25.03.2019 13:31:06

Rezessionssorgen drücken auf die Stimmung

Energie: Die Ölpreise stehen wegen einer Mischung aus Rezessionssorgen und schlechter Marktstimmung unter Druck (siehe auch Edelmetalle unten). Brent fällt im Zuge dessen auf 66,5 USD je Barrel, WTI unter 59 USD. Ein stärkerer Preisrückgang wird durch die ölmarktspezifischen Nachrichten verhindert. Diese deuten auf ein knapperes Angebot hin. So sind die US-Rohölvorräte zuletzt gegen den saisonalen Trend gefallen. Die Schieferölproduzenten in den USA hatten auf den Ölpreisabsturz im vierten Quartal mit einer Kürzung der Ausgaben reagiert. Bemerkbar macht sich dies in der seit Ende 2018 rückläufigen Bohraktivität. Laut Baker Hughes ging die Zahl der aktiven Ölbohrungen letzte Woche um weitere neun auf 824 zurück. Das war bereits der fünfte Wochenrückgang in Folge und stellt das niedrigste Niveau seit April 2018 dar. Normalerweise folgt die Ölproduktion der Bohraktivität mit einer zeitlichen Verzögerung von 2-3 Monaten. Dies spricht somit für eine weniger dynamische Entwicklung der US-Ölproduktion in den kommenden Monaten. Es ist daher vorstellbar, dass es demnächst zu Abwärtsrevisionen der optimistischen Produktionsprognosen kommt. Die OPEC hält das Angebot weiterhin knapp. Ende der Woche sollten Produktionsumfragen von Reuters und Bloomberg bestätigen, dass die OPEC auch im März weniger gefördert hat als laut Kürzungsabkommen vorgesehen. Denn Saudi-Arabien hat seine Produktion nochmals reduziert. Die spekulativen Finanzanleger haben ihre Netto-Long-Positionen bei Brent und WTI in der Woche zum 19. März erhöht und damit zum Preisanstieg auf ein 4-Monatshoch beigetragen.

Edelmetalle: Gold profitiert von den Konjunktursorgen der Marktteilnehmer – in der Eurozone wurden schwache Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen ist negativ, die Zinsstrukturkurve in den USA ist ab dem dritten Laufzeitenmonat invers, was als Warnsignal einer Rezession gilt, und es werden immer stärker Zinssenkungen der US-Notenbank Fed eingepreist – und steigt zum Wochenauftakt wieder auf knapp 1.320 USD je Feinunze. Da der US-Dollar spürbar aufgewertet hat, ist Gold in Euro gerechnet noch stärker gestiegen. Eine Feinunze kostet heute Morgen 1.165 EUR. Im Umfeld schwacher Aktienmärkte waren am Freitag die Gold-ETFs gefragt. Und auch die spekulativen Finanzinvestoren dürften weiter auf steigende Goldpreise setzen, nachdem sie laut CFTC-Statistik schon in der Woche zum 19. März ihre Netto-Long-Positionen deutlich auf 30,5 Tsd. Kontrakte ausgeweitet hatten. Der Weg für Gold nach oben ist aus unserer Sicht weiter geebnet. Denn neben den Konjunktursorgen sollte die anhaltende Brexit-Unsicherheit unterstützend wirken. Die für diese Woche angedachte neuerliche Abstimmung im britischen Parlament über das EU-Austrittsabkommen steht auf Messers Schneide. Nach wie vor gibt es für das Abkommen keine Mehrheit unter den Abgeordneten, und Zeitungsberichten vom Wochenende zufolge planen einige Minister eine Revolte gegen Premierministerin Theresa May. Das Risiko eines ungeordneten Austritts Grossbritanniens aus der EU wächst mit jedem Tag, der ergebnislos verstreicht.

Industriemetalle: Die letzten Freitag aufgekommene schlechte Stimmung der Marktteilnehmer – Kupfer hat 1,7% verloren und die anderen Industriemetalle mit nach unten gezogen – schwappt in die neue Handelswoche über. Alle Metallpreise sind im Minus, wozu wohl auch die schwachen Aktienmärkte beitragen. Zum Rückgang am Freitag kam es, nachdem schwache Konjunkturdaten aus der Eurozone berichtet wurden. Vor allem in Deutschland ist der vorläufige Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im März eingebrochen. Er liegt mittlerweile auf einem Niveau, das mit Ausnahme der Euro-Staatsschuldenkrise 2012 nur in Rezessionszeiten zu beobachten war. Deutschland und der Euroraum insgesamt sind zwar nicht der grösste Nachfrager von Industriemetallen, dennoch wäre das mögliche Abrutschen in eine Rezession ein negatives Signal für die Metallnachfrage und schlussendlich auch die Metallpreise. Wir gehen aber nicht davon aus, dass die Metallnachfrage einbrechen wird. Ins¬besondere China dürfte unseres Erachtens mit seinen angekündigten Konjunkturmassnahmen – die Steuersenkungen treten nächste Woche in Kraft – gegenwirken. Zudem verschärft China die Importrestriktionen bei Kupferschrott. Dies dürfte dazu führen, dass China als Ersatz verstärkt Kupfererz und -konzentrat sowie Kupferraffinade nachfragt. Schon im Februar hat China kaum noch Kupferschrott importiert. Gemäss Daten der Zollbehörde fielen die Schrotteinfuhren auf nur noch 60 Tsd. Tonnen, die geringste Menge seit Beginn der Datenreihe im Jahr 2004.

Rechtline Hinweise: Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise

Bitte beachten Sie zusätzlich den wichtigen Hinweis zu allen abgebildeten Charts und Kursverläufen: Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.  

Finanzen.net News

pagehit