21.08.2019 13:25:41

Saudi-Arabien und Kanada halten Ölangebot knapp

Energie: Die Ölpreise befinden sich weiter im Aufwind. Brentöl handelt erstmals seit einer Woche wieder über der Marke von 60 USD je Barrel. WTI steigt nach dem Kontraktwechsel auf 56,5 USD. Auftrieb gibt ein stärker als erwartet ausgefallener Rückgang der US-Rohöllagerbestände um 3,5 Mio. Barrel, den das API gestern nach Handelsschluss veröffentlichte. Bemerkenswert ist auch der kräftige Lagerabbau in Cushing um knapp 3 Mio. Barrel. Dieser kann auch als nachträgliche Erklärung für das jüngste Zusammenlaufen der Preisdifferenz zwischen Brent und WTI dienen. Der jüngste Preisanstieg ist u.E. fundamental gerechtfertigt. Der Ölmarkt ist derzeit und für den Rest des Jahres unterversorgt. Wir sehen daher für die Preise weiteres Potenzial nach oben. Saudi-Arabien tut weiterhin alles dafür, um das Ölangebot knapp zu halten und höhere Preise zu erzielen. Laut Daten von JODI sanken die saudi-arabischen Ölexporte im Juni auf 6,72 Mio. Barrel pro Tag. Das waren 220 Tsd. Barrel weniger als im Mai. Vor kurzem hatte Saudi-Arabien verlauten lassen, dass die Ölexporte auch im August und September bei weniger als 7 Mio. Barrel pro Tag liegen werden. Dies deckt sich mit den jüngsten Produktionszahlen. Laut OPEC-Monatsbericht förderte Saudi-Arabien eigenen Angaben zufolge im Juli 9,58 Mio. Barrel Rohöl pro Tag. Das sind 730 Tsd. Barrel pro Tag weniger als laut Kürzungsvereinbarung möglich wäre. Auch in Kanada bleibt das Ölangebot eingeschränkt. Die Provinzregierung von Alberta verlängerte die seit Jahresbeginn geltenden Produktionsbeschränkungen bis Ende 2020. Grund hierfür sind anhaltende Pipelineengpässe, die zu einem erneuten Überangebot und grösseren Preisabschlägen für kanadisches Öl führen könnten. Da die Ausnahmen etwas gelockert wurden, sind allerdings weniger Firmen von den Beschränkungen betroffen als bislang.

Edelmetalle: Gold hat gestern im Zuge einer höheren Risikoaversion wieder die Marke von 1.500 USD je Feinunze zurückerobert. Diese scheint aber nicht so einfach zu halten zu sein. Der Preisanstieg ging mit weiteren ETF-Zuflüssen einher. In Italien ist der italienische Ministerpräsident zurückgetreten, was Neuwahlen zur Folge haben könnte. Eine noch EU-kritischere Regierung als ohnehin schon dürfte die politischen Risiken in der Eurozone wieder in den Vordergrund rücken. Daneben ist unseres Erachtens das Risiko eines ungeordneten Brexit gestiegen, nachdem der britische Premierminister Johnson wiederholt Nachverhandlungen gefordert hat, insbesondere zum irischen Backstop. Die EU hat dies jedoch stets abgelehnt. An dieser Haltung dürften auch die Antrittsbesuche von Johnson in Deutschland und Frankreich heute und morgen nichts ändern. Bis zum geplanten Austritt Grossbritanniens aus der EU Ende Oktober ist nicht mehr viel Zeit.

Die Schweiz hat im Juli laut gestern veröffentlichter Daten der Zollbehörde rund 120 Tonnen Gold exportiert. Das war fast dreimal so viel wie im Vormonat und der höchste Monatswert seit April. Interessant ist dabei ein Blick auf die regionale Zusammensetzung. Ungefähr drei Viertel der Exporte gingen nach Grossbritannien, 10 Tonnen nach China, 8 Tonnen nach Indien und 2 Tonnen nach Hongkong. Dies unterstreicht, dass die Goldnachfrage derzeit vor allem durch ETF-Käufe getrieben ist. Denn die ETF-Anbieter haben vielfach ihren Sitz in London, was die starken Lieferungen nach Grossbritannien erklärt. Höher als im Juli waren sie zuletzt im September 2012. Weiterhin schwach hingegen präsentiert sich die Nachfrage in Asien, was angesichts der (rekord)hohen Preise keine grosse Überraschung darstellt.

Industriemetalle: Eine bedingt durch politische Risiken (siehe Edelmetalle oben) höhere Risikoaversion der Marktteilnehmer hat gestern nach einem freundlichen Start doch wieder zu Verlusten bei den Industriemetallen geführt. Kupfer fiel um 1% auf gut 5.700 USD je Tonne, Aluminium verbilligte sich um 0,7% auf 1.780 USD. Zink gab um 1,6% nach und verzeichnete bei 2.220 USD je Tonne den tiefsten Stand seit fast drei Jahren. Heute Morgen zeigen sich die Metallpreise nur leicht erholt. Kupfer wird durch ein hohes Angebotsdefizit gestützt, das die International Copper Study Group (ICSG) gestern Abend berichtete. Demnach wies der globale Kupfermarkt in der Zeit von Januar bis Mai auf saisonbereinigter Basis ein Defizit von 160 Tsd. Tonnen auf. Dies war deutlich grösser als im Vorjahr und ist auf eine niedrigere Produktion zurückzuführen. Zur geringeren Raffinadeproduktion trugen laut der ICSG Probleme in Chile (Ausfall von Schmelzen wegen Modernisierungsarbeiten), Indien (zwangsweise Stilllegung einer grossen Schmelze) und Sambia (unter anderem Stromversorgungsengpässe) bei. Die Nachfrage zeigte sich unverändert im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dass die globale Aluminiumproduktion wie vom International Aluminium Institute (IAI) ausgewiesen im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 1,3% gefallen ist und auf Tagesbasis die geringste Menge seit vier Monaten produziert wurde, spielte gestern am Markt keine Rolle. Den Rückgang, für den fast ausschliesslich China verantwortlich war, sollte man jetzt allerdings auch nicht überinterpretieren. Denn grundsätzlich betrachtet läuft die Aluminiumproduktion nach wie vor auf Hochtouren.

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