08.01.2019 13:27:48

Saudi-Arabien will Ölexporte deutlich kürzen

Energie: Die Ölpreise stiegen gestern zunächst weiter. Brent erreichte in der Spitze knapp 59 USD je Barrel, WTI fast die Marke von 50 USD. Am Abend setzten Gewinnmitnahmen ein, die die zwischenzeitlich deutlichen Tagesgewinne schmälerten. Nach einem Preisanstieg um 9 USD innerhalb von wenigen Handelstagen ist dies nicht überraschend. Für Preisauftrieb sorgte gestern die Meldung, wonach Saudi-Arabien beabsichtigt, die Rohölexporte bis Ende Januar um 800 Tsd. Barrel pro Tag gegenüber dem November-Niveau zu reduzieren. Die Exporte sollen dann bei 7,1 Mio. Barrel pro Tag liegen. Dieses Niveau hatte bis Sommer letzten Jahres Bestand, bevor Saudi-Arabien die Produktion deutlich erhöhte. Saudi-Arabien setzt somit die vereinbarten Produktionskürzungen um. Bereits im Dezember hatte der grösste OPEC-Produzent laut einer Reuters-Umfrage seine Ölproduktion um 400 Tsd. auf 10,6 Mio. Barrel pro Tag reduziert. Energieminister al-Falih hatte bei der OPEC-Sitzung Anfang Dezember eine weitere Reduktion auf 10,2 Mio. Barrel pro Tag für Januar in Aussicht gestellt. Im Gegensatz zu WTI und US-Erdgas wurden für Brent und Gasöl neue Daten zur Marktpositionierung veröffentlicht. Diese wiesen für Ende Dezember jeweils einen weiteren Rückgang der spekulativen Netto-Long-Positionen aus. Bei Brent nähern sie sich wieder dem 3-Jahrestief von Anfang Dezember. Bei Gasöl sind die Netto-Long-Positionen nahezu vollständig verschwunden. Niedriger waren sie zuletzt im August 2016, als Netto-Short-Positionen bestanden. Mit anderen Worten, viele Spekulanten haben kurz vor dem jüngsten Preisanstieg verkauft und diesen somit verpasst.

Edelmetalle: Während Gold wegen Gewinnmitnahmen seit gestern Nachmittag etwas unter Druck steht, hält sich Palladium noch über der Marke von 1.300 USD je Feinunze, die es Ende letzter Woche erstmals überhaupt überwunden hatte. Damit setzt Palladium seinen Höhenflug, der bereits im Sommer begann, auch zu Beginn des neuen Jahres fort. Der Palladiummarkt ist offenbar weiterhin sehr knapp, was sich in der Terminkurve widerspiegelt, die stark in Backwardation ist. So liegt der Kasse-Preis gut 60 USD über dem Preis des meistgehandelten Futures-Kontraktes (Fälligkeit März). Möglicherweise versuchen einige Händler und Verbraucher in Erwartung strikterer Abgasnormen, die mehr Palladium in den Katalysatoren mit sich bringen, sich mit Palladium einzudecken. Der Preis könnte aber auch durch spekulative Finanzinvestoren nach oben getrieben sein. Wegen der Schliessung von Regierungsbehörden in den USA gibt es hierzu aber seit Mitte Dezember von der CFTC keine Daten. In den USA wurden im letzten Jahr 17,3 Mio. Fahrzeuge verkauft, nur leicht mehr als im Vorjahr. Dennoch war dies das vierte Jahr in Folge mit Absätzen von über 17 Mio. Fahrzeugen. Allerdings waren im letzten Jahr Industriekreisen zufolge hauptsächlich SUVs gefragt. Die anderen Fahrzeugkategorien verzeichneten fast alle Rückgänge. Zudem half die Steuerreform von US-Präsident Trump. Dieser Effekt wird sich 2019 wohl nicht wiederholen, so dass die Autoindustrie in diesem Jahr ein schwierigeres Jahr vor sich hat.

Industriemetalle: Die Metallpreise haben ihre Gewinne von Ende letzter Woche zwar weitgehend verteidigt, aber trotz des schwächeren US-Dollar und freundlicher US-Aktienmärkte keinen weiteren Boden hinzugewonnen. Kupfer handelt am Morgen bei gut 5.900 USD je Tonne. Die chilenische Kupferproduktion ist im November gemäss Daten der nationalen Statistikbehörde INE gegenüber Vorjahr um 7% gestiegen. Dies ist auf eine höhere Verarbeitungsrate von Kupfererz und auf einen höheren Metallgehalt im Erz zurückzuführen. Von Januar bis November wurden 5,34 Mio. Tonnen Kupfer produziert, 6% mehr als im Vorjahr. Die Produktion dürfte 2018 insgesamt ein Mehrjahreshoch erreicht haben. Vor allem in der „Escondida“-Mine wurde 2018 nach den streikbedingten Ausfällen im Vorjahr wieder deutlich mehr Kupfer produziert. Zudem wurden in dem Minenkomplex weitere Verarbeitungsanlagen in Betrieb genommen. Auch in Peru wurde im November laut Regierungsangaben deutlich mehr Kupfer produziert. Ab heute führen die beiden grossen Rohstoff-Indizes, der S&P GSCI und der Bloomberg Commodity Index, ihr jährliches Rebalancing durch. Im Industriemetallbereich dürften die grössten Auswirkungen bei Zink zu spüren sein. Denn Zink war 2018 der grösste Verlierer im Sektor, entsprechend muss es jetzt wieder nachgekauft werden. Investmentprodukte im Umfang von ca. 150 Mrd. USD bilden die beiden Rohstoff-Indizes ab und müssen daher die Änderungen in der Gewichtung nachvollziehen.

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