11.09.2019 16:05:22

Sichtbare Bremsspuren bei der Ölnachfrage

Energie: Der Anstieg der Ölpreise scheint vorerst gestoppt. Brent handelt am Morgen wieder unterhalb von 63 USD je Barrel und damit ca. 1 USD unter dem gestrigen Tageshoch. Gleiches gilt für WTI mit knapp 58 USD. Auslöser für den Rücksetzer gestern Abend war die Nachricht, dass US-Präsident Trump seinen Nationalen Sicherheitsberater Bolton nach einem Streit von dessen Posten entbunden hat. Bolton gilt als aussenpolitischer Hardliner und treibende Kraft hinter dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Es wird nun darüber spekuliert, ob die US-Regierung eine weniger harte Haltung gegenüber dem Iran einnehmen und der Iran in der Folge wieder mehr Öl exportieren könnte. Sehr wahrscheinlich ist dies allerdings nicht. Schliesslich hat Trump selbst das Atomabkommen mehrfach scharf kritisiert. Von daher ist es kaum vorstellbar, dass der US-Präsident die Sanktionen lockert oder gar aufhebt. Dies hat der Iran aber zur Vorbedingung für neue Verhandlungen mit den USA gemacht.

Die US-Energiebehörde und die Internationale Energieagentur haben ihre Prognosen für die weltweite Ölnachfrage gesenkt. Die EIA erwartet nun nur noch einen Anstieg um 890 Tsd. Barrel pro Tag in diesem Jahr, geht für 2020 aber weiterhin von einem deutlich stärkeren Anstieg um 1,4 Mio. Barrel pro Tag aus. Die IEA senkte ihre 2019er-Prognose gestern bereits zum vierten Mal in den letzten fünf Monaten, ist mit einem erwarteten Anstieg um 1 Mio. Barrel pro Tag aber nicht ganz so pessimistisch wie die EIA. Letztere reduzierte auch ihre Prognose für die US-Ölproduktion geringfügig. Kaum beachtet wurde bislang der vom API gemeldete kräftige Rückgang der US-Rohöllagerbestände in der letzten Woche um 7,2 Mio. Barrel. Dies könnte sich allerdings ändern, sollte auch das US-Energieministerium heute einen ähnlich starken Lagerabbau berichten.

Edelmetalle: Gold ist gestern im Zuge deutlich gestiegener Anleiherenditen nochmals unter Druck geraten und im späten Handel auf 1.485 USD je Feinunze gefallen. Heute Morgen legt es wieder etwas zu. Offenbar locken Preise unter 1.500 USD Käufer an. Silber hat sich gestern besser gehalten als Gold und hat seine zwischenzeitlichen Verluste bis zum Handelsende allesamt aufgeholt. Dass die von Bloomberg erfassten Silber-ETFs mit fast 200 Tonnen den bislang grössten Tagesabfluss in diesem Jahr verzeichneten, spielte keine nachhaltige Rolle. Palladium hat in den letzten Tagen die Korrektur der anderen Edelmetalle nicht mitgemacht. Es steigt heute Morgen auf ein 2-Monatshoch von über 1.570 USD je Feinunze. Damit ist es auf dem Weg zu seinem Rekordhoch vom März. Palladium zeigt sich dabei völlig unbeeindruckt von anhaltend schwachen Autoverkäufen in China. Vorgestern hatte die private China Passenger Car Association für August einen Rückgang der Autoabsätze um fast 10% im Jahresvergleich gemeldet. Heute hat der Verband der chinesischen Automobilproduzenten (CAAM) nachgezogen: Demnach sind die Autoverkäufe um 7,7% auf 1,65 Mio. Einheiten gefallen. Dies war bereits der 14. Monat in Folge mit negativen Jahresveränderungsraten. Die Handelsspannungen mit den USA und das langsamere Wirtschaftswachstum wirken sich hier klar negativ aus. Nachdem die chinesische Regierung im Juni die Subventionen für Elektroautos stark gekürzt hatte, sind seitdem auch deren Absätze deutlich zurückgegangen

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Industriemetalle: Der Aluminiumpreis hat seit Monatsbeginn spürbar angezogen und gestern die Marke von 1.800 USD je Tonne überschritten. Heute Morgen steigt er weiter auf 1.825 USD. In den letzten Tagen wurde darüber spekuliert, ob Indonesien das vorgezogene Exportverbot von Nickelerz auf Bauxit, den Ausgangsstoff in der Aluminiumproduktion, ausweiten könnte. Wurde dies von indonesischer Seite anfangs noch verneint, hat der indonesische Präsident Widodo Anfang der Woche eine Studie in Auftrag gegeben, ob es möglich ist, das Exportverbot auf andere Mineralien auszuweiten. Indonesien zählt zu den grössten Bauxit exportierenden Ländern weltweit und hat gemäss Daten von WBMS im letzten Jahr 8,7 Mio. Tonnen ausgeführt. In diesem Jahr waren es von Januar bis Mai demnach bereits über 6 Mio. Tonnen. Als Faustformel gilt, dass aus zwei Tonnen Bauxit eine Tonne Alumina und wiederum aus zwei Tonnen Alumina eine Tonne Aluminium hergestellt wird. Ein indonesisches Exportverbot von Bauxit könnte zunächst also durchaus beträchtliche Auswirkungen auf den Aluminiummarkt haben. Unterdessen haben sich mehrere japanische Abnehmer mit ihren Lieferanten auf eine Prämie von 97 USD je Tonne beim Kauf von Aluminium im vierten Quartal geeinigt. Dies sind 10% weniger als im laufenden Quartal und auch weniger als zunächst von den Produzenten gefordert und spricht nicht für einen angespannten Aluminiummarkt – zumindest nicht in Asien. Aus Handelskreisen heisst es, dass zum Beispiel Lieferungen aus Australien, die für die USA geplant waren, nach Asien umgelenkt werden. Japan ist der grösste Aluminiumimporteur in Asien.

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