18.09.2019 13:30:26

Saudi-Arabien will Ölproduktion schnell wieder hochfahren, Ölpreise geben nach

Energie: Die schwerwiegenden Angriffe auf Öleinrichtungen in Saudi-Arabien vom letzten Wochenende halten den Ölmarkt weiter in Atem. Gestern Nachmittag brachen die Ölpreise um ca. 6% ein, nachdem Saudi-Arabien Sorgen vor länger anhaltenden Angebotsausfällen verringerte. Energieminister bin Salman und Saudi Aramco-Chef Nasser betonten, dass die Ölproduktion schon Ende des Monats wieder ihr normales Niveau erreichen würde. Dank des Rückgriffs auf die reichlichen Lagerbestände könnten die Wünsche der Kunden schon jetzt vollständig erfüllt werden. Bin Salman geht für September und Oktober von einer durchschnittlichen Ölproduktion von 9,89 Mio. Barrel pro Tag aus. Das wäre sogar etwas mehr als im August. Noch am Vortag hatte es aus verschiedenen Quellen geheissen, die Normalisierung würde mehrere Wochen oder gar Monate dauern. Möglicherweise hängt der zur Schau gestellte Optimismus mit dem geplanten Börsengang von Saudi Aramco zusammen, für den man ein positives Marktumfeld benötigt und um Vertrauen der Investoren werben muss. Ein längerer Produktionsausfall wäre daher kontraproduktiv. Selbst wenn es Saudi Aramco tatsächlich gelingen sollte, die Produktion derart schnell wieder hochzufahren, ist eine baldige Rückkehr der Ölpreise auf das Niveau von vor den Angriffen nicht zu erwarten. Denn die Frage der Urheberschaft der Angriffe steht weiter im Raum. Die USA wollen Erkenntnisse haben, dass diese vom Südwesten des Iran ausgeführt wurden. Heute will Saudi-Arabien Beweise einer iranischen Beteiligung an den Attacken vorlegen. Sollten sich diese als stichhaltig erweisen, würden Vergeltungsmassnahmen der USA und Saudi-Arabien wahrscheinlicher. Dies spricht für eine höhere Risikoprämie auf den Ölpreis.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle: Stützende wie belastende Faktoren halten sich am Goldmarkt aktuell die Waage. Auf der einen Seite wirken die geopolitischen Ängste zusammen mit den Konjunktursorgen unterstützend. Auf der anderen Seite war der jüngste Preisanstieg auch sehr schnell und stark spekulativ getrieben. Es dürfte also eine gewisse Zeit andauern, bis sich der Goldpreis nachhaltig über der psychologisch wichtigen Marke von 1.500 USD je Feinunze etablieren kann. Doch die preisstützenden Faktoren sollten u.E. längerfristig die Oberhand gewinnen. Heute Abend wird es nicht nur wichtig sein, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen wie vom Markt erwartet um weitere 25 Basispunkte senkt, sondern auch welche weiteren Massnahmen der Fed-Vorsitzende Powell in der Pressekonferenz in Aussicht stellen wird. Aktuell legt die Fed anscheinend ein grösseres Augenmerk auf die zuletzt schwächelnde konjunkturelle Lage. Doch auch die Geldstabilität, sprich Inflation, spielt bei den geldpolitischen Entscheidungen eine wichtige Rolle. Zwar sind die US-Konsumentenpreise im August um lediglich 1,7% ggü. Vorjahr gestiegen. Das war allerdings vor allem auf einen Öl- und Benzinpreisrückgang zurückzuführen und dürfte im Zuge der jüngsten Ölpreisverteuerung wieder rückgängig gemacht werden. Die Kerninflation ist dagegen im August mit 2,4% ggü. Vorjahr auf den höchsten Stand seit September 2008 gestiegen und liegt damit bereits über dem aktuellen Leitzins. Da die Fed angesichts des politischen Drucks aus dem Weissen Haus und der schwächeren Wirtschaftsdaten wohl kaum darauf reagieren kann, dürfte das Umfeld für den Sachwert und Kapitalschutz Gold weiterhin attraktiv bleiben.

Industriemetalle: Die Preiserholung von Eisenerz ist ins Stocken geraten. Nachdem der meistgehandelte Futures-Kontrakt seit Ende August innerhalb von zwei Wochen um 18% gestiegen war – der Anstieg war unter anderem technisch bedingt, da die 200-Tage-Linie überwunden wurde –, ist er in dieser Woche bislang wieder um 3,5% auf rund 93 USD je Tonne gefallen. Wie bei den Industriemetallen haben die schwachen chinesischen Konjunkturdaten für August auch bei Eisenerz zum Preisrückgang beigetragen. Denn die schwachen Daten haben Sorgen über die Nachfrage nach Eisenerz mit sich gezogen. China ist der mit Abstand grösste Konsument von Eisenerz. Darüber hinaus hat sich das weltweit grösste Minenunternehmen in seinem gestern veröffentlichten Jahresbericht optimistischer zum Angebot geäussert. Nach den Ausfällen in der ersten Jahreshälfte soll sich die Produktion längerfristig wieder normalisieren. Die Marktteilnehmer gehen generell von einer besseren Angebotslage aus, wie man an der Terminkurve erkennen kann, die weiter stark in Backwardation ist. Die Terminkurve zeigt für das kommende Frühjahr einen Preis unter 80 USD und für Ende 2020 unter 75 USD an.

Ab heute veröffentlichen die International Study Groups ihre monatlichen Statistiken zum Angebot und zur Nachfrage an den jeweiligen Metallmärkten. An der Unterversorgung der meisten Märkte zur Jahresmitte dürfte sich nicht viel geändert haben. In Anbetracht des Handelsstreits zwischen den USA und China sowie der Konjunkturrisiken dürfte dies den Preisen aber kaum Auftrieb geben.

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