28.01.2020 13:30:20

Rohstoffe: Ausverkauf wegen anhaltender Verunsicherung

Energie: Gasöl-Crackspread so niedrig wie lange nicht

Die Sorge vor einer Abschwächung der Ölnachfrage infolge des Coronavirus setzt den Ölpreisen weiterhin sichtbar zu. Brentöl rutschte gestern auf ein 3½-Monatstief von 58,5 USD je Barrel. WTI verzeichnete bei gut 52 USD den tiefsten Stand seit Anfang Oktober. Gasöl ist mit gut 500 USD je Tonne so preiswert wie zuletzt Anfang 2019. Der Gasöl/Brent-Crackspread rutschte erstmals seit Sommer 2017 unter die Marke von 10 USD je Barrel. Der Crackspread ist im Sommer saisonüblich niedrig, was die derzeitige Schwäche nochmals in einem anderen Licht erscheinen lässt. Einen niedrigeren Crackspread im Winter gab es zuletzt Anfang 2016. Damals waren die Ölpreise auf den tiefsten Stand seit mehr als 10 Jahren abgestürzt, sodass auch diese Schwäche auf besondere Umstände zurückzuführen war. Der deutliche Rückgang des Gasöl-Crackspread um 4 USD in den letzten zwei Wochen lässt sich damit erklären, dass insbesondere die Nachfrage nach Mitteldestillaten unter dem Coronavirus leiden dürfte. Das öffentliche Leben in China ist vielerorts zum Stillstand gekommen. Das geht mit einer geringeren Reisetätigkeit einher. Zudem werden Flugverbindungen von und nach China reduziert, sodass auch weniger Kerosin verbraucht werden dürfte. Die Raffinerien in China habe ihre Verarbeitungskapazitäten in den letzten Monaten deutlich ausgeweitet. Das überschüssige Diesel dürfte exportiert werden und somit das bereits bestehende Überangebot auf dem Weltmarkt vergrössern. Die höhere Nachfrage nach schwefelarmen Schiffskraftstoffen im Zuge von IMO 2020 kann dadurch mehr als abgedeckt werden. Eine Erholung des Gasöl-Crackspread ist daher erst zu erwarten, wenn der Virus eingedämmt ist und sich die Lage in China normalisiert.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle: Gold bleibt gut unterstützt, Korrektur bei Platin und Palladium

Die weitere Ausbreitung des Coronavirus in China – über Nacht haben die chinesischen Behörden einen deutlichen Anstieg der Infektionen gemeldet und die Zahl der Toten ist ebenfalls gestiegen – hat zu einem weiteren Goldpreisanstieg geführt. Auf Schlusskursbasis hat Gold mit 1.582 USD je Feinunze den höchsten Stand seit April 2013 erreicht. In Euro gerechnet wurde sogar ein Rekordhoch von 1.436 EUR je Feinunze verzeichnet. Solange die Verunsicherung der Marktteilnehmer bestehen bleibt, dürfte Gold gut nachgefragt und der Preis entsprechend unterstützt sein.

Die Schwäche der Industriemetallpreise (siehe unten) ist gestern auf Platin und vor allem Palladium übergeschwappt. Während Platin um 2% nachgab, stand bei Palladium am Handelsende sogar ein Minus von 6,6% zu Buche. Dies war der grösste Tagesverlust seit März 2019. Es ist dabei unter 2.300 USD je Feinunze gefallen. Heute Morgen macht Palladium bereits einen Teil seiner Verluste wieder wett. Wir gehen davon aus, dass sich die Korrektur fortsetzt, denn der Anstieg zuvor war unseres Erachtens übertrieben. Wie wir bereits vor einer Woche an dieser Stelle geschrieben haben, nimmt Palladium aktuell die gleiche Preisentwicklung wie Silber im Jahr 2011. Silber war damals auf fast 50 USD empor geschnellt und anschliessend innerhalb weniger Wochen um 35% abgestürzt. Palladium ist von seinem Rekordhoch bislang „nur“ um gut 10% gefallen. Aus dieser Sicht hätte Palladium also noch viel Luft nach unten. Seit Mitte des Monats trennen sich einige ETF-Investoren von ihren Beständen, was wir auf Gewinnmitnahmen zurückführen. In den letzten Tagen sind hier fast 34 Tsd. Unzen abgeflossen und anscheinend den Platin-ETFs zugeflossen. Bei Platin bedarf es einer robusten Investmentnachfrage, damit der Angebotsüberschuss nicht völlig ausufert.

Industriemetalle: Preisrückgang nimmt übertriebene Züge an

Gestern gab es an den Metallmärkten einen Ausverkauf, der wohl durch spekulative und technische Verkäufe beschleunigt wurde. Kupfer fiel um über 3% auf ein 3-Monatstief von 5.730 USD je Tonne, war damit aber nicht der grösste Verlierer. Diese Position hat Zink eingenommen mit einem Minus von 4,3%. Nickel hat sich zwischenzeitlich dem Abwärtssog entziehen können und seine Verluste weitgehend aufgeholt, den Handel aber dann doch mit einem Minus von 2,6% bei 12.600 USD beendet. Der LME-Industriemetallindex verzeichnete mit 2,7% den stärksten Tagesverlust seit August 2018. Er ist damit nicht nur aus seinem Handelsband nach unten rausgerutscht, sondern zugleich auf ein 3-Jahrestief gefallen. Eisenerz ist gestern um 6,4% abgesackt und notiert unter 85 USD je Tonne. Heute Morgen haben sich die Metallpreise immerhin stabilisiert, bei Nickel gibt es sogar eine leichte Gegenbewegung. Die Verunsicherung dürfte aber gross bleiben. Wir schliessen zwar kurzfristig weitere Preisrückgänge nicht aus, der Preisverfall nimmt unseres Erachtens aber langsam übertriebene Züge an. Sobald sich ein Boden gebildet hat, sehen wir die Preisniveaus als langfristige attraktive Absicherungsmöglichkeiten. Um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, greift die Regierung in China weiter zu drastischen Massnahmen: So bleiben zum Beispiel in Shanghai die Behörden und Firmen bis zum 9. Februar geschlossen.

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