15.10.2019 13:30:00

Saudi-Arabien hält Ölangebot knapp, Ölpreise dennoch im Rückwärtsgang

Energie – Saudi-Arabien hält Ölangebot knapp, Ölpreise dennoch im Rückwärtsgang: Die grösser werdende Skepsis über eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China (siehe Industriemetalle unten) setzt auch die Ölpreise unter Druck. Brent fällt am Morgen unter 59 USD je Barrel, WTI im Tief auf 53 USD. Die gestern veröffentlichten robusten chinesischen Rohölimporte für September spielen am Markt dagegen keine Rolle, ebensowenig die militärische Eskalation durch den Einmarsch der Türkei in die Kurdengebiete im Norden Syriens. Im betroffenen Gebiet wird zwar kein Öl produziert. Allerdings könnte sich der Konflikt auf benachbarte Regionen ausbreiten, was sehr wohl Auswirkungen auf das Ölangebot hätte. Betroffen hiervon wäre insbesondere die Ölproduktion im Norden des Irak, zumal das dort geförderte Öl via Pipelines über das Kurdengebiet in die Türkei transportiert wird. Preisbelastend wurden Äusserungen des saudi-arabischen Energieministers bin Salman aufgenommen, wonach die Ölproduktion im Oktober und November bei 9,86 Mio. Barrel Rohöl pro Tag liegen soll und damit etwas höher als vor den Angriffen auf die Öleinrichtungen Mitte September. Allerdings will Saudi-Arabien an den freiwilligen Produktionskürzungen um ca. 400 Tsd. Barrel pro Tag festhalten, was sich wahrscheinlich auf die Kürzung gegenüber der im “OPEC+”-Abkommen vereinbarten Produktionsmenge bezieht, die bei 10,33 Mio. Barrel pro Tag liegt. Ein Argument für niedrigere Ölpreise ist dies daher nicht. Anders verhält es sich dagegen mit Berichten aus gut informierten Quellen, wonach das grösste asiatische Raffinerieunternehmen wegen der sehr hohen Tankerraten im Dezember angeblich weniger Öl importieren will. Die weltweiten Tankerraten sind deutlich gestiegen, seit die USA ein chinesisches Unternehmen mit grosser Tankerflotte wegen Ölgeschäften mit dem Iran mit Sanktionen belegt haben.

Edelmetalle – Palladium steigt trotz schwacher Autoabsätze in China weiter: Die neuerliche Skepsis im Handelsstreit zwischen den USA und China (siehe Industriemetalle unten) hat Gold gestern zwischenzeitlich etwas Auftrieb gegeben. Es hat sich daher wieder der Marke von 1.500 USD je Feinunze genähert, dieses Niveau aber trotz weiterer ETF-Käufe nicht halten können. Heute Morgen fällt es auf 1.490 USD zurück, obwohl US-Präsident Trump letzte Nacht umfangreiche Sanktionen gegen die Türkei verhängt hat, die die (geo-)politischen Risiken unterstreichen.

Palladium scheint nicht zu stoppen: Es markiert heute Morgen bei knapp 1.730 USD je Feinunze ein neues Rekordhoch. Wir sehen spekulative Finanzinvestoren hinter dem Preisanstieg. Diese haben laut CFTC-Statistik in der Woche zum 8. Oktober ihre Netto-Long-Positionen bei Palladium auf den höchsten Stand seit Februar 2018 ausgeweitet. Aus fundamentaler Sicht gibt es unseres Erachtens derzeit aber keine zwingenden Gründe, den Preis immer weiter nach oben zu treiben. So sind die chinesischen Autoabsätze auch im September zurückgegangen, und zwar um 6,3% gemäss Daten des Verbands der chinesischen Automobilproduzenten. Dies war bereits der 15. Monat in Folge mit negativen Jahresveränderungsraten. Es ist nach wie vor kein Licht am Ende des Tunnels sichtbar, obwohl die chinesischen Behörden Massnahmen ergriffen haben, um die Autoabsätze anzukurbeln. Die Behörden hatten zur Jahresmitte aber auch die Anreize zum Kauf von Autos mit alternativen Antriebsformen deutlich zurückgefahren – mit dem Resultat, dass die Absätze dieser Autos mittlerweile eingebrochen sind.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Industriemetalle – Wieder Skepsis im Handelsstreit: Gut informierten Kreisen zufolge möchte China mit den USA in diesem Monat weitere Gespräche führen und Details ausarbeiten, bevor es die letzten Freitag erzielte Teileinigung im Handelsstreit unterschreibt. Ebenso fordert China angeblich von US-Präsident Trump, dass er auch die geplante Zollanhebung im Dezember fallen lässt, was von US-Finanzminister Mnuchin zurückgewiesen wurde. Dies hat bei den Marktteilnehmern die Skepsis grösser werden lassen, dass sich beide Seiten überhaupt einigen werden. Entsprechend verzeichneten die Metallpreise gestern Verluste. Nickel brach innerhalb weniger Minuten sogar um fast 6% auf 16.500 USD je Tonne ein – der grösste Tagesverlust seit über 3½ Jahren –, allerdings ohne spezifische Nachrichten. Dies deutet auf die Liquidation von Long-Positionen hin.

China hat viel Eisenerz und Kupfer importiert: In der Nachlese der Handelsgespräche ging die chinesische Handelsstatistik für September gestern fast unter. Wohl belastet durch den Handelsstreit gingen die Exporte weiter zurück. Dies lag aber nicht an den Rohstoffen. So wurden zum Beispiel im September mehr Stahl und Stahlprodukte ausgeführt als im August. Die Rohstoffimporte zeigten sich im September sogar ziemlich stark. Mit fast 100 Mio. Tonnen hat China gemäss Daten der Zollbehörde die drittgrösste Menge Eisenerz in einem Monat überhaupt eingeführt. Dies wird auf eine gute Nachfrage seitens der Stahlproduzenten und auf ein höheres Angebot am seewärtigen Markt zurückgeführt. Der weltweit grösste Eisenerzproduzent aus Brasilien hat letzte Nacht einen 35%-igen Anstieg seiner Produktion im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal gemeldet. Die Produktion erholt sich somit weiter nach den Ausfällen in Folge des Dammbruchs. Neben Eisenerz hat China im September auch viel Kupfer importiert – und zwar 445 Tsd. Tonnen bzw. die grösste Menge seit Januar. Saisonal üblich steigt die chinesische Kupfernachfrage nach den Sommermonaten. Darüber hinaus hat China die Einfuhren von Kupferschrott seit Jahresmitte stark eingeschränkt, so dass die Händler vermehrt auf Kupferraffinade und Kupferkonzentrat zurückgreifen.

Finanzen.net News

pagehit
FinanzenNet.Finando.Web.Core.Areas.Article.ViewModels.News.DetailsViewModel FinanzenNet.Finando.Web.Core.Extensions.VueComponent ;