28.02.2020 14:31:40

Rohstoffe: Corona – Jetzt trifft es alle

Energie: OPEC zurück auf Los, Saudi-Arabien reduziert sein Ölangebot

Der Abverkauf bei Öl setzt sich am Morgen fort. Der Brentölpreis nähert sich der Marke von 50 USD je Barrel und steht vor dem grössten Wochenverlust seit mehr als vier Jahren. Niedriger notierte Brent zuletzt Weihnachten 2018. Auch damals dominierten Rezessionsängste, auch damals standen die Aktienmärkte massiv unter Druck. Mit dem jüngsten Preisrückgang hat der Brentölpreis alle Gewinne seit Anfang 2019 wieder abgegeben. Oder anders ausgedrückt, die OPEC steht wieder dort, wo sie vor Beginn der aktuellen Produktionskürzungen stand. Damit gewinnt die “OPEC+”-Sitzung in der kommenden Woche zusätzlich an Brisanz. Wie werden die Produzenten auf den starken Preisrutsch reagieren? Das Technische Komittee empfahl vor einigen Wochen eine zusätzliche Kürzung um 600 Tsd. Barrel pro Tag, was sich angesichts der jüngsten Entwicklungen bei der Nachfrage als unzureichend erweisen könnte. Es gibt bereits Schätzungen am Markt, wonach die globale Ölnachfrage in diesem Jahr stagnieren wird. Zum Vergleich: Die IEA erwartet hier noch einen Anstieg um 825 Tsd. Barrel pro Tag. Saudi-Arabien will einem Bericht der Financial Times zufolge beim anstehenden Treffen auf eine gemeinsame Kürzung um 1 Mio. Barrel pro Tag drängen. Den Grossteil davon wird Saudi-Arabien wohl allein stemmen müssen. Schon jetzt scheint Saudi-Arabien in Vorlage zu gehen. Wie informierte Kreise berichten, reduziert der grösste OPEC-Produzent seine Öllieferungen nach China im März um mindestens 500 Tsd. Barrel pro Tag, um der schwächeren Nachfrage der Raffinerien Rechnung zu tragen. Auch für April scheint sich keine nennenswerte Belebung der Nachfrage abzuzeichnen. Einer Bloomberg-Umfrage zufolge dürfte Saudi-Arabien seine offiziellen Verkaufspreise für Abnehmer in Asien im April gegenüber März deutlich senken. Mit anderen Worten: Saudi-Arabien verkauft deutlich weniger Öl zu deutlich niedrigeren Preisen. Wie lange wird das funktionieren?

Edelmetalle: Zwangsverkäufe bei Gold

An den Finanzmärkten herrscht mittlerweile grosse Angst, dass das Covid-19-Virus zu einer weltweiten Rezession führt, nachdem es sich weiter rasant ausbreitet. Der Dow Jones Industrial Average in den USA hat gestern den grössten absoluten Tagesverlust jemals verzeichnet (knapp 1.200 Punkte bzw. 4,4%), womit er seit Wochenbeginn um über 11% abgestürzt ist. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen ist auf ein neues Rekordtief von 1,2% gefallen. Die hohe Risikoaversion der Marktteilnehmer macht sich auch weiterhin an den Rohstoffmärkten bemerkbar: Die zyklischen Rohstoffe, insbesondere Energieträger, stehen stark unter Druck (siehe oben). Dagegen könnte man meinen, dass Gold als sicherer Hafen gut gefragt sein müsste. Doch heute Morgen ist genau das Gegenteil der Fall: Gold fällt auf 1.630 USD bzw. 1.480 EUR je Feinunze. Wir führen dies auf Zwangsverkäufe zurück, um anderweitige Verluste aufzufangen und um sog. margin calls zu erfüllen. Die aufgekommenen Zinssenkungsphantasien geben Gold keine Unterstützung. Die Fed Fund Futures zeigen mittlerweile drei Zinssenkungen für dieses Jahr an. In den USA besteht noch Spielraum für Zinssenkungen, da dort die Leitzinsen vergleichsweise hoch sind. Der EZB sind dagegen weitgehend die Hände gebunden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass EZB-Präsidentin Lagarde laut einem Zeitungsbericht aktuell keine Notwendigkeit für geldpolitische Massnahmen sieht. Der im Zuge der Zinssenkungserwartungen schwächere US-Dollar gibt Gold ebenfalls keine Unterstützung. Allerdings hat der feste US-Dollar in den Wochen zuvor den Goldpreis auch nicht belastet. Silber, Platin und Palladium fallen heute Morgen deutlich stärker als Gold, nachdem Palladium gestern Abend bei gut 2.880 USD je Feinunze ein neues Rekordhoch markierte. Das Gold/Silber-Verhältnis steigt daraufhin auf 95, womit Silber gegenüber Gold so günstig wie zuletzt vor fast 30 Jahren ist.

Industriemetalle: Zink grösster Verlierer seit Beginn des Abwärtstrends

Nachdem sich die Metallpreise im Vergleich zu den Energiepreisen in den letzten Tagen recht gut gehalten haben, stehen auch sie heute Morgen stärker unter Druck: Kupfer fällt auf gut 5.500 USD je Tonne, Nickel markiert mit 12.200 USD ein 8-Monatstief. Aluminium verbilligt sich auf 1.670 USD, der tiefste Stand seit fast 3½ Jahren, und Zink rutscht erstmals seit Mitte 2016 unter die Marke von 2.000 USD je Tonne. Damit ist Zink seit Beginn des Abwärtstrends an den Metallmärkten Mitte Januar der grösste Verlierer unter den Metallen und nicht Kupfer, wie man vielleicht hätte erwarten können (-19% ggü. -12%). Wie Kupfer wird auch Zink vielfältig eingesetzt. Der Unterschied liegt auf der Angebotsseite, wo bei Zink zuletzt vor allem die Minenproduktion und mit Abstrichen auch die Raffinadeproduktion spürbar ausgeweitet wurde. Die Kupferproduzenten hatten dagegen mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Unterdessen hat der Verband der chinesischen Buntmetallindustrie die Zentralregierung in Peking dazu aufgerufen, Metalle von den Schmelzen zu kaufen, um so den Druck immer weiter steigender Lagerbestände von den Schmelzen zu nehmen. Wegen des Covid-19-Virus sehen sich die Schmelzen einer schwachen Nachfrage gegenüber. Morgen soll in China der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (PMI) für Februar veröffentlicht werden, am Montag der von Caixin. Diese geben ein Bild, wie stark die Stimmung in der chinesischen Industrie unter dem Virus gelitten hat. Der Bloomberg-Konsensus liegt bei 45, die niedrigste Schätzung bei 30.

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