahmen soll die chinesische Stahlnachfrage 2019 noch leicht zulegen, bevor für 2020 ein Rückgang erwartet wird. Ein Lichtblick ist laut Weltstahlverband die Region Asien ex China, wo Infrastrukturmassnahmen die Stahlnachfrage unterstützen. Indien sticht unter den grössten Nachfrageländern heraus (geschätzte Wachstumsrate von über 7%) und soll die USA als Nummer 2 ablösen. Sektorseitig hält die Bauindustrie die Fahne hoch, während die Automobilindustrie kaum noch wachsen soll und der Maschinenbau auf einen weiteren Rückgang zusteuert.

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