17.07.2019 12:48:24

Trump sorgt für neue Unsicherheit: Ölpreise geben nach, Gold fällt und Silber steigt

Energie: Brentöl verbilligte sich gestern Abend um bis zu 3 USD und kostete zwischenzeitlich weniger als 64 USD je Barrel. Auslöser war der Hauch einer diplomatischen Annäherung im Atomkonflikt zwischen den USA und dem Iran: Laut US-Aussenminister Pompeo hat der Iran Gesprächsbereitschaft über sein Raketenprogramm signalisiert. Auch wenn das iranische Aussenministerium umgehend dementiert hat, konnte sich Brentöl seither kaum erholen und notiert weiterhin unter 65 USD. Denn auch die übrige Nachrichtenlage ist momentan eher “bearish”. So hatte US-Präsident Trump gestern China mit weiteren Zollerhöhungen gedroht, was die zuletzt eher etwas abgeebbten Nachfragesorgen wieder aufleben liess. Zudem meldete das American Petroleum Institute einen Rückgang der US-Rohölvorräte um lediglich 1,4 Mio. Barrel gegenüber Vorwoche. Auch aufgrund der sturmbedingten Schliessungen von Bohranlagen im Golf von Mexiko, wo gestern noch immer Produktionsausfälle von 1,1 Mio. Barrel pro Tag zu verbuchen waren, hatte man mit einem mehr als doppelt so hohen Lagerabbau gerechnet. Heute Nachmittag wird der offizielle Lagerbericht veröffentlicht, dem auch zu entnehmen sein wird, wie sich die Nachfrage im mit Abstand grössten Verbrauchsland entwickelt. Bislang hat zumindest die US-Benzinnachfrage seit Beginn der Sommerfahrsaison Anfang Mai das Vorjahresniveau gehalten; die stärker zyklische Destillatenachfrage ist dagegen in diesem Zeitraum hinter das Vorjahr zurückgefallen. Eine im Zuge des Handelskonflikts wohl auch weltweit eher schwächelnde Destillatenachfrage für Logistikzwecke dürfte u.E. auch massgeblich sein, dass der Crackspread am Dieselmarkt noch wenig von der drohender Anspannung im Zuge der Verschärfung der Schwefelgrenzwerte bei Schiffskraftstoffen (IMO2020) im kommenden Jahr zeigt.

Edelmetalle: Der Goldpreis geriet gestern Nachmittag im Zuge eines deutlich aufwertenden US-Dollar nach besser als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten zum Einzelhandel, zur Produktion im verarbeitenden Gewerbe und zum Immobilienmarkt unter Druck und nähert sich am Morgen der Marke von 1.400 USD je Feinunze. Eine Zinssenkung der Fed Ende Juli um 50 Basispunkte ist nach den gestrigen Daten weniger wahrscheinlich geworden, auch wenn die Fed Fund Futures dafür noch immer eine Wahrscheinlichkeit von ca. 20% einpreisen und die Anleiherenditen gestern nur kurzzeitig stiegen. Wir sehen das weitere Abwärtspotenzial für Gold als begrenzt und 1.400 als gute Unterstützung. Die anstehenden Fed-Zinssenkungen sollten Gold in den kommenden Monaten deutlich steigen lassen. Gold in Euro fällt nach der äusserst knappen Wahl von Ursula von der Leyen zur neuen EU-Kommissionspräsidentin auf 1.250 EUR je Feinunze. Denn dadurch bleibt der EU eine grosse institutionelle Krise erspart. Die bisherige IWF-Direktorin Christine Lagarde wird damit sehr wahrscheinlich neue EZB-Präsidentin. Lagarde ist gestern von ihrem IWF-Chefposten zurückgetreten. Auch beim Goldpeis in Euro sehen wir wegen der unmittelbar bevorstehenden EZB-Zinssenkung und der zu erwartenden Beibehaltung der ultra-lockeren Geldpolitik unter Lagarde deutlichen Spielraum nach oben. Während Palladium weiter im Korrekturmodus ist und gestern auf 1.510 USD je Feinunze fiel, legt Silber auf ein 4½-Monatshoch von 15,7 USD je Feinunze zu. Es widersetzt sich damit auch dem zuletzt gefallenen Goldpreis. Entsprechend rutschte das Gold/Silber-Verhältnis erstmals seit knapp vier Wochen wieder unter 90. Wie es scheint, zeigen die kräftigen ETF-Zuflüsse doch allmählich Wirkung. In den letzten Tagen flossen weiterhin beträchtliche Mengen in die Silber-ETFs. Seit Monatsbeginn belaufen sich die Zuflüsse auf mehr als 600 Tonnen.

Industriemetalle: Die von China am letzten Freitag veröffentlichten Importdaten zu verschiedenen Rohstoffen deuten zwar auf den ersten Blick darauf hin, dass der Handelsstreit mit den USA den Warenhandel belastet. Auf den zweiten Blick und nach den überraschend guten Konjunkturdaten vom Wochenbeginn gibt es aber andere Faktoren, die die geringeren Importe von Kupfer und Eisenerz erklären. Gemäss Daten der Zollbehörde hat China im Juni nur 326 Tsd. Tonnen Kupfer und lediglich 1,47 Mio. Tonnen Kupfererz und -konzentrat eingeführt. Dies waren 28% bzw. 17% weniger als im Vorjahr. Die chinesischen Kupferkonsumenten haben offenbar weiter auf Vorräte zurückgegriffen, wie man am fortgesetzten Abbau der Lagerbestände an der SHFE erkennen kann. Die niedrigen Preise im Juni – Kupfer notierte zeitweise unter 5.800 USD je Tonne – zusammen mit weiter gefallenen Schmelz- und Verarbeitungsgebühren haben wiederum die Margen der Schmelzen schrumpfen lassen, so dass diese weniger Erz und Konzentrat verarbeitet und somit nachgefragt haben. Die Eisenerzimporte sind im Juni um 10% gegenüber Vorjahr gefallen und haben mit nur 75,2 Mio. Tonnen den tiefsten Wert seit Februar 2016 markiert. Dies dürfte mit den seit Monaten stark steigenden Preisen zusammenhängen. Zudem haben Australien und Brasilien als Hauptlieferanten Chinas seit Monaten mit Produktionsproblemen zu kämpfen, so dass aus diesen beiden Ländern weniger Eisenerz verschifft wurde. Daher mussten die chinesischen Stahlproduzenten auf Lagerbestände zurückgreifen. Die hohen Preise machen ausserdem den Abbau des teureren und qualitativ minderwertigeren Eisenerzes in China attraktiver.

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