26.06.2019 15:20:31

Rücksetzer für den Goldpreis nach Powell-Äusserungen

Energie: Der Brentölpreis steigt am Morgen auf gut 66 USD je Barrel, den höchsten Stand seit Ende Mai. Der Markt reagiert damit auf den unerwartet kräftigen Rückgang der US-Rohölvorräte um 7,5 Mio. Barrel, den das API gestern Abend nach Handelsschluss berichtete. Das US-Energieministerium berichtet die offiziellen Lagedaten heute Nachmittag. Neben der Lagerentwicklung bei Rohöl dürfte dort auch die Benzinnachfrage im Fokus stehen, die in der Vorwoche ein Rekordniveau erreichte. Verharrt diese auf hohem Niveau oder steigt gar weiter, dürften die Nachfragesorgen schwinden und die Ölpreise weiteren Auftrieb erhalten. Unterdessen setzt sich der Krieg der Worte zwischen den USA und Iran fort. US-Präsident Trump drohte dem Iran mit “teilweiser Auslöschung”, sollte dieser Ziele und Interessen der USA in der Region angreifen. Zuvor hatte der iranische Präsident Ruhani die US-Regierung als “geistig zurückgeblieben” bezeichnet. Der Weg für Verhandlungen scheint angesichts dieser Rhetorik versperrt. Der Chef von Saudi Aramco sieht sein Unternehmen trotz der Spannungen in der Region in der Lage, die Nachfrage der Kunden zu bedienen. Er verweist dabei auf die verfügbaren freien Förderkapazitäten, die sich aktuell auf ca. 2 Mio. Barrel pro Tag belaufen. Ob diese bei einer Eskalation der Krise ausreichen würden, darf allerdings bezweifelt werden. Der Fokus richtet sich zudem auf die “OPEC+”-Sitzung in der kommenden Woche. Eine Verlängerung des Kürzungsabkommens um weitere sechs Monate scheint beschlossene Sache zu sein. Russlands Energieminister Nowak betonte gestern den Erfolg der bisherigen Zusammenarbeit und bezeichnete internationale Kooperation als wichtiger denn je.

Edelmetalle: Der Goldpreis fällt am Morgen auf gut 1.400 USD je Feinunze zurück, nachdem der Fed-Vorsitzende Powell die deutlich über das Ziel hinausschiessenden Zinssenkungserwartungen dämpfte. Einige Marktteilnehmer erwarteten bereits einen 50-Basispunkte-Zinsschritt bei der nächsten FOMC-Sitzung Ende Juli , was sogar einer der grössten Tauben im FOMC, Fed-Präsident Bullard, zu weit ging. Ungeachtet der aktuellen Korrektur bleibt das Umfeld für Gold positiv. So ging die US-10-Jahresrendite gestern erstmals seit November 2016 unter der Marke von 2% aus dem Handel, was bei der aktuellen Inflation einen Realzins von ungefähr null Prozent bedeutet.

China hat im Mai nur kleine Mengen Gold importiert. Dies legen zumindest die Daten der Hongkonger Statistikbehörde und der Schweizer Zollbehörde nahe. Gemäss den Hongkonger Daten fielen die Netto-Goldimporte Chinas aus der ehemaligen britischen Kronkolonie im Vergleich zum Vorjahr um 62% auf 21,7 Tonnen. In den ersten fünf Monaten des Jahres lagen die chinesischen Goldimporte aus Hongkong mit knapp 174 Tonnen 28% unter Vorjahr. Ein vergleichbares Bild zeichnen die Schweizer Daten. Im Mai hat die Schweiz nur 13 Tonnen Gold nach China exportiert, 66% weniger als im Vorjahr. Von Januar bis Mai waren es gut 78 Tonnen, ein Minus von 63% gegenüber Vorjahr. Neben den gestiegenen Goldpreisen im Mai führen Marktbeobachter als Grund für die schwachen Importe an, dass Banken ihre Importquoten ausgeschöpft haben und nicht mehr Gold importieren durften. Da der Goldpreis im Juni weiter und zudem noch deutlich stärker gestiegen ist, dürften die Importe in diesem Monat auch preisbedingt nur verhalten ausfallen. Aus diesem Grund dürften auch die Inder im Juni weniger Gold nachgefragt haben – der Goldpreis in Indischer Rupie gerechnet ist auf ein Allzeithoch gestiegen. Ein Indiz einer niedrigen Goldnachfrage ist der Abschlag der Goldpreise in Indien gegenüber den Weltmarktpreisen. Dieser ist aktuell auf einem 3-Jahreshoch.

Industriemetalle: Gestern haben es gleich mehrere Metalle geschafft, psychologisch wichtige Marken zurückzuerobern: Kupfer 6.000 USD je Tonne, Zink 2.500 USD, Aluminium 1.800 USD. Offenbar ist unter den Marktteilnehmern Hoffnung aufgekommen, dass das Treffen zwischen Trump und Xi im Rahmen des G20-Gipfels ein positives Ergebnis bringt. Kupfer scheint zudem durch den Streik in der „Chuquicamata“-Mine in Chile unterstützt zu werden, der augenscheinlich ausgeweitet wird. Laut Gewerkschaftsangaben haben Arbeiter wiederholt Strassen zu verschiedenen Minen in der Region blockiert. Der Streik wird bis mindestens Ende der Woche andauern. Unterdessen hat die International Copper Study Group (ICSG) für den globalen Kupfermarkt für das erste Quartal ein saisonbereinigtes Angebotsdefizit in Höhe von 115 Tsd. Tonnen berichtet. Demnach wurde weniger Kupferraffinade produziert, da in Chile aus Umweltgründen zwei Schmelzen zeitweise ausser Betrieb waren, in Indien eine Schmelze zwangsstillgelegt wurde, und Sambia unter anderem mit Stromversorgungsproblemen zu kämpfen hatte. Durch die Inbetriebnahme neuer Schmelzen in China wurde ein Teil des andernorts rückläufigen Angebots aufgefangen. Laut ICSG war China ebenso dafür verantwortlich, dass die Nachfrage auf globaler Ebene leicht angezogen hat. Die Daten dürften die ICSG in ihrer Einschätzung bestätigen, dass der globale Kupfermarkt auch im Gesamtjahr 2019 unterversorgt ist. Auf ihrer Frühjahrstagung im Mai ging die ICSG von einem Defizit von 189 Tsd. Tonnen aus.

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