21.10.2019 14:31:58

Rückzug der Finanzanleger aus Öl und Gold

Energie – Anleger ziehen sich aus Öl zurück, Russland verfehlt Produktionsziel erneut: Die Ölpreise starten kaum verändert in die neue Handelswoche. Brent handelt weiterhin unter der Marke von 60 USD je Barrel. Die dafür verantwortlichen Nachfragesorgen wurden durch die jüngsten Schätzungen und Kommentare der Energieagenturen neu entfacht. Solange es nicht zu einer durchschlagenden Lösung im US-chinesischen Handelsstreit kommt, dürfte sich am angeschlagenen Stimmungsbild am Ölmarkt nichts ändern. Dies zeigt sich auch im Verhalten der spekulativen Finanzanleger. Diese ziehen sich seit Wochen aus den Long-Kontrakten bei Rohöl zurück bzw. sie wechseln auf die Short-Seite. Die Netto-Long-Positionen bei Brent und WTI sind daraufhin deutlich gesunken. Bei Brent lagen sie per 15. Oktober mit rund 190 Tsd. Kontrakten auf dem niedrigsten Stand seit Januar, bei WTI mit 90 Tsd. Kontrakten ebenfalls so niedrig wie zuletzt zu Jahresbeginn. Angesichts des aktuell angespannten Ölmarktes und der Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien vor gut einem Monat ist dieses Anlegerverhalten erstaunlich. Wir denken, dass der Markt den Angebotsrisiken zu wenig Beachtung beimisst und erachten ein Brentölpreis von 65 USD als gerechtfertigt.

Russland tut sich weiterhin schwer, die vereinbarten Produktionskürzungen vollständig umzusetzen. Energieminister Nowak zufolge lag die Fördermenge im September 200 Tsd. Barrel pro Tag unter dem Referenzniveau. Damit fehlten zur Zielerfüllung rund 30 Tsd. Barrel pro Tag. Als Grund nannte er Sonderfaktoren wie eine höhere Produktion von Erdgaskondensaten im Vorfeld des Winters. Im Oktober will man die zugesagte Produktionskürzung vollständig umsetzen. Zweifel daran sind angebracht. Tatsächlich gelungen ist dies nur zwischen Mai und Juli, als Russland die Ölproduktion wegen der Verunreinigung in der Druschba-Ölpipeline erzwungenermassen drosseln musste.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle – Spekulative Übertreibung bei Gold grösstenteils gewichen: Der Goldpreis handelt zum Auftakt in die neue Handelswoche wenig verändert bei 1.490 USD je Feinunze. Silber steigt auf 17,75 USD je Feinunze, so dass das Gold/Silber-Verhältnis auf 84 fällt. Platin verteuert sich auf gut 890 USD je Feinunze. Palladium steigt auf 1.775 USD je Feinunze und nähert sich damit wieder dem letzte Woche verzeichneten Rekordhoch. Der Preisrückgang bei Gold Mitte Oktober unter 1.480 USD ging mit einem merklichen Rückgang der spekulativen Netto-Long-Positionen einher. Diese fielen in der Woche zum 15. Oktober auf knapp 176 Tsd. Kontrakte und damit auf das niedrigste Niveau seit Juni. Der Preisrückgang war also zu einem hohen Mass auf spekulative Verkäufe zurückzuführen. Seit dem Ende September verzeichneten zyklischen Hoch sind die Netto-Long-Positionen bei Gold um gut ein Viertel gesunken. Damit sollte ein Grossteil der spekulativen Übertreibung abgebaut sein und der Verkaufsdruck von dieser Seite nachlassen. Weiter Zuflüsse verzeichnen dagegen die Gold-ETFs, was für eine anhaltend robuste Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen spricht. Am Freitag stiegen die Bestände der von Bloomberg erfassten Gold-ETFs um knapp 7 Tonnen, wofür erstmals seit Ende September wieder der weltgrösste Gold-ETF, SPDR Gold Trust, verantwortlich zeichnete. Preisrückgänge werden von den ETF-Anlegern offensichtlich weiterhin als Kaufgelegenheit erachtet. Das Augenmerk dürfte sich in dieser Woche erneut nach London richten, wo das britische Parlament nach der Verschiebung der Abstimmung über das Brexit-Austrittsabkommen abstimmen soll.

Industriemetalle – Bearbeitungsgebühren für Zink dürften 2020 merklich steigen: Der Rückgang des chinesischen BIP-Wachstums im 3. Quartal auf 6% gg. Vorjahr auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahrzehnten hat die Metallmärkte nicht belastet. Nicht nur war die Abschwächung im Vorfeld abzusehen und daher in den Preisen eskomptiert. Vielmehr bereitet sich die chinesische Regierung auf die Zeiten eines Wachstums von weniger als 6% vor, rechnet also damit, dass das Wirtschaftswachstum in China auch in den kommenden Quartalen nicht über die Marke von 6% p.a. steigt. Daher ist mit Stützungsmassnahmen zu rechnen, auch wenn grosse Konjunkturprogramme unwahrscheinlich sind. Eine Stabilisierung des Wachstums wenngleich auf einem niedrigen Niveau, dürfte auch die Metallpreise stabilisieren.

Im Vorfeld des wichtigsten Treffens der Metallbranche, der LME Week in London kommende Woche, sollen in dieser Woche im Rahmen der jeweiligen sog. Study Group-Konferenzen vorläufige Prognosen für das nächste Jahr vorgelegt und Gespräche über die Bearbeitungs- und Raffineriegebühren (TC/RC) gehalten werden. So ist bei Zink dank einer hohen Verfügbarkeit von Konzentrat mit einem starken Anstieg der Bearbeitungsgebühren seitens der Schmelzer zu rechnen. Die Spot-Bearbeitungsgebühren sind jüngst auf über 285 USD je Tonne gestiegen, den höchsten Stand seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09. Für dieses Jahr lag die Benchmark bei 245 USD je Tonne. Die hohen Gebühren dürften an der Profitabilität der Minenunternehmen zehren und eine weitere Produktionsausweitung bremsen.

 

 

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