20.09.2019 15:00:19

Saudi-Arabien kaschiert Probleme zu Hause

Energie: Wir haben darauf hingewiesen, dass uns angesichts des Konflikts zwischen Saudi-Arabien/USA und dem Iran eine “geopolitische Prämie” von rund 3 USD je Barrel zu niedrig erscheint. Nach der Verschärfung der US-Sanktionen gegen den Iran und der Kriegs-Rhetorik auf beiden Seiten ist die Gefahr einer Eskalation des Konflikts und weiterer Angriffe auf Öleinrichtungen in der Region gross. Auch ist der tatsächliche längerfristige Effekt der Angriffe auf die saudische Ölinfrastruktur noch schwer abzuschätzen, weil das Land mögliche Probleme angesichts der wichtigen Kundenbeziehungen und des bevorstehenden Börsengangs von Saudi Aramco wohl kaschieren dürfte. Die Nachricht, dass Saudi-Arabien womöglich sogar Rohöl importieren wird, um seinen Lieferverpflichtungen nachzukommen, hat den Brentölpreis gestern um 2 USD auf 65,5 USD je Barrel steigen lassen. Es ist durchaus üblich für einige OPEC-Länder Ölprodukte zu importieren, da sie selbst unzureichend Raffineriekapazitäten besitzen. Manchmal müssen Länder wie z.B. Venezuela auch andere Rohölsorten zur Beimischung kaufen, um die eigenen Ölexporte marktfähiger zu machen. Doch der Umstand, dass der weltgrösste Ölexporteur Saudi-Arabien, der normalerweise täglich über 7 Mio. Barrel Rohöl exportiert, nun Öl importiert, hat eine ganz andere Dimension. Bloomberg berichtete, dass Saudi Aramco die irakische nationale Ölgesellschaft SOMO wegen der Lieferung von über 20 Mio. Barrel Rohöl kontaktiert hat. Das würde darauf hinweisen, dass die Schäden an der saudischen Infrastruktur grösser und nachhaltiger sind als man es glauben lassen will. Um den Lieferverpflichtungen im vollen Umfang nachzukommen, müsste man wohl neben dem Abbau der Reserven auf Importe aus den Nachbaarstaaten zurückgreifen. Dies ist verständlich, wenn man berücksichtigt, dass vor allem bei der leichten schwefelarmen Ölsorte Arab Light Engpässe entstehen könnten, weshalb einige Kunden jetzt andere Ölsorten erhalten werden.

Edelmetalle: Unterstützt durch einen etwas schwächeren US-Dollar und ETF-Zuflüssen hat Gold wieder die Marke von 1.500 USD je Feinunze zurückerobert. Auch die anderen Edelmetalle legen zum Wochenausklang zu. Dabei sticht Palladium hervor, das auf ein Rekordhoch von 1.647 USD je Feinunze steigt, nachdem es gestern schon spürbar angezogen hat. Handelskreisen zufolge hat gestern ein grosser Palladiumkonsument seinen Bedarf abgesichert und entsprechend Palladium gekauft. Die ETF-Investoren halten sich dagegen schon seit Wochen mit Käufen zurück.

Die Schweiz hat im August deutlich mehr Gold exportiert als im Vormonat. Gemäss Daten der Zollbehörde wurden fast 175 Tonnen ausgeführt, der Grossteil davon nach Grossbritannien. Die gemeldeten 112,5 Tonnen ist die grösste Menge seit mindestens 2012. Wir führen dies auf die rege ETF-Nachfrage zurück – im August gab es laut Bloomberg 102 Tonnen Zuflüsse. Viele europäische Gold-ETFs sind in London beheimatet, so dass das Gold der Anleger entsprechend in Grossbritannien verwahrt wird. Daneben hat die Schweiz auch wieder mehr Gold nach China exportiert (25,3 Tonnen), trotz der hohen lokalen Goldpreise dort. Offenbar wird wegen der Unruhen in Hongkong mehr Gold direkt nach China geschickt, anstatt den „Umweg“ über die Sonderverwaltungszone zu nehmen. Die Schweizer Goldexporte nach Indien sind dagegen weiter zurückgegangen und lagen mit 5,9 Tonnen auf dem niedrigsten Niveau seit mindestens 2014. Der Goldpreis in Indischer Rupie war im August auf ein Rekordhoch nach oben gesprungen, was indische Konsumenten wohl von Goldkäufen abgehalten hat. Die Inder sind grundsätzlich sehr preissensitiv.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Industriemetalle: Die OECD hat ihre Prognose für das diesjährige Weltwirtschaftswachstum auf 2,9% gesenkt, den geringsten Wert seit der Finanzkrise. Sie macht dafür die sich intensivierenden Handelskonflikte verantwortlich. Ebenso mahnt sie an, dass die Regierungen nicht genug tun würden, um den dadurch entstehenden langfristigen Schaden zu verhindern. Die Metallpreise zeigen sich von dieser Meldung jedoch relativ unbeeindruckt. Unterstützt durch einen etwas schwächeren US-Dollar legen sie heute Morgen zumeist moderat zu. Etwas stärker bergauf geht es für Nickel: Es steigt um 1,5% auf rund 17.500 USD je Tonne. Die International Nickel Study Group (INSG) hatte gestern Abend für den globalen Nickelmarkt in den ersten sieben Monaten des Jahres ein Angebotsdefizit von 48,2 Tsd. Tonnen berichtet. Dieses war allerdings nur halb so hoch wie im Vorjahr und liegt auch noch deutlich unter der Schätzung der INSG für das Gesamtjahr (84 Tsd. Tonnen). Der von der indonesischen Regierung vorgezogene Exportstopp von Nickelerz wird sich erst im nächsten Jahr in der Statistik niederschlagen. Ein andauerndes Angebotsdefizit dürfte auch die International Copper Study Group für den globalen Kupfermarkt vermelden, wenn sie heute ihre Daten veröffentlicht. Die Daten des International Aluminium Institute wiederum dürften zeigen, dass ausgehend von China die globale Aluminiumproduktion im August etwas rückläufig war. Ob dies den Preisen im aktuellen Marktumfeld weiteren Auftrieb gibt, ist unseres Erachtens aber fraglich.

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