19.11.2019 13:30:02

Rohstoffe: Wieder grössere Sorgenfalten

Energie: Saudi-arabische Ölexporte gefallen, US-Schieferölproduktion verliert an Dynamik

Der Brentölpreis geriet gestern Nachmittag unter Druck und notiert am Morgen nur noch bei gut 62 USD je Barrel. Ausschlaggebend hierfür sind aufgekommene Zweifel über ein baldiges Handelsabkommen zwischen den USA und China. Die Hoffnung auf eine (Teil-)Einigung hatte die spekulativen Finanzanleger zuvor verstärkt auf steigende Ölpreise setzen lassen. Hier dürfte es nun zu ersten Gewinnmitnahmen gekommen sein.

Saudi-Arabien produzierte und exportierte im September wegen der Angriffe auf Öleinrichtungen zur Monatsmitte deutlich weniger Öl. Die Produktion sank laut Daten von JODI um 660 Tsd. auf 9,129 Mio. Barrel pro Tag, die Exporte verringerten sich um 210 Tsd. auf 6,67 Mio. Barrel pro Tag. Offensichtlich gelang es Saudi-Arabien somit nicht, die Produktionsausfälle durch den Rückgriff auf Lagerbestände vollständig zu kompensieren. Letztere gingen im September um gut 20 Mio. Barrel zurück. Saudi-Arabien hat die Lagerbestände durch eine deutlich höhere Ölproduktion im Oktober inzwischen wieder weitgehend aufgefüllt.

Die US-Schieferölproduktion steigt weiter, verliert aber spürbar an Schwung. Die US-Energiebehörde erwartet für Dezember einen Anstieg um 48 Tsd. auf 9,13 Mio. Barrel pro Tag. Vor einem Jahr betrug der Zuwachs noch 141 Tsd. Barrel pro Tag, im Durchschnitt der letzten sechs Monate gut 110 Tsd. Barrel pro Tag. Der erwartete Zuwachs im Dezember wird allein vom Permian Basin getragen, das mehr als die Hälfte der gesamten US-Schieferölproduktion ausmacht. Ausserhalb des Permian Basin soll die Schieferölproduktion dagegen fallen. Zumindest in diesem Punkt liegt OPEC-Generalsektretär Barkindo mit seiner Einschätzung richtig.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle: Gold legt leicht zu, Platin zieht mit

Gold hat von der aufgekommenen Risikoaversion der Marktteilnehmer (siehe Industriemetalle unten) profitiert; es handelt bei rund 1.470 USD je Feinunze. Gold wurde auch durch einen schwächeren US-Dollar unterstützt, nachdem sich US-Präsident Trump in einem Gespräch mit Finanzminister Mnuchin und dem Fed-Vorsitzenden Powell über den starken Dollar beklagt hat. Zudem hat Trump eigenen Aussagen zufolge dagegen „protestiert“, dass die Zinsen im Vergleich zu anderen Ländern zu hoch seien. Gemäss heute veröffentlichter Daten der Zollbehörde hat die Schweiz auch im Oktober nur relativ wenig Gold exportiert, insbesondere nach Asien. Wegen der nach wie vor sehr hohen lokalen Preise wurden nach China lediglich 7,2 Tonnen und nach Indien nur 10,2 Tonnen ausgeführt. Auch die Exporte nach Grossbritannien sind deutlich zurückgegangen, obwohl die Gold-ETFs im Oktober noch Zuflüsse verzeichneten.

Platin versucht derzeit, die Marke von 900 USD je Feinunze zurückzuerobern. Gestern hat es im Fahrwasser von Gold angezogen, heute wird es durch robuste Autoabsatzzahlen in der EU unterstützt. Gemäss Daten des Verbands der europäischen Automobilproduzenten (ACEA) sind die Autoneuzulassungen im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 8,7% gestiegen. Nach der Einführung des WLTP-Abgastests im September 2018 war die Vergleichsbasis zwar sehr niedrig. Mit 1,18 Mio. Einheiten wurde nichtsdestotrotz jetzt der höchste Oktober-Wert seit zehn Jahren erreicht. Der Rückstand gegenüber dem Vorjahr wurde nach zehn Monaten fast vollständig aufgeholt.

Industriemetalle: Entspannung am Zinkmarkt, Anspannung am Bleimarkt

Gestern hat im Laufe des Tages die Stimmung der Marktteilnehmer gedreht, so dass die Metallpreise den Handel allesamt im Minus beendeten. Am Markt setzte sich die Meinung durch, dass es im Handelsstreit zwischen den USA und China wohl doch nicht schnell ein „Phase-1-Abkommen“ geben wird. Über Nacht wurde zudem berichtet, dass US-Präsident Trump anscheinend nicht bereit ist, die Zölle zurückzunehmen. Dies ist aber eine Kernforderung Chinas. Der LME-Industriemetallindex ist gestern auf ein 2½-Monatstief gefallen. Die grössten Verlierer waren dabei Blei und Zink. Blei fiel um 2,2%, nachdem es die 200-Tage-Linie durchbrochen hatte, was zu technischen Anschlussverkäufen führte. Zink gab um 1,5% nach. Gemäss Daten der International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) wies der globale Zinkmarkt in den ersten drei Quartalen des Jahres ein Angebotsdefizit von 156 Tsd. Tonnen auf. Zur gleichen Zeit im Vorjahr war das Defizit noch deutlich höher. Die Entspannung ist auf eine höhere Produktion zurückzuführen. Am globalen Bleimarkt hat sich der ILZSG zufolge das Defizit dagegen auf 83 Tsd. Tonnen mehr als verdoppelt. Dies ist einem rückläufigen Angebot nach dem Ausfall einer der weltweit grössten Bleischmelzen geschuldet. Die Daten sind jedoch nur ein Blick in den Rückspiegel, zumal die ILZSG im Rahmen der LME Week neue Marktbilanzschätzungen für 2020 und 2021 veröffentlicht hatte. Demnach sollen sowohl der Zink- als auch der Bleimarkt im nächsten Jahr im Überschuss sein.

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