25.02.2020 14:00:15

Rohstoffe: Wechselbad der Gefühle

Energie: Ölpreis zwischen Skylla und Charybdis

Der Ölmarkt bleibt extrem schwankungsanfällig. Heute Morgen kann sich der Ölpreis nach dem massiven Einbruch gestern wieder etwas erholen. Der Risikoappetit nimmt an den Märkten offenbar wieder zu. Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass das Covid-19-Virus und die damit verbundenen Nachfragerisiken aus den Nachrichten rasch wieder verschwinden. Zudem kommen Zweifel an der Bereitschaft der OPEC+ auf, die notwendigen Produktionskürzungen zu verlängern und auszuweiten. Doch auf der Angebotsseite gibt es auch Probleme. Denn die Tatsache, dass die OPEC derzeit weniger Rohöl produziert, ist neben den starken Kürzungen Saudi-Arabiens vor allem unerwarteten Produktionsausfällen geschuldet. Venezuela bleibt hier wohl das Sorgenkind. Die venezolanischen Ölexporte sind im Vorjahr wegen finanzieller und technischer Schwierigkeiten und der US-Sanktionen auf lediglich 1 Mio. Barrel täglich gesunken. Nun wollen die USA laut gestriger Aussage des US-Sonderbeauftragten für Venezuela die Sekundärsanktionen gegen Händler und Kunden des staatlichen venezolanischen Ölkonzerns deutlich ausweiten. Es ist daher fraglich, ob der jüngste Versuch des grössten russischen Ölproduzenten, der zuvor einen Grossteil der Ölexporte Venezuelas aufgekauft und “durchgehandelt” hat, die Öllieferungen von seinem sanktionierten Tochterunternehmen zu einem anderen umzuschichten, unbestraft bleibt. Letzteres sollte nach Berechnungen von Bloomberg bis Ende Februar 14,3 Mio. Barrel venezolanisches Rohöl laden, verglichen mit 5 Mio. im gesamten Jahr 2019. Auch könnten gegen chinesische Unternehmen Sanktionen verhängt werden, die zu den grössten Kunden Venezuelas zählen. Die Nachfragesorgen werden also aktuell von den Angebotssorgen kompensiert, zumal letztere zusätzlich von einer wegen niedrigerer Ölpreise wahrscheinlichen Abwärtsrevision der Pläne für die Produktionsausweitung ausserhalb der OPEC genährt werden.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle: Auf den Höhenflug von Gold folgt die spürbare Korrektur

Gold war gestern über weite Strecken des Handelstages stark nachgefragt und stieg in der Spitze auf 1.690 USD je Feinunze. In Euro wurde das Rekordhoch auf 1.560 EUR je Feinunze nach oben geschraubt, in zahlreichen anderen Währungen wurden ebenfalls neue Rekordniveaus verzeichnet. Gold profitierte dabei zunächst von der deutlich gestiegenen Risikoaversion der Marktteilnehmer im Zuge der Ausbreitung des Covid-19-Virus, die sich unter anderem in einem Einbruch an den Aktienmärkten widerspiegelte. Der Dow Jones Industrial Average in den USA gab um über 1.000 Punkte nach (-3,6%), in Europa fielen einige Aktienmärkte sogar um über 5%. Ebenso gaben die Anleiherenditen spürbar nach – die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen ist auf ein 3½-Jahrestief gefallen, die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen notiert bei -0,5% –, wovon Gold ebenfalls profitierte. Gegen Abend setzten dann allerdings Gewinnmitnahmen ein, die sich heute Morgen fortsetzen. Gold fällt auf gut 1.630 USD, handelt also fast 60 USD unter seinem Hoch von gestern. Gold in Euro rutscht bis auf 1.500 EUR ab. Aus charttechnischer Sicht war Gold gemessen am Relative-Stärke-Index überkauft und der jüngste Preisanstieg seit Anfang letzter Woche schien überhitzt. Zur Korrektur tragen Meldungen aus den USA bei, wonach ein Unternehmen dort gerade einen Impfstoff gegen das Virus testet (Ergebnisse sollen im Juli/August vorliegen). US-Präsident Trump hat dem Kongress einen Nachtragshaushalt von 2,5 Mrd. USD zur Bekämpfung des Virus vorgelegt und getwittert, dass das Virus „in den USA weitgehend unter Kontrolle“ ist. Sein Wirtschaftsberater Kudlow rief zu Aktienkäufen auf, da das Virus nicht ewig dauern würde.

Industriemetalle: Deutlich geringeres Angebotsdefizit am Nickelmarkt

Die Ausbreitung des Covid-19-Virus ausserhalb Chinas hat gestern nicht nur an den Aktienmärkten zu einem Abverkauf geführt. Auch die zyklischen Rohstoffe waren betroffen, allen voran die Energieträger. Angesichts dessen und der massiven Verluste an den Aktienmärkten haben sich die Industriemetalle jedoch recht beachtlich aus der Affäre gezogen, der LME-Industriemetallindex gab „nur“ um 1,3% nach. Heute Morgen hat sich die Stimmung der Marktteilnehmer offenbar bereits wieder aufgehellt und die Metalle holen einen Teil ihrer gestrigen Verluste auf. Hierzu tragen unter anderem Meldungen bei, wonach gerade ein Impfstoff gegen das Virus getestet wird (siehe Edelmetalle oben). Die Nachrichtenlage bleibt allerdings gemischt: Laut Aussagen der WHO sei nicht klar, ob eine globale Ausbreitung des Virus verhindert werden kann. Wegen des Virus-Ausbruchs werden weltweit, vor allem in China, immer mehr Veranstaltungen abgesagt bzw. verschoben, so auch der Nationale Volkskongress der Kommunistischen Partei, der am 5. März hätte beginnen sollen. Auf diesem gibt die Regierung für gewöhnlich die Wirtschaftsziele und gegebenenfalls Konjunkturmassnahmen für das jeweilige Jahr bekannt.

Wie die International Nickel Study Group letzte Woche veröffentlichte, wies der globale Nickelmarkt im letzten Jahr noch ein Angebotsdefizit von gut 30 Tsd. Tonnen auf. Dieses ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich um fast 80% und damit stärker als erwartet geschrumpft. Grund hierfür war eine deutliche Angebotsausweitung um 8,6%. Das Angebot trifft offenbar seit einiger Zeit auf eine verhaltene Nachfrage, denn seit Anfang Dezember haben sich die Nickelvorräte in den Lagerhäusern der LME mehr als verdreifacht. Sie liegen aktuell auf dem höchsten Stand seit 1½ Jahren.

Aktien Top Flop

Alcon 48.74
8.06 %
Roche Hldg G 308.80
4.10 %
Swisscom 536.00
4.08 %
Givaudan 2'975.00
3.84 %
Lonza Grp 393.80
3.14 %
Adecco Group 36.78
-0.51 %
Swiss Re 70.30
-0.54 %
CS Group 8.00
-0.67 %
CieFinRichemont 52.10
-1.51 %
ABB 16.64
-5.78 %

Finanzen.net News

pagehit